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Wermelskirchen: Viele Senioren kommen freiwillig zum Fahrtraining

Wermelskirchen : Viele Senioren kommen freiwillig zum Fahrtraining

Für einen obligatorischen Fahrtest ab dem 75. Lebensjahr gibt es wenig Zustimmung. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats spricht von "Altersdiskriminierung". Bei schweren Defiziten geben Senioren ihren Führerschein ab.

Alle Jahre wieder, wenn die Verkehrsjuristen sich treffen, steht es auf der Tagesordnung oder wird im Vorfeld diskutiert: Die Einführung eines obligatorischen Fahrtests für Verkehrsteilnehmer ab dem 75. Lebensjahr. Während in einigen europäischen Ländern wie Spanien, Italien und Dänemark der Fahrtest schon längst Pflicht ist, löst das Thema in Deutschland hitzige Debatten aus.

Viele betrachten eine verpflichtende Fahreignungsprüfung für Senioren als eine unberechtigte Diskriminierung gegenüber ältere Menschen. "Man sollte nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt genug junge Menschen, vor allem Fahranfänger, die Unfälle bauen", sagt der 70-jährige Werner Allendorf, Vorsitzender des Seniorenbeirats. "Die Einführung eines solchen Tests wäre nichts anderes als Altersdiskriminierung. Deshalb bin ich strikt dagegen. Sollte es tatsächlich zu einem obligatorischen Fahrtest kommen, sollte er, unabhängig vom Alter, für alle verpflichtend sein", betont der Rentner. Denn er sei grundsätzlich aber nicht gegen die Kontrolle der Fahrtauglichkeit. "Dann sollte man das aber ab 45 Jahre für alle einführen - auch gern stufenweise. Denn das wäre dann sinnvoll."

Auch die Polizei warnt vor pauschalisierenden Urteilen. "Eine ganze Kategorie als gefährlich einzustufen wäre falsch. Die Fahrtauglichkeit hängt nicht vom Alter ab. Alle Verkehrsteilnehmer sollten vor jedem Fahrantritt selbst überprüfen, ob sie physisch und psychisch in der Lage sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen", stellt Sheila Behlert, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Rheinisch- Bergischer Kreis, klar. Dabei sollten die Fahrer darauf achten, dass alle gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sind. "Wer gut sieht, aber den Kopf für den Schulterblick nicht umdrehen kann, sollte sich nicht ans Steuer setzten", sagt die Polizeisprecherin.

Während der Vorschlag eines Zwangstests bei den meisten auf Ablehnung und Kritik stößt, werden freiwillige Fahrtests dagegen sehr positiv bewertet. "Die Nachfrage ist da", sagt Fahrlehrer Frank Niewöhner, Inhaber von Frank´s Fahrschule.

Dabei sind es nicht nur die Senioren, die sich auf ihre Fahrtauglichkeit hin prüfen lassen wollen. "Tatsächlich kommen auch viele Eltern von Fahranfängern zu uns. Sie wollen sicher gehen, dass ihre Kinder bereit sind, sich allein im Straßenverkehr zu bewegen", berichtet der Fahrlehrer.

Er selbst hält nichts von einem Zwangstest. "Natürlich nehmen Sehkraft und Reaktionsgeschwindigkeit mit dem Alter ab. Es ist aber von Person zur Person immer anders. Eine derartige Maßnahme wäre eine erhebliche Einmischung in das Privatleben des Einzelnen. Soweit sollte es wirklich nicht kommen."

Viel besser sei stattdessen, den Senioren die Wahl zu lassen. "Bei uns nehmen viele ältere Menschen das Fahrtraining freiwillig in Anspruch. Oft nach einer langen Krankheit oder einfach nur, um Defizite zu erkennen", berichtet Fahrschul-Inhaber Jörg Hinterhölzer. Der Anteil der Senioren, die das Fahrtraining erfolgreich absolvieren, ist sehr hoch. "Die meisten sind fit genug, um allein zu fahren. Nur bei sieben Prozent der Teilnehmer werden schwere Defizite festgestellt. Oft zeigen sich die Senioren dennoch einsichtig und entscheiden freiwillig, den Führerschein abzugeben", berichtet Hinterhölzer.

Verkehrsjuristen trafen sich vom 25. bis 27. Januar in Goslar, um über das von verpflichtenden Prüfungen für Autofahrer ab 75 Lebensjahren zu beraten. Die Verkehrsexperten entschieden sich schließlich gegen die Einführung eines obligatorischen Fahrtests.

(doho)