Wermelskirchen Unser Büdchen "flog" davon

Wermelskirchen · Das Wahrzeichen vom Markt wurde gestern nach Lindlar ins Freilichtmuseum abtransportiert. Es war ein Abschied mit Wehmut, denn Generationen von Schülern trafen sich am Büdchen, manche auch für ihren ersten Kuss.

"Fliegen" lernte gestern das legendäre Büdchen am Markt: Mit dem Kranwagen der Baufirma Hausmann wurden die in drei Teile zerlegten Holzaufbauten in die Höhe gehievt. Über den Markt schwebten die Einzelteile des ehemaligen Kiosks, wurden schließlich in Maßarbeit auf den Transporter der Firma Jäger abgelegt. Gut festgezurrt schafften Manfred Hausmann und Frank Jäger schließlich die Einzelteile des Wahrzeichens vom Markt mit ihren Transportern nach Lindlar. Das Team vom Bergischen Freilichtmuseum Lindlar verfolgte den spektakulären Abbau des Büdchens ebenso gespannt wie eine Menge von Passanten.

Bedauern, schon Wehmut waren etlichen Beobachtern anzumerken: Denn das Büdchen hat Geschichte in Wermelskirchen. Seine Freunde beklagen, Wermelskirchen habe nun sein Markenzeichen verloren. Doch es gab immer auch Gegner: "Dieser Kaninchenstall muss weg", hatte FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Manderla einmal geschimpft. Weichen musste das Büdchen nun der anstehenden Neugestaltung des Marktes, die übrigens wieder den ursprünglichen Zustand aufgreift. Denn vor 1939, als das Büdchen eigentlich als "öffentliche Bedürfnisanstalt" dort erbaut wurde, gab es am Markt einen freien Begegnungsplatz. Solch eine Fläche wird dort bald neu erstehen.

Die Mauerreste des Büdchens, die gestern noch nicht abgeräumt wurden, werden in den nächsten Tagen noch abgetragen. Stein für Stein werden dann auch die Mauern in Lindlar wieder aufgebaut. Der Leiter des Freilichtmuseums, Michael Kamp, kündigte gestern einen eigenen "Wermelskirchen-Tag" an, bei dem zu Beginn der Saison 2010 um die Osterzeit herum dann auch das Büdchen an seinem neuen Standort zu bewundern sein wird.

Eine emotionale Bindung

Die emotionale Bindung der Wermelskirchener an das Häuschen ist dem Museums-Chef durchaus aufgefallen. Deshalb soll es im Museum am Büdchen auch wieder Wundertüten und ähnliche "Überraschungen" geben, die auch Generationen von Wermelskirchener Schülern dort mehr oder weniger erlaubt in den Pausen erstanden haben. Was es allerdings im Freilichtmuseum hinterm Büdchen wahrscheinlich nicht geben wird, das sind die ersten, heimlichen Küsse. Denn an die erinnern sich ebenso noch Generationen von ehemals jungen Leuten, deren Treffpunkt das Büdchen am Markt war.

Einzigartig sei bei dem Umzug des Büdchens das ehrenamtliche Engagement der Firmen Jäger und Hausmann aus Wermelskirchen, des Museums-Fördervereins und eines Lindlarer Maurers: "Da gibt es sogar mal einen kreisübergreifenden Einsatz", freut sich Kamp.

(RP)