Vortrag in Wermelskirchen Wichtige Tipps für Planung und Anbau von Balkonkraftwerken

Wermelskirchen · Sie sind ein kleiner Teil der Wärme- und Energiewende – und können ganz einfach auf den meisten Balkonen oder Carports installiert werden. Experte Patrick Walraf informierte in einem Vortrag.

 Sonnenkollektoren sind an einem Balkon installiert. Die sogenannten Balkonkraftwerke können ein wichtiger Bestandteil imk Rahmen der Wärme- und Energiewende sein. Darüber hinaus lässt sich damit auch noch Geld einsparen.

Sonnenkollektoren sind an einem Balkon installiert. Die sogenannten Balkonkraftwerke können ein wichtiger Bestandteil imk Rahmen der Wärme- und Energiewende sein. Darüber hinaus lässt sich damit auch noch Geld einsparen.

Foto: dpa/Stefan Sauer

Die Wärme- und Energiewende kann ganz vielfältig aussehen – damit sie gelingen kann, damit Klimaschutz gelingen kann, muss sie das auch. Denn: Jeder Beitrag ist wichtig. Und daher sind nicht nur die großen Unternehmen, die etwa mit riesigen Solaranlagen auf ihren Hallendächern Strom produzieren, gefragt, sondern auch Wohnungen, an deren Balkonen die sogenannten Balkonkraftwerke angebracht werden. Dass das nicht nur „ökologische Spielerei“ ist, sondern am Ende des Tages – beziehungsweise des Betriebsjahres – auch zählbar Geld im Geldbeutel übrig bleibt, machte Patrick Walraf, Sprecher der IG Klima Kürten und Solarbotschafter der Initiative „packsdrauf.de“, im Rahmen eines Vortrags auf Einladung der SPD-Fraktion im Café Centrale klar.

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Ganz einfach gesagt, handelt es sich bei einem Balkonkraftwerk um eine Fotovoltaik-Anlage in klein. „Man nennt es auch Stecker-Solar, Guerilla-PV oder Balkon-Solaranlage“, sagte Walraf. Damit wird durch Solareinstrahlung Strom erzeugt, der durch einen Wechselrichter in im Haushaltsnetz nutzbaren Strom umgewandelt wird. „Die derzeit maximale Leistung beträgt 600 WattPeak, das wird sich allerdings demnächst ändern“, erklärte Walraf weiter. Die Module seien so dimensioniert, dass sie problemlos an einem Balkongeländer, an der Fassade oder auf dem Carportdach befestigt werden könnten. „Sie wiegen um die 20 Kilogramm, sind somit relativ leicht. Es gibt auch Flexi-Module, die deutlich leichter sind“, sagte der Experte.

Was kann man mit Balkonkraftwerken erwirtschaften?

Konkrete Beispiele sind meist am hilfreichsten, um etwas zu verdeutlichen. Daher zog Walraf für die Frage nach der Wirtschaftlichkeit eines Balkonkraftwerks den Haushalt einer Familie in Rodgau in Hessen heran. „Die haben das über das Jahr hinweg bilanziert und haben eine Stromproduktion von 550 Kilowattstunden verzeichnet. Davon konnten sie 80 Prozent für die Grundlast im Haushalt – Kühlschrank, Router, Heizungspumpe – nutzen, also 450 Kilowattstunden“, beschrieb Walraf. Viele Menschen würden sich einen Sport daraus machen, den Stromverbrauch entsprechend an die Produktion anzupassen. „Das heißt etwa, die Waschmaschine tagsüber laufen zu lassen.“ Ein Speicher würde sich bei Balkonkraftwerken indes nicht lohnen, da zu wenig Solarstrom übrig bleibe.

Welche Kosten fallen an?

„Man muss mit ungefähr 800 Euro für die Anschaffung und die Prüfung der Leitungen im Haus rechnen. Schließlich ist eine dauerhafte Grundlast vorhanden, da sollte man sichergehen, dass die Leitungen dafür auch ausgelegt sind“, erklärte Walraf. In einer Vergleichsrechnung legte er einen Stromgrundpreis von 30 Cent pro Kilowattstunde an. „Das ist der aktuell niedrigste Wert bei den Vergleichsportalen“, sagte er. Wenn man nun einen Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden als Grundlage annehme, und die genannten 450 Kilowattstunden pro Jahr als Beitrag des Balkonkraftwerks heranziehe, würde man ab dem sechsten Jahr jedes Jahr 135 Euro sparen, denn dann habe sich die Anschaffung amortisiert. „Die Module haben in der Regel eine Garantie von 20 oder auch 25 Jahren – nur der Wechselrichter ist ein Verschleißteil, das schon mal nach etwa zehn Jahren ausgetauscht werden muss“, so Walraf.

Wie ist die Gesetzeslage?

Hier stünden ab 2024 Änderungen an, die das Balkonkraftwerk noch attraktiver machten, sagte Walraf. „Die Wechselrichterleistung wird von 600 auf 800 WattPeak erhöht. Außerdem muss man das Balkonkraftwerk nicht mehr beim Marktstammdatenregister und dem örtlichen Netzbetreiber anmelden, es reicht ersteres“, erklärte Walfraf. Eine weitere Änderung betreffe die rückwärtsdrehenden Zähler. „Die mussten eigentlich vor Inbetriebnahme gegen digitale ausgetauscht werden. Hier gibt es nun eine Übergangsfrist von vier Monaten – und der Netzbetreiber ist in der Pflicht, den Austausch vorzunehmen.“

Was sagt das Mieterrecht?

Viele Gerichte hätten bereits bestätigt, dass der Mieter ein Anrecht auf eine Balkon-Solaranlage habe. „Trotzdem sagen manche Wohnungsbaugesellschaften immer noch, dass das nicht so ist. Auch hier steht eine gesetzliche Änderung an, die Balkonkraftwerke sollen in Paragraf 20 der baulichen Veränderungen aufgenommen werden, wie es auch schon bei Wallboxen geschehen ist“, sagte Walraf. Daher gebe es ab dann nicht mehr die pauschale Möglichkeit, ein Balkonkraftwerk abzulehnen. Natürlich könne es aber durchaus sein, dass man sich gerade in Eigentümergemeinschaften oder auch im Rahmen einer Wohnungsbaugesellschaft über die konkrete Anschaffung abspreche. „Das ist auch aus optischer Warte betrachtet durchaus sinnvoll.“

Welche Tipps sind bei der Planung wichtig?

Hier gebe es einige Punkte zu beachten, sagte der Experte. „Die Module müssen zum Aufstellort passen, die Ausrichtung sollte nach Süden oder hälftig nach Osten und Westen sein, man muss auf die Verschattung achten – sowohl der Module etwa durch Wanderschatten von Bäumen als auch der darunterliegenden Balkone.“ Ganz grundsätzlich sei es immer auch wichtig, mit dem Vermieter und einem Elektriker ins Gespräch zu kommen. „Es werden oft sehr günstige Sets mit Modulen und Wechselrichter angeboten. Da können gute Produkte dabei sein – aber man sollte sich auf jeden Fall gut darüber informieren. Denn aktuell herrscht eine gewisse ‚Wildweststimmung‘, vor allem bei den chinesischen Herstellern“, sagte Walraf.

Wo findet man Informationen?

Um sich gerade über die Qualität der Wechselrichter zu informieren, gab der Experte aus Kürten den rund 40 Besuchern in der Centrale noch eine Internetadresse mit laufend aktualisierten Testberichten mit auf den Weg: www.akkudoktor.net/mikrowechselrichter-datenbank

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