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Umsatzeinbruch im Wermelskirchener Weihnachtsgeschäft

Zählscheinaktion in Wermelskirchen : Umsatzeinbruch im Weihnachtsgeschäft

Einzelhandel und Gastronomie machten eine viertel Millionen Euro weniger Umsatz. 510.000 Zählscheine wurden ausgegeben, 40.000 weniger als 2020.

In vielen Familien fällt das Frühstück heute am Heiligabend ein wenig anders aus: Statt leckeren Brötchen, Toast mit Ei oder Marmelade liegen plötzlich Zählscheine auf dem Tisch. Denn die Gewinnlisten werden kontrolliert. 2400 Gewinne hat der Stadtmarketingverein WiW in der diesjährigen Zählscheinaktion ausgelobt, außerdem zehn Hauptgewinne im Gesamtwert von über 10.000 Euro. Da lohnt es sich, schon mal auf nüchternen Magen die Zählscheine durchzublättern – vielleicht knallt ja auch der Sektkorken in zehn Haushalten.

Im 95. Jahr ist die Zählscheinaktion für den Einzelhandel und die Gastronomie organisiert worden – die Vorzeichen waren nicht gut. Denn die Corona-Pandemie drückt die Stimmung auch in der Stadt. Denn es wurden 40.000 Zählscheine weniger ausgegeben. WiW-Vorsitzender André Frowein: „Damit hat der Handel eine viertel Millionen Euro weniger Umsatz gemacht.“

510.000 Zählscheine wurden letztlich beim Kauf an die Kunden ausgeben. Damit machte der Handel einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 2,75 Millionen Euro. Auch wenn nicht alle Einzelhändler oder Filialisten sich beteiligt haben und der tatsächliche Umsatz im Weihnachtsgeschäft höher liegen könnte – „es ist ein gravierender Einbruch“, berichtet Frowein. „Das zieht sich durch alle Bereiche.“ Das Feedback bei vielen Händler sei ähnlich: Das Kundeninteresse habe grundsätzlich nicht nachgelassen, aber die Unsicherheit sei gewachsen. „Und das liegt an den Politikern mit ihren ständigen Meldungen: Mal wird ein weiterer Lockdown angedroht, dann Kontaktreduzierung. Das hat die Kunden in den Online-Handel getrieben.“ Selbst treue Stammkunden und Ältere. Denn die Kinder oder Enkel würden inzwischen helfen. „Kontaktreduzierung ist wichtig. Da spreche ich nicht gegen. Aber Handel und Gastronomie leiden unter diesen Äußerungen.“

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Der Stadtmarketingvereins-Vorsitzende rechnet auch mit wirtschaftlichen Folgen für die Stadt. „Wenn mir Mitglieder berichten, dass sie 30 Prozent Umsatzeinbruch, weil die Laufkundschaft ausbleibe und dies auf die ständig verändernden Äußerungen von Politikern schieben, blicke ich skeptisch in die Zukunft der Stadt.“ Er sei ja grundsätzlich ein optimistischer Mensch, aber Handel und Gastronomie werden sich in den nächsten Jahren ändern. „Es wird Lücken im Stadtbild geben“, befürchtet er. Weitere Abwanderungen in den Online-Handel seien nicht gut. „Händler sagen, dass sie so einen weiteren Herbst und Winter nicht durchstehen werden.“ Ein schlechter Warenfluss sowie die starke Belastung des Personals seien weitere Punkte, die zu Lasten des örtlichen Handels gingen.

Dabei tut der Stadtmarketingverein viel, um die Attraktivität dieser Stadt zu forcieren. Ein Beispiel: die digitale Dellmark. „Seit Anfang Juni wurden bereits 35.000 Euro in Form dieser Gutscheine in Umlauf gebracht“, berichtet Frowein. Vor allem auch viele kleine Betriebe nutzen die Dellmark, um ihre Mitarbeiter an die Stadt zu binden. Zudem werde mit viel Kreativität, Begeisterung und Herz, so Frowein, im Vorstand und mit vielen ehrenamtlichen Helfern dafür gesorgt, Licht nach Wermelskirchen zu bringen. Auch im übertragenen Sinne. Sei es die Weihnachtsbeleuchtung, die erweitert wurde um 110 Schneeflocken, oder die Begrünung der Laternen,. deren Zahl verdoppelt wurde. „Die Attraktivität unsere Stadt ist gestiegen“, sagt André Frowein.

Auch mit dem interkommunalen Feierabendmarkt sei WiW mehr als zufrieden. Die erfolgreiche Kooperation mit Nachbarstädten Burscheid, Hückeswagen und Wipperfürth werde auch 2022 weiterführt, die ersten Anmeldungen für 2022 lägen vor.

Über neue Kooperationen und die Ausweitung des WiW-Netzwerkes sei Neues in Bewegung gesetzt worden, so Frowein. Exemplarisch nennt er den ersten Bauernmarkt und die Lichterfahrt der Landwirte mit dem Nikolausumzug.