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Unbekannte stehlen in Dabringhausen komplette Technik für Online-Gottesdienst

Kurioser Diebstahl in Wermelskirchen : Unbekannte stehlen komplette Technik für Online-Gottesdienst

Mitglieder der evangelisch-freikirchlichen Kirchengemeinde in Dabringhausen entdeckten am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr den Diebstahl diverser Elektronikgeräte. Mindestens ein Täter hat sich vermutlich einschließen lassen.

Seinen Sonntagmorgen hatte sich Patrick Louven sicher ganz anders vorgestellt. Der Jugendreferent der freien-evangelischen Kirchengemeinde Dabringhausen (GZD) glaubte an einen Scherz, als er per Anruf erfuhr, dass Unbekannte die komplette Ausstattung für den für Sonntagvormittag geplanten Online-Stream-Gottesdienst der Gemeinde gestohlen hatten. Das Vorgehen der Täter war abenteuerlich.

Am Sonntagmorgen gegen kurz nach 7 Uhr bemerkten Mitglieder der Gemeinde im Veranstaltungssaal in der Straße Auf der Huhfuhr den Diebstahl der Elektronikgeräte. Am Samstag gegen 22.45 Uhr hatten freiwillige Helfer die Technik für den Online-Gottesdienst aufgebaut. Nach Angaben der Polizei wurden Beamer, Mischpult, Laptops, Kopfhörer und zwei Kameras aufgestellt. Sämtliche Gegenstände mit einem Gesamtwert im unteren fünfstelligen Bereich wurden gestohlen. „Vermutlich hat sich ein Unbekannter im Gebäude versteckt und einschließen lassen, so dass er die Gegenstände unbemerkt stehlen und das Gebäude durch den Haupteingang verlassen konnte“, teilte die Polizei am Montagvormittag mit.

Im gleichen Zeitraum wurde außerdem an einem Nachbarhaus ein Satz Winterreifen auf Alufelgen gestohlen. Aufgrund der Größe und Menge der Gegenstände muss der Täter zum Abtransport seiner Beute ein Fahrzeug benutzt haben, vermutet die Polizei.

Patrick Louven, der in direkter Nachbarschaft der Gemeinde wohnt, nahm spontan mit einem Handy ein YouTube-Video auf, um die Gemeindemitglieder und andere Interessierte darüber zu informieren, dass am Sonntagvormittag kein Gottesdienst stattfinden könne. „Wer bricht denn in eine Kirche ein ?“, fragt sich Louven. Im Inneren des Gebäudes hatten die Täter zwei Türen aufgebrochen, um die Geräte zu stehlen. „Wer rechnet denn damit?“, sagt Louven. Das sei alles schon sehr kurois.

 Die bislang unbekannten Täter zerstörten im Inneren des Gebäudes zwei Türen, um an die Geräte zu gelangen.
Die bislang unbekannten Täter zerstörten im Inneren des Gebäudes zwei Türen, um an die Geräte zu gelangen. Foto: Polizei Rhein-Berg

Auch Pastor Ulrich Abels kann es kaum fassen. Eigentlich ist er momentan im Urlaub – aber seit Sonntagvormittag ist es vorbei mit der Ruhe. „Ich wurde durch Mitarbeiter informiert“, berichtet er am Tag nach der Tat. Dass alle Geräte gestohlen wurden, sei ja schon schlimm genug, aber eine hochwertige Spiegelreflexkamera und ein leistungsstarker Laptop, der den Streaming-Gottesdienst rein technisch erst ermöglicht, hätte die Gemeinde von einem Gemeindemitglied zur Verfügung gestellt bekommen. „Dass damit jetzt Privateigentum betroffen ist, ist uns besonders unangenehm“, sagt Abels. Nun müsse die Gemeinde schauen, wie sie an Ersatz für die technische Ausstattung komme. „Die Versicherung braucht sicher ihre Zeit und ersetzt für gewöhnlich ja auch nur den Zeitwert“, meint er.

Als die Nachricht von dem abenteuerlichen Diebstahl die Runde im Dorf machte, kamen sogleich die ersten Hilfsangebote. Ein Bürger überwies sofort 100 Euro auf das Konto der Gemeinde. „Die Hilfsbereitschaft ist vorhanden“, sagt Abels dankbar. „Ein Elektronikhändler hat uns Geräte zum Einkaufspreis angeboten.“ Die Gemeinde steht außerdem in einem engen Kontakt zum Roberto Weber Tonstudio WOL, die alle 14 Tage jeweils im Wechsel mit der Gemeinde den Online-Streaming-Gottesdienst technisch realisiert. „Die wären am kommenden Sonntag auch wieder dran“, sagt Abels.

Besonders ärgerlich: Eigentlich wollte die Gemeinde ihr Haus für kleinere Gruppen so langsam wieder öffnen. Das geht jetzt erstmal nicht, weil das Haus für die Ermittlungen der Polizei und der Spurensicherer geschlossen ist. „Wir waren auf dem Weg zurück zu einer ansatzweisen Normalität“, sagt Abels.

Ab kommenden Sonntag, 10. Mai, wollte die Gemeinde auch kleinere Gruppen reinlassen, die keinen Internetanschluss haben. Ob das nach dem Einbruch realisierbar ist, weiß Abels noch nicht. „Da müssen wir abwarten, wie lange die Ermittlungen der Polizei dauern“, sagt der Pastor. Er vermutet, dass die Täter nicht ganz so fremd sein können. Im Nebenraum des Veranstaltungssaales haben sie einen weiteren Beamer abgehängt, während die Geräte im großen Saal wohl zu hoch hängen und den Tätern nicht in die Hände fielen.

Die Polizei des Rheinisch-Bergischen Kreises bittet Zeugen, sich unter ☏ 02202 / 205-0 zu melden.