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Weihnachten in Wermelskirchen wird in Tüten verpackt

Heiligabend in Wermelskirchen im Coronajahr : Weihnachten wird in Tüten verpackt

Sie haben 100 Tüten gepackt: Das Team der Evangelischen Kirchengemeinde lädt Interessierte ein, am Heiligen Abend ihren „Weihnachtsgottesdienst to go“ abzuholen – kontaktlos auf dem Kirchhof neben der evangelischen Stadtkirche am Markt oder in Hünger.

Es fühlt sich wie Weihnachten an. Irgendjemand summt eine vertraute Adventsmelodie, es raschelt leise, und immer mehr gefüllte Tüten landen in den großen Kartons im evangelischen Gemeindezentrum am Markt. Zwei Tage vor Weihnachten ist das Team der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen im kreativen Einsatz: Pfarrerin Antje Hedke, Vikarin Sarah Kannemann und die Ehrenamtlichen der Familienkirche und des Kindergottesdienstes Eipringhausen packen Tüten – auf Abstand versteht sich, im großen Saal, aber mit viel Vorfreude im Gepäck. 100 Exemplare sollen an diesem Nachmittag fertig geschnürt werden, damit sie pünktlich am Heiligen Abend ihren Platz auf dem Kirchhof finden und eingesammelt werden können.

„Als klar war, dass die Gottesdienste nicht stattfinden, war ich sehr traurig“, erzählt Presbyterin Manuela Schulz. Das Team habe sich viel Arbeit gemacht mit der Vorbereitung des Stationen-Gottesdienstes. An sieben Stationen sollten Menschen im Familienverband die Möglichkeit bekommen, ihren Weihnachtsgottesdienst mal ganz anders zu feiern – nicht weniger festlich, aber coronkonform.

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In der Stadtkirche und auf dem Kirchhof sollten die Stationen die Menschen erwarten. 21 Familien hatten sich bereits verbindlich angemeldet, als die Evangelische Kirchengemeinde die Entscheidung traf, alle Präsenzgottesdienste abzusagen – und damit auf die steigenden Coronazahlen reagierte.

„Jetzt packen wir die frohe Botschaft, dass Jesus kommt, einfach in Tüten“, sagt Manuela Schulz. Weihnachten to go. Das Team hat dabei die Vorbereitungen für den Stationen-Gottesdienst aufgegriffen, alle Stationen zum Mitnehmen vorbereitet und verpackt sie nun in Tüten. „So kann der Gottesdienst mal auf ganz ungewöhnliche Weise, nämlich nur im Kreis der Familie gefeiert werden“, sagt Pfarrerin Anke Schäfer, „wir packen den Gottesdienst wie ein Geschenk in eine Tüte ein und die Familien packen ihn aus, setzen ihn Stück für Stück zusammen und hören so unter ihrem eigenen Christbaum die gute Botschaft von Weihnachten: Euch ist heute der Heiland geboren.“ Dabei setzt das Team aufs Mitmachen und selbst Erleben.

In der Tüte landen nicht nur Texte und Ideen zum Vorlesen, sondern auch kleine Geschenke, kreative Mitmach-Ideen und kleine Köstlichkeiten zum Knabbern. Mit viel Abstand und ohne direkten Kontakt können Interessierte – Familien und Alleinstehende, Junge und Alte – die Tüten am Heiligen Abend im Kirchhof neben der Stadtkirche von der Wäscheleine nehmen.

„Uns ist es wichtig, zu zeigen: Die Begegnung vor Ort ist abgesagt, aber nicht Weihnachten“, sagt Pfarrerin Antje Hedke, „auch und gerade in dieser herausfordernden Zeit ist Gott uns nahe.“ Und damit diese Botschaft in Coronazeiten nicht auf der Strecke bleibt, wird am Dienstagnachmittag sortiert, verpackt und vorbereitet. Nur ganz selten schimmert noch die Enttäuschung durch, dass Corona dafür gesorgt hat, dass die Gottesdienste ausfallen müssen. Das Team konzentriert sich gut gelaunt auf die Möglichkeiten. „Wir wollen den Menschen ein Angebot machen“, sagt Antje Hedke, „die Tüte ist ein Zeichen der Verbundenheit, auch wenn jeder nur in seiner Familie feiern kann. Wir wollen den Menschen die Weihnachtsfreude mitgeben.“ Wenn am Heiligen Abend nicht alle Tüten abgeholt werden, können Interessierte auch an den Weihnachtstagen im Turm der Stadtkirche eine Tüte einsammeln – und nachfeiern.

Auch der Bezirk Hünger der evangelischen Kirchengemeinde setzt auf Weihnachten in Tüten: Dort kann ein „Gottesdienst zum Mitnehmen“ an Heiligabend abgeholt werden.