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Wermelskirchen: "Was geht uns der Kreis an?"

Wermelskirchen : "Was geht uns der Kreis an?"

Wermelskirchen war mit gerade mal 20, 08 Prozent Beteiligung das Schlusslicht bei der Landratswahl. Die Gründe dafür sind Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden bekannt. Es fehle an der Identifikation mit dem Kreis.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner gratulierte dem neuen Landrat Hermann-Josef Tebroke (CDU) per E-Mail mit als Erster. Über die miserable Wahlbeteiligung in seiner Heimatstadt Wermelskirchen dürfte sich Lindner gewundert haben. Denn Lindner hatte Wermelskirchen bei einem seiner jüngsten Besuche noch als "die am meisten politisierte Stadt", die er kenne, bezeichnet.

Dieser Einschätzung hat Wermelskirchen mit einer Beteiligung von nur 20,08 Prozent bei der Landratswahl am Sonntag, wo die Stadt im Kreis damit das Schlusslicht bildete, nicht entsprochen. Bürgermeister Eric Weik und die Fraktionsvorsitzenden kennen aber die Gründe für diese schlechte Wahlbeteiligung. Weik sagt: "Die gefühlte und tatsächliche Entfernung von Wermelskirchen nach Bergisch Gladbach und damit zum Rheinisch-Bergischen Kreis könnte größer nicht sein."

Durch die Abkopplung der Landratswahl von Bürgermeister- oder Stadtratswahlen werde offenkundig, dass die Bürger mit der Funktion des Landrates nicht viel anfangen könnten.

Wer oder was wurde gewählt?

WNKUWG-Fraktionsvorsitzender Henning Rehse sieht dies ebenso: "Manche haben sogar gefragt, wo es hier zum Landtagswahllokal geht. Die wussten noch nicht einmal, dass der Landrat und nicht der Landtag gewählt wird", berichtet Rehse. Außerdem orientierten sich die Wermelskirchener, egal welchen Alters, nun einfach nicht nach Bergisch Gladbach. Viele Wermelskirchener verträten die Positionen: "Was geht uns der Rheinisch-Bergische Kreis denn überhaupt an?"

Büfo-Fraktionsvorsitzender Friedel Burghoff sieht nach wie vor eine größere Identifikation der Wermelskirchener mit dem alten Rhein-Wupper Kreis, als mit dem seit 1975 installierten heutigen Rheinisch-Bergischen Kreis. Er bedauere es aber trotzdem, dass so wenige Wermelskirchener bei der Landratswahl ihr Recht auf Mitbestimmung wahrgenommen hätten, fügt Burghoff hinzu.

"Quittung fürs Patriarchentum"

Hans-Jürgen Klein, stellvertreteder Fraktionssprecher der Grünen, glaubt ebenfalls, dass sich die Wermelskirchener dem Rheinisch-Bergischen Kreis nicht wirklich zugehörig fühlen. Und FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Manderla wird deutlich: "In Ägypten und Libyen sterben Menschen für ihr Wahlrecht, aber in Wermelskirchen haben gerade mal 20 Prozent ihren Hintern hoch gekriegt."

Er glaube,, dass die schlechte Beteiligung an der Landratswahl auch eine Quittung der Wermelskirchener für das "Patriarchentum von Landrat Rolf Menzel", so Manderla wörtlich, vor allem bei dessen Verhalten in der Frage der Polizeiwache für Wermelskirchen gewesen sei. Er hoffe, dass man mit Menzels Nachfolger besser zusammenarbeiten könne, bekräftigt Manderla.

(RP/rl)