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Unwetter: Blitz setzt Haus in Wermelskirchen in Brand

Haus brennt ab in Dhünn : Blitzschlag setzt Haus in Wermelskirchen in Brand

Das schwere Gewitter am Morgen über Wermelskirchen-Dhünn hat verheerende Folgen für eine Familie am Neuenweg: Ein Blitz schlug in ihr Haus ein und setzte den Dachstuhl binnen weniger Minuten komplett in Brand.

40 Einsatzkräfte der Löschzüge Dhünn-Eipringhausen-Habenichts sowie Dabringhausen erkannten schon bei der Anfahrt auf Höhe der Ortschaft Sonne eine riesige Rauchsäule über dem Haus, das mitten in dem Wohngebiet steht.

„Als wir eintrafen brannte der Dachstuhl bereits in voller Ausdehnung“, sagte der stellvertretende Stadtbrandmeister Ingo Müller. Das Feuer habe sich zwischen Dachhaut und Innenverkleidung mit einer enormen Sogwirkung rasend schnell ausgebreitet. Die Einsatzkräfte versuchten zunächst, von innen an den Brandherd vorzudringen. „So ein Innenangriff ist immer der Effektivste“, sagte Müller. Unter Atemschutz kämpften sich die Feuerwehrleute vor.

Parallel dazu bekämpften Einsatzkräfte das Feuer von vorne und von hinten – auch von der Drehleiter aus. Kein ungefährlicher Einsatz, „denn da waren Teile der Dachhaut schon runtergefallen“, sagte Müller. Später musste die Feuerwehr den gerissenen Kamin mit Seilen stützen, weil er drohte, herabzustürzen. „Die Giebelwände stehen frei und könnten einstürzen“, sagte Feuerwehrchef Holger Stubenrauch.

Das Gelände um das Haus wurde abgesperrt, die Polizei beschlagnahmte das Haus für die weitere Ursachenforschung.

Die drei Bewohner hatten sich mit ihrer Katze rechtzeitig ins Freie retten können. Verletzt wurde niemand. Das Haus ist unbewohnbar. Im Untergeschoss und Erdgeschoss steht das Löschwasser knöchelhoch. Die Familie kam bei anderen Familienmitgliedern unter.

Mit Tränen in den Augen und sichtlich schockiert verfolgte die Bewohnerin mit ihrem Sohn und dem Stiefvater die Löscharbeiten. „Es hat plötzlich tierisch geknallt, die Alarmanlage ging an“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Da habe auch schon die Nachbarin sturmgeklingelt und auf das Feuer hingewiesen. „Wir haben uns die Katze geschnappt und sind raus“, sagte die Bewohnerin. Nachbarn berichteten später, dass Funken aus den Steckdosen gesprüht seien.

Der Sohn saß auf der Toilette, als es „richtig knallte“, wie er sagte. Das habe sich angehört, als wenn die Dachpfannen wie eine Glasplatte zerspringen. Da seien alle sofort ins Freie gerannt. „Meine komplette Elektronik im Keller ist hinüber“, sagte er. Beeindruckt sei er von der großen Hilfsbereitschaft der Nachbarn. „Da halten alle zusammen“, sagte er. Das ist der einzig positive Lichtblick an diesem schrecklichen Morgen. Nachbarn äußerten aber auch Kritik und Vorwürfe: Die Rettungskräfte hätten mit zu wenig Druck in den Leitungen und zu wenig Wasser löschen müssen, hieß es. „Das hat alles viel zu lange gedauert“, sagte ein Mann erbost.

Probleme mit der Wasserversorgung

Dass es Probleme mit der Wasserversorgung während des Einsatzes gab, bestätigten Müller und Stubenrauch. Aber der Energieversorger BEW habe schnell gehandelt und für mehr Wasser gesorgt. Außerdem habe die Feuerwehr ein zusätzliches Tanklöschfahrzeug angefordert. Der Sohn wollte keinen Schuldigen festmachen, appellierte aber an alle Verantwortlichen, dass es in Zukunft nicht sein könne, dass zu wenig Druck auf Leitungen sei. „Es muss verhindert werden, dass das noch mal passiert“, sagte er.

Die BEW bestätigte, dass es in höheren Lagen – wie am Neuenweg – immer einen etwas geringeren Druck gebe als in tieferen Lagen, aber mit vier Bar immer ausreichend Druck vorhanden sei. „Auch die Wassermenge ist immer ausreichend, beim Brand haben wir unseren Meister beauftragt, einen zusätzlichen Schieber zu öffnen“, sagten Geschäftsführer Jens Langner und Christoph Czersinsky, Abteilungsleiter für die Gas- und Wassernetze bei der BEW. Es gebe keine unterversorgten Gebiete.

Viele Einsätze für die Feuerwehr

Die Feuerwehr Wermelskirchen hatte wegen des Unwetters alle Hände voll zu tun. Als die Einsatzkräfte kurz nach 8 Uhr unterwegs nach Herrlinghausen waren, um dort einen vollgelaufenden Keller abzupumpen, kehrten sie noch auf der Anfahrt um, um zum Großbrand am Neuenweg in Dhünn zu eilen. Fast zeitgleich kam ein Notruf aus dem Seniorenpark „Carpe diem“, wo Wasser vom Dach durchs Gebäude tropfte. „Das Wasser drückte dort durch das Dach und lief in eine Wohnung, und von dort dann in die nächsten Wohnungen darunter“, sagte Feuerwehr-Chef Holger Stubenrauch. Die Einsatzkräfte hätten für eine Entlastungsöffnung gesorgt und das Dach von innen geöffnet. „Jetzt müssen die Mitarbeiter des Seniorenparks leider sehr viel putzen“, sagte Stubenrauch.

Kurz vor Mittag folgte der nächste Einsatz für die Rettungskräfte – nicht wetterbedingt, aber nicht minder spektakulär mit einem Lkw und seinem Kran, der sich an einer gläsernen Brücke in Elbringhausen festgefahren hatte und nun aufwendig geborgen werden musste.

Zu alledem hatte Rheinisch-Bergische Kreis die Feuerwehr um eine Unterstützung für die Kollegen in Leichlingen gebeten. „Dort drohten, Hänge abzurutschen“, berichtete Ingo Müller.