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Wermelskirchen: Viel Rückenwind für Flüchtlings-Initiative

Wermelskirchen : Viel Rückenwind für Flüchtlings-Initiative

Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" hilft, klärt auf und wirbt um Verständnis. Auf bis zu 150 Ehrenamtler ist der Kreis angewachsen, der den Flüchtlingen hilft und so eine Integration ermöglicht.

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber steigt. Weltweit sind laut Amnesty International rund 50 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Armut. In kleinem Maß ist diese Entwicklung auch in Wermelskirchen zu erkennen, die Stadt verzeichnet mehr Zuweisungen. Kamen im Jahr 2014 etwa zehn bis 15 Menschen pro Quartal, so gilt diese Zahl in diesem Jahr bereits pro Woche. Die Verwaltung will keine zentrale Stelle und auch keine Container aufstellen. "Wir wollen eine Ghettobildung vermeiden", sagt Dezernent Jürgen Graef.

Privater Wohnraum wird gebraucht und gesucht, damit die neuen Bürger besser und schneller integriert werden. Diese Hilfe ist auch das Ziel der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen", die im Oktober 2014 gegründet worden ist. "Wir können uns nur um Wermelskirchen kümmern, die große Politik und die Gesetze können wir nicht ändern", sagt Pfarrerin Cornelia Seng, Gründerin der Initiative. Die Bevölkerung ist in Deutschland rückläufig, und so können die Menschen, die dauerhaft hier eine neue Heimat finden, auch positiv sein.

Dorothea Hoffrogge, Vorsitzende des Presbyteriums der Stephanusgemeinde in Hilgen-Neuenhaus, unterrichtet an einem Gymnasium in Leverkusen. "Wir haben Klassen mit einem Migrationsanteil von 50 Prozent. Ich finde das spannend, es ist eine Bereicherung", sagt sie. Viele Bürger haben Zweifel, sind beunruhigt und fragen: "Wie viele können wir aufnehmen?" "Auf eine Zahl kann ich mich nicht festlegen", sagt Pfarrerin Seng, "der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist aber nicht dramatisch."

Voraussetzung für eine gelungene Integration sind Sprachkenntnisse und Ausbildung. Auch hier hilft die Initiative in Kooperation mit den offiziellen Stellen. "Alle Angebote beruhen auf ehrenamtlicher Arbeit", betont Hoffrogge. Die beiden werben um Verständnis und erzählen Beispiele. "Wer im Kosovo einen Euro pro Tag zum Leben hat, der sucht eine bessere Heimat", sagt Hoffrogge. Pfarrerin Seng erzählt von einer jungen serbischen Mutter mit drei Kindern, die ihre Heimat verlassen hat. "In dieser Situation, mit der Verantwortung für die Kinder, hätte ich es auch so gemacht. Sie hat sogar die Pflicht, es so zu tun." Ängste und Vorurteile entstehen oft durch Unkenntnis. "Dagegen hilft nur, sich kennenzulernen. Miteinander reden und miteinander leben", meint Pfarrerin Seng. Auch wenn das Sozialsystem in Einzelfällen ausgenutzt wird, lassen sich die beiden nicht von ihrer Überzeugung abbringen. Da die Initiative kein Verein ist, gibt es auch keine "richtigen" Mitglieder. Auf 140 bis 150 Personen, die sich engagieren, ist der Kreis gewachsen. Hinzukommen noch zahlreiche Bürger, die mit Geld oder Sachspenden mithelfen. "Wir haben die christliche Pflicht zu helfen - und wir spüren einen Rückenwind aus der Bevölkerung", sagen die beiden. Sie sind zuversichtlich, dass die Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" ein Erfolg wird.

(wsb)