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Wermelskirchen: Über eine "Schwalbe" kennengelernt

Wermelskirchen : Über eine "Schwalbe" kennengelernt

Sophie und Gino finden über ihre beiden DDR-Zweiräder zusammen. Kennengelernt haben sich die beiden nach einem Unfall.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, kann aber der Beginn für eine Beziehung sein. Mit Sitz in Leverkusen gibt es die kleine "IFA IG Bergisch Land", eine Interessengemeinschaft für DDR-Zweiräder. Hier wird gemeinsam geschraubt, restauriert, repariert - und gemeinsame Ausfahrten werden unternommen. Oft sind die Mitglieder zu Besuch beim Oldtimer-Treff in Hilgen.

Der Interessenverband Fahrzeugbau (IFA) war in der DDR ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen. Mitglied in diesem Club ist auch Sophie (24) aus Dabringhausen. Sie ist 2013 aus Sachsen gekommen, und sie ist zu jung, um die DDR noch aktiv erlebt zu haben. Besonderheiten und Nachlässe aus dieser Zeit waren natürlich da.

"Eine Schwalbe von meinem Bruder habe ich zum Ausbildungsabschluss geschenkt bekommen", sagt sie und erinnert sich, dass ein Schlitten von der Schwalbe über ein Stoppelfeld gezogen wurde. Das Modell Schwalbe, hergestellt im "Volkseigenen Betrieb (VEB) Simson in Suhl, ist ein legendäres Zweirad der DDR, das die Menschen in Ostdeutschland mobil machte. Mit ihrer Schwalbe nahm Sophie an einer Ausfahrt der IFA-Freunde teil und "einmal nicht aufgepasst und schon war's passiert". Sie fuhr in das Heck einer SR2 von Gino. Die SR-Modelle sind weitere Fahrzeuge aus dem Simson-Werk und vergleichbar mit der westlichen NSU-Quickly. "Ein Bumms, ein Rumms, so haben wir uns kennengelernt", sagt der 30-Jährige, offenbar nicht unglücklich über diesen kleinen Unfall. Er arbeitet als Bestatter, kam 2003 für die Ausbildung aus Thüringen und wohnt heute in Leverkusen. Auch er ist zu jung für eine aktive DDR-Zeit. "Als die Mauer fiel, war ich ja noch ganz jung", sagt er, "aber die DDR-Sachen waren ja alle da". 2-Takt-Motoren waren in der DDR in Autos wie Trabant oder Wartburg und in den Zweirädern Standard. Das bleibt in Erinnerung und in der Nase. "Das riecht wie eine Frühlingsblume", sagt Gino und lacht. Nach dem kleinen Unfall wurden Telefonnummern ausgetauscht, und die Reparatur musste organisiert werden. "Wir haben uns dann auch privat geschrieben und mal auf einen Kaffee getroffen", erzählen die beiden. Das geschah im September 2017. Die beiden wollen es ruhig angehen. "Mal sind wir in Dabringhausen, mal in Leverkusen", erzählen sie.

Wobei Leverkusen besser ist, weil dort die Fahrzeuge der beiden untergebracht stehen. "Hier am Standort in Dabringhausen habe ich keine Möglichkeit, die Schwalbe sicher unterzubringen", sagt Sophie. Die ehemalige DDR ist für beide verbunden mit Kindheit, Erinnerungen und Heimat. Und dabei spielen die Fahrzeuge aus dem VEB Simson in Suhl auch eine entscheidende Rolle.

(RP)