Tolles Konzert im Haus Eifgen : Unglaubliche Kunst am Piano

David Helbock begeistert im Haus Eifgen mit verjazzten Filmmelodien.

Das ist so eine Sache mit Solopianisten. Ein Mann, ein Instrument, keine Stimme, keine Bandunterstützung. Das ist speziell, kann zum großen Flop oder zum riesen Erfolg werden. Alles hängt an einem Musiker. So viel vorneweg: Im Haus Eifgen wurde der Konzertabend mit Solopianist David Helbock am Donnerstag zum riesen Erfolg – und hätte ein deutlich größeres Publikum verdient.

Kaum hatte der junge Pianist samt Strickmütze, leicht verknittertem Jackett und Hipsterbrille an den 80 Tasten Platz genommen, genügte ein Blick in die Gesichter der Zuhörer, um die Wirkung der Musik zu verstehen. Da schlich sich in der zweiten Reihe auf das Gesicht eines Mannes ein stilles, wissendes Lächeln. Ein Zuhörer, der sich am Stehtisch eingerichtet hatte, blickte wie gebannt auf die rasenden Finger des Pianisten und eine Frau in der dritten Reihe begann mitzuwippen, den Kopf zu bewegen, die Musik zu fühlen. Ein leises Schnipsen, ein angedeutetes Mitklatschen. Und kaum gab der Musiker dem Publikum eine Atempause lang Zeit für Applaus, bejubelten sie den Pianisten, wollten gar nicht mehr aufhören zu klatschen und sich zu bedanken.

Denn was Helbock an den Tasten vollbrachte, entpuppte sich als ein seltener Juwel. Er verjazzte Filmmelodien von John Williams. ET und Harry Potter, Superman und Sieben Jahre in Tibet, Star Wars und Indiana Jones. Die Zuhörer mussten schon ein bisschen geübt im Umgang mit den Soundtracks sein, um sie zwischen den jazzigen Melodien herauszuhören. Aber wer sich die Mühe machte, der entdeckte Blockbuster und unvergessene Melodien, aber auch die Liebe zum Jazz und den Einsatz eines begnadeten Pianisten.

Und noch etwas zeichnete David Helbock aus: Er beließ es dann doch nicht bei den Klängen der Tasten. Erst begann er vorsichtig fast auf seinem Klavierhocker zu hüpfen, dann stand er auf, griff in den Flügel. Er trommelte und zauberte Gitarrenklänge, wenn seine Finger über die Saiten im Flügel strichen oder zupften. Er schien die Hämmerchen festzuhalten und den Tasten so einen neuen Klang zu geben. Das Holz wurde zum Percussion-Instrument. Und manchmal mussten die Zuhörer im Haus Eifgen genau hinsehen, um sich einem Klang auf die Spur machen zu können, um zu verstehen, was geschieht.

Währenddessen hatte David Helbock alle Hände voll zu. Das Tempo, mit dem er vier Instrumente gleichzeitig zu spielen schien und doch immer wieder zu den Tasten zurückkehrte, ließ das Publikum für einen Augenblick sprachlos zurück, bevor der Jubel sich zu dem Applaus gesellte. Es brauchte eben nur einen Tastenschlag, bis sich beide zu schätzen wussten.