Wermelskirchen Wahlkampf ohne Kampf - für viele ist die Wahl gelaufen

Wermelskirchen · Noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl am Sonntag, 24. September. Nicht viel Zeit. Müsste da nicht um jede Stimme geworben werden? Offenbar nicht, denn nur SPD und AfD hatten am Samstagmorgen ihre Tische aufgebaut. Von Begeisterung, Überzeugung und Aufbruchstimmung keine Spur. Einige Bürger eilten vorbei. "Kein Interesse!" riefen sie oder "Wir haben schon gewählt!".

"Die Anzahl der Bürger, die schon vorher oder per Briefwahl abstimmen, nimmt jedes Jahr zu", sagte Hans-Joachim Lietzmann, Sprecher des AfD-Stadtverbandes. Er vermutet, dass es bis jetzt schon 4000 Bürger in Wermelskirchen so gemacht haben. Der Einsatz der Parteien hielt sich auch bei der Plakatierung in Grenzen, hat Lietzmann festgestellt. "Wir waren früh dran und hatten ganz viel Platz", sagte er.

Am SPD-Stand gab es traditionell rote Rosen. Christel Reetz wünschte ein schönes Wochenende. Eine Diskussion über das Wahlprogramm, den Kanzler-Kandidaten oder die Kandidaten aus dem Kreis fand nicht statt. Dirk Hohlmann war sicher, dass das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz (gestern Abend) wichtig ist. "Viele Wähler sind noch unentschlossen. Da ist so ein Duell sicher für einige entscheidend für die Meinungsbildung". Ulrike Siebel nahm gerne eine rote Rose mit. "Was wir wählen ist völlig klar", sagte Ehemann Friedhelm Siebel, "aber wir verraten es nicht. Es ist ja schließlich eine geheime Wahl". Die beiden stört, dass immer mehr kleine und völlig chancenlose Parteien mitmachen. "Das kostet viel Geld, und die Stimmen sind verloren", sagten die beiden.

Petra Weber, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, klebte Schokoladen-Nikoläuse auf Infokarten. Das passt gut, denn der SPD-Kandidat im Kreis heißt Nikolaus Kleine. Nette Idee, doch ob es dadurch eine weitere Stimme gibt? Es ist Wahlkampf ohne Kampf. "Da war früher mehr Dampf drin", sagte SPD-Mitglied Ralf Weber und erinnerte sich an die Rededuelle im Bundestag oder an emotionale Wahlkampf-Veranstaltungen.

Für viele ist das Ergebnis schon klar. "Die Merkel bleibt Kanzlerin, es gibt wieder eine große Koalition, und anschließend schlafen wir weitere vier Jahre", sagte eine ältere Dame, die offenbar politisch sehr interessiert und informiert war.

Rosi Dornieden würde es begrüßen, wenn ein Kanzler nur für zwei Legislaturperioden gewählt werden könnte. "Ein Wechsel wäre sicher mal gut", sagte sie. Von Endspurt oder Begeisterung nichts zu spüren.

(wsb)
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