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Wächst Wermelskirchen auf 40.000 Einwohner?

Stadt soll mehr Baubauflächen schaffen : Wächst Wermelskirchen auf 40.000 Einwohner?

Die bürgerlichen Fraktionen CDU, FDP, WNKUWG, BüFo wollen bis zum Jahr 2040 möglichst die Marke von 40.000 Einwohnern erreichen erreichen und jetzt schon Weichen dafür stellen. So soll weiteres Bauland bereit gestellt werden.

Wachsen, stagnieren oder schrumpfen? Der neu gebildete Zukunftsausschuss, der politische Beschlüsse vorbereiten will, beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit einer Kernfrage für die nächsten Jahre und Jahrzehnte: Soll die Einwohnerzahl Wermelskirchens steigen, und setzt die Stadt dafür gezielte Wachstumsimpulse oder gibt man sich mit der derzeitigen Einwohnerzahl von rund 34.000 zufrieden?

Über das Für und Wider wurde heftig diskutiert. Fazit: Grüne und SPD warnten vor Flächenfraß und einem Zubetonieren der Stadt, die Politiker der bürgerlichen Fraktionen wollen die Zahl 40.000 Einwohner erreichen. Sie verabschiedeten mit Mehrheit zwei Anträge, in denen es um Wachstumsziele geht.

Bereits im April stellte die ­WNKUWG den Antrag, dass die Verwaltung Flächenpotenziale für Wohnbau aufzeigen solle. „Wir wollen keinen Flächenfraß, sondern mehr Wohnraum durch Nachverdichtung, Aufstocken und Flächenrecycling erreichen“, sagte Thorn Seidel (WNKUWG). Mit dem Wachstum solle mehr Lebensqualität und mehr Infrastruktur wie Kitas und Schulen in der Stadt geschaffen geschaffen werden. Darüber hinaus stellten CDU, FDP, WNKUWG und BüFo einen gemeinsamen Ergänzungsantrag zu dem Thema, in dem die Planziele des Wachstums in den einzelnen Stadtteilen – Wermelskirchen-Innenstadt, Dabringhausen und Dhünn – aufgeführt und Infrastruktur-Ziele genannt werden.

CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Klicki  ist ein starker Befürworter des Wachstums: „Unser Ziel ist, dass Wermelskirchen eine wachsende Stadt wird. Sie muss attraktiv sein, um im Wettbewerb um junge Menschen, die sich Mieten und Immobilien in Großstädten nicht leisten können, bestehen zu können.“

 Mehr Einwohner bescherten ein Plus an Steuereinnahmen, Schlüsselzuweisungen des Landes, höhere Schulpauschalen, nannte er finanzielle Vorteile. Dass Wermelskirchen selbstbewusster auftreten und mutiger sein solle, meinte nicht nur Klicki, sondern auch Oliver Platt (Bürgerforum). „Wir sind cool, für Mietwohnungen stehen die Interessenten hier Schlange – anders als in Remscheid.“ Er finde die 40.000 -Marke etwas plakativ, sei aber froh, dass es stabile Mehrheiten für ein Wachstum gibt. Dass Wachstum abzulehnen, bedeute doch am Ende das Signal „Ihr kommt hier nicht hin“. Aber laut Regionalplaner Raimar Molitor drängen die Menschen aus der Rheinschiene in die Randgebiete. „Die Leute kommen, ob man will oder nicht. Der Trend ist nicht aufzuhalten“. Er sehe keinen Widerspruch zwischen Wachstum und ökologischer Ausgewogenheit.

Sie aber gezielt anzuwerben und Baugrundstücke um jeden Preis zur Verfügung zu stellen, um Menschen aus Köln und Düsseldorf anzulocken, sei der falsche Weg, meinte Sebastian Fürsich (SPD). „Um 40.000 Einwohner zu erreichen, müsste die Stadt zubetoniert werden.“  Damit ginge ein Standortvorteil verloren, der für viele ganz entscheidend bei der Wahl der Wohnstandorts ist: die Nähe zur Natur. Auch die Grünen sehen das Wachstumsziel kritisch und lehnen es ab. Frank Kaluscha: „Das ist alles à la 70er Jahre.“ Wenn Wachstum, dann sollte es ein gesundes, vernünftiges und ökologisch vertretbares Wachstum sein, ergänzte sein Fraktionskollege Jörg Hucklenbroich.

Genau das will auch die CDU nicht, konterte Klicki. „Auch wir wollen keine Plattenbauten.“ Er sehe die Situation aus der Perspektive junger Menschen, die eine Familie gründen wollen, ein Baugrundstück suchen, hier nichts finden und abwandern. Außerdem müssen sich Städte, was das Wohnraumangebot anbelangt, auch deshalb gut aufstellen, weil Unternehmen sonst noch größere Probleme haben, Fachkräfte zu finden. Fakt sei, dass junge Leute die Immobilienpreise in den Großstädten nicht bezahlen könnten.

Im nicht-öffentlichen Teil zeigte die Verwaltung Flächenpotenziale auf, deren Bebaubarkeit aber noch genauer geprüft werden müsse, sagte Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, auf Nachfrage unserer Redaktion.