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Wermelskirchen: VVV-Mitglied erhält Knöllchen bei ehrenamtlicher Grünpflege

Wermelskirchen : VVV-Mitglied erhält Knöllchen bei ehrenamtlicher Grünpflege

Gut gelaunt und voller Tatendrang machte sich Renate Schmitz-Mohr gestern Morgen an die Arbeit. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr befreite sie die Beete am Kreisverkehr Jörgensgasse von wucherndem Unkraut.

Den Grünschnitt sammelte sie in einem großen Müllsack. Das Auto hatte sie für die Zeit ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit geöffneter Heckklappe vor dem Wohnhaus Eich 11 abgestellt — auf dem Gehweg. "Ich kann den schweren Sack nicht zu Fuß nach Hause schleppen. Und hier war gerade kein Parkplatz frei", begründete die 75-Jährige, die sich im Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Wermelskirchen ehrenamtlich engagiert.

Kurz nach Beginn ihrer Tätigkeit wurde sie von einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes angesprochen. Das Anliegen: Sie parke auf dem Gehweg und solle umgehend das Fahrzeug auf einem Parkplatz abstellen. Die Seniorin und ihr Mann Manfred Schmitz-Mohr (VVV-Vorsitzener) versuchten, die Politesse davon abzubringen, einen Strafzettel zu schreiben — vergeblich. Kurze Zeit später klemmte ein Knöllchen über 20 Euro wegen Parkens auf dem Gehweg an der Windschutzscheibe des Autos.

"Ich engagiere mich ehrenamtlich, bringe eine städtische Fläche auf Vordermann und werde dann auch noch bestraft. Das Auto stand dort nur eine Stunde, der Schlüssel steckte, ich hätte bei Bedarf sofort Platz gemacht. Hätte man da nicht mal ein Auge zudrücken können?", fragte die 75-Jährige. Ihr liege es einfach am Herzen, die Beete zu pflegen und so für ein schönes Erscheinungsbild zu sorgen.

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"Viele Bürger sind dankbar dafür und freuen sich. Und dann erlebt man so etwas — sehr ärgerlich", sagt die Seniorin fassungslos. Das Unkraut wachse immer weiter, die Seniorin kann diesen Anblick nicht ertragen und packt mit an. "Ich möchte, dass der Eingang zur Stadt gepflegt erscheint", sagt die 75-jährige Wermelskirchenerin.

Auch bei der Pflege vor dem großen Weihnachtsbaum dürfen VVV-Helfer ihre Autos dort abstellen, ergänzt Manfred Schmitz-Mohr. "Und ich habe schon mehrmals gesehen, dass städtische Mitarbeiter ihre Fahrzeuge auch kurzzeitig auf dem Gehweg abstellen. Das ist ja dann auch okay." Es gebe andere Stellen, an denen viel mehr kontrolliert werden müsste. "An der Schillerstraße stehen Autos den ganzen Tag im eingeschränkten Halteverbot — da wird nichts unternommen", ärgerte sich Schmitz-Mohr.

Anwohnerin Elisabeth Springer bot der Ehrenamtlerin gestern spontan an, künftig hinter dem Haus auf dem Privatparkplatz parken zu dürfen. Manfred Schmitz-Mohr bot der Anwohnerin an, künftig eine Pflegepatenschaft für die Beete zu übernehmen. "Ich dachte bislang immer, die Stadt ist dafür zuständig. Vielleicht kümmere ich mich künftig darum", sagte sie.

Dezernent Jürgen Graef gab gestern auf Nachfrage der BM keine Stellungnahme ab.

(RP/rl)