Wahnsinnsstimme trifft auf Genie

Konzert in Wermelskirchen : Wahnsinnsstimme trifft auf Genie

„Friend‘n Fellow“ spielen vor ausverkauftem Haus in der Kattwinkelschen Fabrik.

Eigentlich sind „Friend‘n Fellow“ und das Publikum in der Kattwinkelschen Fabrik längst gute Freunde. Die Zuhörer wissen, was sie erwartet, wenn Constanze Friend und Thomas Fellow ins Scheinwerferlicht der Bühne treten. Und doch stecken die Abende mit „Friend‘n Fellow“ voller Überraschungen – weil diese Wahnsinnsstimme einfach nie berechenbar wird, weil es unglaublich bleibt, wie die Gitarre klingen kann. Und so waren die Besucher, von denen viele ganz offenbar nicht zum ersten Mal zum Konzert mit dem Duo in die Katt gekommen waren, am Ende doch wieder baff – stehende Ovationen, Zugaberufe, die auch nicht verhallen wollten, als die beiden Musiker schon zweimal auf die Bühne zurückgekehrt waren.

Und das aus gutem Grund: Wenn sich Constanze Friend und Thomas Fellow diesen kurzen Blick des Verstehens zuwerfen, er die Gitarre auf sein Knie stützt und sie das Mikrofon zur Hand nimmt, dann hält das Publikum nicht umsonst die Luft an. Nur für diesen kurzen Augenblick der Vorfreude und großen Erwartung ist es dann mucksmäuschenstill, bevor Constanze Friend ihre tiefe Stimme durch den Raum schweben lässt, die Bereiche der musikalischen Seele berührt, die sonst seltener in Gebrauch sind. Und wenn Thomas Fellow, der selbst völlig versunken und versonnen scheint in die Musik, dann zu zaubern beginnt, dann entsteht Magie. Blues, Soul, manchmal ein bisschen Country.

Fellow verlangt seinem Instrument alles ab – spielt Melodie und Begleitung gleichzeitig, erschafft Klänge, die vielen Gitarristen völlig fremd sein dürften, Rhythmen und Percussion und manchmal klingt er wie eine ganze Band. Dann feuern sich Gitarre und Stimme gegenseitig an, dann beginnt Constanze Friend lustvoll zu improvisieren – mit ihrer Stimme, mit den Worten und Rhythmen.

Und das Publikum erkennt dieses Genie, jubelt anerkennend, bedankt sich mit Zwischenapplaus. Auch wenn die Musiker kleine Soloauftritte einstreuen, wenn Fellow eigene Stücke spielt und Friend a cappella zum nächsten Stück ansetzt, ist das Publikum völlig aus dem Häuschen – das gilt für die rasendschnellen Melodien und für die langsamen, gefühlten. Ella Fitzgerald hätte wohl ihre Freude gehabt an der besonderen Version von „Summertime“, Johnny Cash hätte sich sicher gefreut über die einfühlsame Interpretation von „Ring Of Fire“.

Und zwischendurch plaudern die Musiker mit ihrem Publikum – über das neue rote Hemd des Gitarristen, über die stete Rückkehr nach Wermelskirchen, über Lebenswege und das Wetter. Das ist so heiter und humorig, dass es wirkt, als würde das Band der Freundschaft zwischen Musikern und Publikum in diesen Momenten noch gefestigt – erst recht als die Sängerin am Ende fröhlich zu den K-Klängen der Kattwinkelschen Fabrik improvisiert. Das Publikum ist da längst außer Rand und Band.