Wermelskirchen: US-Generalkonsul: "Trump ist teilweise schwer zu ertragen"

Wermelskirchen: US-Generalkonsul: "Trump ist teilweise schwer zu ertragen"

Michael R. Keller sprach beim politischen Aschermittwoch der CDU und ließ keine Zweifel an der Stabilität der transatlantischen Beziehungen.

Diplomaten stehen für mäßigende Worte. So durfte es niemanden der 60 Besucher beim politischen Aschermittwoch des CDU-Ortsverbandes Wermelskirchen im Bürgerzentrum verwundern, dass der Gastredner, US-Generalkonsul Michael R. Keller, keine Zweifel gelten ließ: "Um die transatlantischen Beziehungen ist es gut bestellt, das Verhältnis ist und bleibt stabil." Die Deutschen seien Amerikas Freunde und engsten Verbündeten. Nichtsdestotrotz räumte Keller ein, dass Präsident Donald Trump seine Arbeit im diplomatischen Dienst "interessant" mache: "Trump ist teilweise unberechenbar, teilweise schwer zu ertragen. Aus innenpolitischer Sicht macht er seine Arbeit meiner Einschätzung nach nicht schlecht." Und weiter: "Für das Ausland ist es nicht immer leicht zu verstehen, in welchem innenpolitischen Kontext Trump regiert." Viele Trump-Wähler würden sich benachteiligt, vergessen, sogar verachtet fühlen - ihnen gegenüber stehe Donald Trump im Wort, woraus sich sein Verhalten ableite. Das gehöre zur Demokratie. Außenpolitisch macht Keller, der seit 25 Jahren als Diplomat tätig ist, die Erfahrung, dass die Wahl Trumps ein "enormes Interesse der Deutschen" an den USA geweckt hätte: "Man hat geglaubt, Amerika zu kennen, weil man mal in Florida oder San Francisco war. Die Touristen waren aber nicht in der Mitte des Landes, wo Trump meines Erachtens die Wahl gewonnen hat." Trump als Präsident sei ein Resultat von Strömungen, die sich seit dem Ende des Kalten Krieges entwickelt hätten.

Klar müsse sein, dass die aktuelle Steuerreform der Trump-Regierung in den USA grundsätzlich als Erfolg gewertet würde, weil es seit 35 Jahren keine mehr gegeben habe: "Mit den Folgen - egal, ob gut oder schlecht - müssen wir in den nächsten Jahrzehnten leben."

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Trotz des "veränderten Tons" rüttelte Keller nicht an dem Verhältnis von Amerika und Europa. Als Grund dafür rückte er die wirtschaftlichen Verflechtungen in den Fokus - diese Verbindungen spielen beispielsweise durch den Tente-Rollen-Betrieb in den USA auch in Wermelskirchen eine Rolle. Keller führte an: "Allein in NRW existieren 200.000 Arbeitsplätze durch Niederlassungen amerikanischer Firmen." Die gegenseitigen Firmenpräsenzen in Deutschland und den USA würden das Verhältnis der Länder "tief und breit" aufstellen: "Diese Verbindung ist längst nicht mehr so schmal wie zur Zeit des Kalten Krieges. Dadurch ist auch die Rolle einer Administration kleiner geworden." Keller appellierte an die Zuhörer: "Setzen sie sich für diese Partnerschaft ein. Mit uns wird diese Verbindung weiterleben - mit oder ohne einen Präsidenten."

(sng)