Volkshochschule in Wermelskirchen Auf Tuchfühlung mit 1,2 Millionen Bienen

Wermelskirchen · Zum ersten Mal bot die Volkshochschule gemeinsam mit Imker René Görke im Limmringhausen einen Workshop an. Das Interesse war groß – ebenso wie das Staunen.

 Suche nach der Königin: Imker René Görke ermöglicht den Besuchern der VHS einen Blick hinter die Kulissen seiner Hobby-Imkerei.

Suche nach der Königin: Imker René Görke ermöglicht den Besuchern der VHS einen Blick hinter die Kulissen seiner Hobby-Imkerei.

Foto: Theresa Demski

Ein Summen liegt in der Luft. Anfangs blicken die Besucher sich im Garten von René Görke noch gelegentlich irritiert um. Nach ein paar Minuten gehört das leise Summen schon dazu. 1,2 Millionen Bienen leben in dem Garten in Limmringhausen. Ihre Arbeit haben sie für dieses Jahr schon erledigt. Aber an diesem Tag im Frühherbst bekommen sie nun Besuch.

Zum ersten Mal lädt die Volkshochschule (VHS) Bergisch Land gemeinsam mit Imker René Görke zum Workshop ein. „Wir haben die Veranstaltungen mit Erlebnischarakter in unserem Programm deutlich ausgebaut“, erklärt Anke Röser von der VHS, die selbst am Workshop teilnimmt. „Und uns liegt daran, den Menschen hier auch Angebote zu machen, um der Natur näher zu kommen“, ergänzt sie. Da sind sie bei René und Jacqueline Görke und ihren Bienen in Limmringhausen genau richtig. Erwachsene und Familien machen sich an diesem Nachmittag den Tieren und ihrem Leben im Bienenvolk auf die Spur.

Bevor die Gruppe allerdings dem Summen folgt und sich auf den Weg zu den Bienenvölkern macht, gilt es, sich ordentlich vorzubereiten. Er werde rund 200 Mal im Jahr gestochen, erzählt der Imker. Und schon weicht eine Besucherin etwas sorgenvoll einem Tier aus, das sich summend bemerkbar macht. „Das ist aber eine Wespe“, erklärt Jacqueline Görke freundlich. Und dann nehmen die beiden ihren Besuchern schnell die Sorge vor einem Stich: Die Bienen – und Wespen übrigens auch – würden nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen würden.

„Die Situation vermeiden wir heute natürlich“, sagt der Imker. Und trotzdem: Ein Stich sei immer möglich. Deswegen sei es wichtig, um mögliche Unverträglichkeiten zu wissen. Sein Körper habe sich längst an das Gift der Bienen gewöhnt, erzählt der Imker. Und dann stellt er das Thema der Bienenstiche auch schnell hintenan und nimmt die Besucher mit in den Alltag der Tiere.

Ab diesem Moment kommen die VHS-Besucher gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Drohnen, Arbeiterinnen und Königinnen: Es ist eine dramatische Geschichte, die sich Jahr für Jahr im Bienenvolk abspielt. „Unglaublich eigentlich“, sagt Tamara Wilkes, die den Worten des Imkers lauscht. Görke erzählt von den Aufgaben der emsigen Tiere, von ihren Posten und Karrierechancen, von ihren Entscheidungen und Leistungen. „Sommerbienen arbeiten sich tot“, erzählt Görke. Nach 40 Tagen Arbeit würden die Bienen sterben, erklärt er. „Wow, was die leisten“, sagt Tamara Wilkes jetzt.

Görke erzählt vom Wettbewerb um die Krone und von dem summenden Briefumschlag, der jüngst bei ihm angekommen sei. Er kaufe die Königinnen für seine Völker nämlich immer ein, erklärt er. Nach drei Jahren Dienst würden sie ausgetauscht – sonst würde die Leistung des Volkes nämlich deutlich sinken. Der Imker erzählt auch von den großen Feinden der Honigbiene – von der asiatischen Hornisse, die jüngst auch in Wermelskirchen gesichtet worden sein soll.

Und dann macht sich die Gruppe als erstes auf den Weg zu dem Schaukasten, hinter dessen Glasscheibe das Leben eines Bienenvolks gefahrlos beobachtet werden kann. Der Reiz, dem Summen zu folgen, ist dann aber doch größer: Also machen sich die Besucher auf den Weg zu den rund 30 Bienenvölkern. „Vielleicht findet ja jemand die Königin“, sagt der Imker – als er eine Wabe aus dem Stock zieht. Die sechsjährige Hanna ist schließlich die erste, die die große Biene mit dem gelben Fleck auf dem Rücken entdeckt.

„Das ist jetzt aber wirklich ein Glücksfall“, sagt der Imker und deutet auf das auffällige Tier, um das sich unzählige Bienen auf der Wabe sammeln. Das Staunen ist den Besuchern immer noch ins Gesicht geschrieben. Sie zücken die Smartphones und machen Erinnerungsfotos, stellen viele Fragen und nehmen schließlich auch die Wächterbienen unter die Lupe, die am Eingang des Bienenstocks das Flugloch im Blick haben.

Fotos vom kulinarischen Sprachenlernen der VHS Wermelskirchen
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So war es beim kulinarischen Französisch-Sprachkurs

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Foto: Theresa Szorek

Viel zu holen gibt es hier inzwischen allerdings nicht mehr. Das Honigsammeln ist für dieses Jahr schon fast beendet – nun wird noch für den Winter vorgesorgt. Die wertvolle Ernte hat der Imker schon eingefahren und vielfach schon als Honig verkauft. Für die Gruppe der Volkshochschule hat er einen Teil allerdings zurückgehalten. Denn schließlich sollen die Teilnehmer nun auch selber Honig schleudern. In dem speziellen Raum der Imkerei lernt die Gruppe viel über Honig und Wachs. Görke erzählt auch von seinen Wanderungen mit den Tieren in den Raps.

Damit auch die Besucher eine Ahnung davon bekommen, wie die Blüte den Geschmack des Honigs beeinflusst, steht nach dem Schleudern eine Verkostung auf dem Programm. Fünf verschiedene Honigsorten aus Limmringhausen können probiert werden. Und für viele schmeckt der süße Brotaufstrich nun eine Nuance anderes, als noch am Vormittag – vor dem Besuch bei den Bienen.