Virtuoses Blues-Rock-Gastspiel der Lipps-Thelen-Band in Wermelskirchen

Konzert im Haus Eifgen in Wermelskirchen : Virtuoses Blues-Rock-Gastspiel der Lipps-Thelen-Band

Die Lipps-Thelen-Band aus dem Rhein-Sieg-Kreis ist in Wermelskirchen keine unbekannte Größe. Bereits zum wiederholten Mal machte das Quartett um den hervorragenden Gitarristen Burkhard Lipps-Thelen, der schon mit Künstlern wie den Blääck Fööss, Axxis oder Wolfgang Petry zusammengearbeitet hatte, nun im Haus Eifgen Station.

Und wieder hatte die Band, die wie gehabt von Sohn Simon am Mikro, dem furios aufspielenden Schlagzeuger Julien Zeiler und dem stoischen Bassisten Vincent Mehnert komplettiert wurde, einen ganzen Sack voll mitreißender Eigenkompositionen und Coversongs aus dem musikalischen Dunstkreis des bluesigen Hardrock im Gepäck - von jeder Menge unbändiger Spielfreude ganz zu schweigen.

Eine Besonderheit gab es aber diesmal gratis obendrauf: Denn bei ihrem Auftritt wurde die Band von Haus-Eifgen-Urgestein Michael Dierks an seiner Hammond-Orgel wirkungsvoll unterstützt. Was umso beeindruckender war, da man im Vorfeld kein einziges Mal gemeinsam geprobt habe, wie Gitarrist Lipps-Thelen lakonisch zwischen zwei hervorragend interpretierten Songs anmerkte. Und in der Tat: Davon merkte man während des Konzerts praktisch überhaupt nichts. Dierks spielte nämlich zum einen enorm sicher und songdienlich, legte entweder wabernde Klangteppiche aus, auf denen Bassist Mehnert wie ein langbeiniger Storch auf- und abspazierte und seine Basslines ins Rund pumpte, mit dem abwechslungsreich groovenden Schlagzeugspiel von Zeiler abklatschte und auch der Gitarre genug Platz für ausufernde Soli bot.

Aber zum anderen ließ Dierks seine Orgel auch solistisch so herrlich aufjaulen, dass es eine wahre Freude beim Zuhören war. Und wenn das alles tatsächlich so ohne auch nur eine vorherige gemeinsame Probe derart sicher ablaufen konnte, blieb dem rund 40-köpfigen Publikum gar nichts anderes übrig, als anerkennend den Hut zu lüften - beziehungsweise ausgiebig zu applaudieren.

Dabei wirkte das alles so simpel, wie die fünf Musiker hier blind miteinander agierten und sich etwa bei „I Heard It Through The Grapevine“ oder „Let The Good Times Roll“ die Bälle zuwarfen. Das Ganze war zudem herrlich spontan, wenn man sich erst einmal im kollektiven Austausch darüber einigen musste, welchen der 20 Songs auf der Liste man nun als nächsten spielen wollte. „Na gut, dann spielen wir halt jetzt den Song ‚The Darkness‘“, sagte dann Sänger Simon Thelen gut gelaunt.

Das machte die Band mindestens genauso sympathisch wie ihre große Musikalität und der wuchtige, druckvolle, aber nie zu laute Gesamtsound. Was bei aller Musikalität, die sich auch in den zahlreichen Instrumental-Songs ausdrückte, jedoch nicht unterschlagen werden durfte, war die hervorragende Leistung von Sänger Simon Thelen. Was der junge Mann mit dem Vollbart bei Songs wie „Strange Face Of Love“ oder „Worried Down With The Blues“ mit seiner rauen, dunklen und warmen Stimme mit einer Leichtigkeit an Emotionen hervorzuzaubern verstand, brauchte sich hinter den Großen seiner Zunft keineswegs zu verstecken.

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