Wermelskirchen: Über Schokoladenseiten und Probleme

Wermelskirchen: Über Schokoladenseiten und Probleme

Zwei Stunden dauerte die Stadtführung für Neubürger. Petra Ammon zeigte historische bedeutende Orte in der Innenstadt. Bürgermeister Rainer Bleek gab Auskunft zur Gegenwart.

Vor dem Bürgerzentrum an der Telegrafenstraße schüttelte Melanie Neumann beim Anblick der Sitzbank mit den dazugehörigen Statuen den Kopf: "Das ist nun kein Vorzeigeobjekt." Bei der Station der Stadtführung für Neubürger auf Höhe des ehemaligen Stadtcafés fiel der Teilnehmerin eine zerstörte Sitzfläche der Metallbank und der darum verstreute Müll ins Auge. Der Standort am Rathaus hatte es bei der Premiere der Stadtführung für Neubürger "in sich".

Schnell zeigte sich, dass auch die Neubürger mit altbekannten Wermelskirchener Diskussionen vertraut sind. Das Gerüst am Bürgerzentrum war eher Nebensache, die Verkehrssituation auf der Telegrafenstraße förderte umso mehr die unterschiedlichen Sichtweisen zutage. Bürgermeister Rainer Bleek, der die 20 Teilnehmer der Tour mit Stadtführerin Petra Ammon nicht nur begrüßte, sondern die Stadtführung sogar begleitete, sagte: "Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr die ersten Gerüste endgültig abgebaut werden können."

Während ein Teil der Gruppe Verständnis für das Parken auf der Telegrafenstraße aufbrachte ("Das ist besonders für ältere Menschen wichtig, die so nicht aus dem innerstädtischen Leben ausgeschlossen werden"), zeigten sich Melanie Neumann und ihr Ehemann Jörg als Verfechter einer Fußgängerzone: "Hier parken alle, wie sie wollen, fahren mit dem Pkw bis vor die Ladentheke. Dabei kann eine Innenstadt nur ohne Autos schön sein." Melanie Neumann, die der Liebe wegen aus dem Sauerland ins Bergische zog, bezeichnete die Wermelskirchener Situation als "befremdlich" und "nicht schön", führte die Stadt Soest als positives Beispiel an.

Zur Zeit gäbe es keine politische Mehrheit für eine Verkehrsberuhigung hielt Bürgermeister Rainer Bleek dagegen: "Täglich befahren rund 5000 Autos die Telegrafenstraße. Etwa die Hälfte ist reiner Durchgangsverkehr ohne Anliegen in beispielsweise irgendeinem Geschäft. Diesen Verkehr müssen wir irgendwie heraus bekommen." Grundsätzlich stellte der Wermelskirchener Jörg Neumann fest: "Aus der Sicht von Menschen, die von auswärts kommen, sieht man vieles neu."

Er und seine Frau hätten sich aus beruflichen Gründen für Wermelskirchen als Wohnort entschieden, hier habe man obendrein Wohneigentum. "Die ländliche Lage, die Talsperren und Wälder ringsherum gefallen mir gut", fand Melanie Neumann auch lobende Worte für ihre neue Heimatstadt.

Startend an den Bürgerhäusern via Kölner, Carl Leverkus-, Obere Remscheider und Telegrafenstraße waren unter anderem das Geburtshaus von Carl Leverkus, Katholische Kirche, Stadtkirche, das Wohnhaus von Carl Leverkus (heute: von den Eichen) sowie der Naturweihnachtsbaum einige der Stationen der Stadtführung.

Am Markt lenkte Petra Ammon die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf das ursprünglich 1634 von Johann Wilhelm Brass erbaute und 1758 nach dem großen Brand im Stadtkern wieder errichtete Haus, das 1908 in den Besitz der Stadt ging und heute das Restaurant "Bergischer Löwe" beherbergt.

Auch an dieser Stelle verdeutlichte Rainer Bleek, wie eng Geschichte und Gegenwart verwoben sind: "Das Restaurant in diesem Haus liegt uns im Magen, weil sich die Anforderungen und Auflagen an Gastronomie geändert haben, was hohe Investitionen nach sich zieht. Es ist sinnvoll, Gastronomie an dieser Stelle zu erhalten."

(RP)