Wermelskirchen Wasserqualität steht auf dem Prüfstand

Wermelskirchen · Sollte die EU die Privatisierung der Wasserversorgung durchsetzen, könnten ausländische Unternehmen die Konzessionen bekommen. Die Gefahr ist dann groß, dass sich die Qualität des Trinkwassers verschlechtert.

 In Schürholz sprudelt die "Quelle": Der Brunnen wird gespeist mit dem Wasser aus der Dhünn-Talsperre.

In Schürholz sprudelt die "Quelle": Der Brunnen wird gespeist mit dem Wasser aus der Dhünn-Talsperre.

Foto: Hans Dörner

Günter Wasserfuhr und Wilhelm Heikamp schauen mit sorgenvollem Blick nach Brüssel. Der Betriebsleiter des Wasserversorgungsverbandes Rhein-Wupper, quasi der Vorlieferant für die BEW, und der Geschäftsführer des Energieversorgers fürchten die Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Das strebt der EU-Kommissar für den Binnenmarkt, Michael Barnier, an. "Wenn Konzerne oder Unternehmen die Wasserversorgung übernehmen, wird die Gewinnmaximierung in den Vordergrund geschoben. Die Qualität des Trinkwassers rückt dann in weite Ferne", sagt Fachmann Wasserfuhr.

Für den Wasserversorgungsverband steht die Versorgung der Bürger mit bestem Trinkwasser an erster Stelle. Wenn Spanier oder Franzosen die Trinkwasserversorgung übernähmen, hätten sie weniger Interesse an der Sicherung und Qualität einer guten und einwandfreien Wasserversorgung, so die Einschätzung des Betriebsleiters. Es würde ihnen darum gehen, maximale Gewinne während der Laufzeit ihrer Konzession rauszuziehen. Wasserfuhr nennt ein Beispiel aus England: Dort hätte ein privater Betreiber viele Jahre eine Stadt mit Wasser beliefert, aber nicht in die Unterhaltung investiert. "Die Netze waren marode, die Bürger mussten, als der Vertrag auslief und der Betreiber kein Interesse mehr hatte, die Kosten übernehmen." Soweit dürfe es in Deutschland nicht kommen. Wasserfuhr ist deshalb gegen die Privatisierung — "nicht wegen des Jobs. Die Qualität der Wasserversorgung steht dann auf dem Prüfstand."

Auf der gleichen Linie fährt der BEW-Geschäftsführer. Natürlich mache sein Unternehmen Gewinne, sagt Heikamp. "Aber wir sind nicht auf Gewinnmaximierung aus wie Konzerne." Kostendeckende Preise seien das Ziel — "den Wasserpreis bestimmen auch die Kommunen mit. Denn sie sitzen als Anteilseigner mit im Aufsichtsrat." Und die Städte Wermelskirchen, Hückeswagen und Wipperfürth bekämen natürlich über die Konzessionsverträge einen Teil des Gewinns zurück.

Die neuen EU-Richtlinien über die Konzessionsabgabe hält er für überflüssig. Die Konzessionsabgabe vergeben die Städte — die Ausschreibung sei immer öffentlich. "Jeder kann sich bewerben", sagt Heikamp. In Wermelskirchen wurde 2011 die Konzession neu an die BEW vergeben, in Wipperfürth und Hückeswagen in 2012 — jeweils für 20 Jahre. "Damit ist die Qualität der Trinkwasserversorgung die nächsten Jahre gesichert", sagt Heikamp. Die Kommunen haben da die Hoheit — sie vergeben Konzessionen nach ihren Gesichtspunkten. Wobei eben die Sicherheit der Versorgung und die Trinkwasserqualität hohe Priorität hätten. "Für mich gibt es keinen Grund, das System zu ändern."

Die EU verteidigt übrigens ihre Idee: Für alle Seiten müsse die Konzessionsvergabe transparent sein und mehr Rechtssicherheit bringen, wenn private Wasserversorger ins Spiel kämen. Dies versteht die EU auch als ein Mittel gegen Korruption und für den sparsamen Umgang mit dem Geld des Steuerzahlers. Auch dürfe nicht mehr der "kurze Draht" ins Rathaus für den Wasserversorgungsvertrag ausschlaggebend sein, heißt es in einer EU-Pressemitteilung. Eine "Zwangsprivatisierung" plant die EU nach eigenen Angaben derzeit keinesfalls.

(RP)
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