Vier junge Verkehrskadetten helfen Kirmesbesuchern ehrenamtlich sicher über die Straße

Sicherheit auf der Kirmes : Junge Verkehrskadetten helfen Kirmesbesuchern sicher über die Straße

Es ist heiß, der Alkoholpegel steigt minütlich und gleiches gilt für den Betrieb auf der Eich: Matinee am frühen Nachmittag. Mittendrin steht Marvin Amaradio. Der 16-Jährige trägt das blaue T-Shirt und die orangene Warnhose der Solinger Verkehrskadetten und regelt gemeinsam mit Kollegin Ayline Höttges den Verkehr an der großen Kreuzung an der Eich.

„Das ist heute schon anstrengend“, sagt er während er die Hände weit ausbreitet, um die Fußgänger auf die rote Ampel hinzuweisen. „Aber“, ergänzt er dann, „ich helfe gerne und deswegen macht mir der Einsatz Spaß.“

Vier Jugendliche der Solinger Verkehrswacht sind während des Kirmeswochenendes mit ihrem Ausbilder Wolfgang Goeken im Einsatz. „Das Ordnungsamt hat uns erstmals angefordert“, erklärt er. Weil die Verkehrssituation auf der großen Kreuzung am Kirmeswochenende in der Vergangenheit immer mal wieder unübersichtlich und gefährlich wurde, haben die Wermelskirchener um Unterstützung gebeten. Wolfgang Goeken ist mit seinem Team der Verkehrskadetten angereist – sechs Stunden sind sie jeden Kirmestag im Einsatz. Ehrenamtlich, aber gut ausgebildet.

Als es grün wird, klappt Marvin Amaradio die Arme ein, geht stoischen Schrittes zur Mitte der Straße, stellt sich dort mit seiner Kollegin Rücken an Rücken auf und kehrt erst zur Rotphase an seinen Platz am Straßenrand zurück. Als eine Gruppe angetrunkener Jugendlicher noch schnell über die Straße laufen will, ruft Marvin Amaradio laut, aber freundlich: „Zurückbleiben bitte.“ Die einen folgen, die anderen nicht. Ein bisschen Spott und Häme können oder wollen sich die Jugendlichen nicht verkneifen. Sie ahmen die jungen Verkehrskadetten nach, hängen sich oder ihre Rucksäcke an ihre ausgebreiteten Arme.

„Das ist heute schon eine besondere Situation“, sagt Wolfgang Goeken, „aber die Verkehrskadetten sind auch dafür ausgebildet.“ Meistens reagieren sie gar nicht auf Provokationen – nonverbale Kommunikation nennen sie das. Sie bleiben stoisch, denken sich ihren Teil. „Ich habe mir beigebracht, dass es ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder rausgeht“, sagt Amaradio, „schließlich weiß ich, dass ich helfen kann.“ Und das wissen die Passanten auch zu schätzen – sie bedanken sich und folgen den Rufen.

Einsatz für das Gemeinwohl auf der Eich: Marvin Amaradio und Kollegin Ayline Höttges sind als ehrenamtliche Verkehrskadetten der Solinger Verkehrswacht auf der Kirmes im Einsatz. Foto: Theresa Demski

„Wir sind präventiv im Einsatz“, erklärt dann der Solinger Einsatzleiter, „im Grunde unterstützen wir die Ampeln.“ Am Nachmittag, als es richtig voll wird, stellt sich auch Goeken selbst für eine Weile auf die Kreuzung – mit breiter Brust und lauten Rufe, die keiner überhören kann. „Wer trotzdem gehen und sich in Gefahr bringen will, den kann ich nicht aufhalten“, sagt er.

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