Trikots, Schminke und Co. - WM-Fieber steigt

Fußball-WM: Trikots, Schminke und Co. - WM-Fieber steigt

Im Sportfachhandel ist die Nachfrage nach Trikots, Bällen und Fußballschuhen höher als vor vier Jahren. Im übrigen Handel hält sich das Treiben rund um die Fußballweltmeisterschaft noch in Grenzen.

Wer in den vergangenen Tagen im Kern der Wermelskirchener Innenstadt über das Dreieck Kölner, Obere Remscheider und Telegrafenstraße schlenderte, wurde noch nicht von scharz-rot-goldenen Fahnen oder anderen Fanartikeln "erschlagen". Das Thema Fußballweltmeisterschaft scheint erst tröpfchenweise zu greifen, obwohl Werbeprospekte oder -anzeigen bereits emsig dabei sind, so ziemlich jedes Produkt mit dem in Russland anstehenden Turnier in Verbindung zu bringen. "Erfahrene Hasen" im Einzelhandel wundert das nicht. Sie wissen: Ein dynamisches WM-Fieber steigt erst, wenn die deutsche Nationalmannschaft die Vorrunde geschafft hat und in den K.O.-Spielen der WM-Endrunde steht.

( Anne vom Stein, Mitarbeiterin der
Foto: Solveig Pudelski

Einer der wenigen Einzelhändler, der bereits ein Schaufenster dem Thema Fußball gewidmet hat, ist Stefan Rojewski im seinem Geschäft für Herrenoberbekleidung "Male" an der Telegrafenstraße. Der bekennende Fan sieht das Geschehen rund um die WM mit Humor. Er präsentiert T-Shirts, die mit lustigen Sprüchen in großen Lettern auffällig bedruckt sind. Auf den Kleidungsstücken ist unter anderem zu lesen: "Play, eat, sleep, repeat" (engl.: Spielen, Essen, Schlafen, Wiederholen). "Wir machen keinen direkten Profit durch die WM. Solche T-Shirts sind bei uns eher Mitnahmeartikel, die zusätzlich zum eigentlichen Einkauf erworben werden", sagt Stefan Rojewski: "Aber das sorgt für gute Laune bei uns und bei den Kunden. Am Tag nach einem Deutschlandspiel ist das bei uns im Laden schon das Nummer-Eins-Gesprächsthema."

Foto: Solveig Pudelski

Deshalb liegen bei "Male" sogar T-Shirts im Blau der italienischen Trikots aus, obwohl Italien gar nicht beim WM-Turnier in Russland vertreten ist - ein Gefallen des "Chefs" an seine Mitarbeiterin Maria Napolitano, die nichtsdestotrotz zu "ihren" Azurblauen steht.

Eher gelassen sieht auch Stefan Friederichs, Filialleiter im Rewe-Einkaufscenter, dem ersten Deutschlandspiel am kommenden Sonntag entgegen: "Das Thema ist da, viele Hersteller von Produkten richten ihr Marketing auf die WM aus." Er fände es völlig normal, dass sich eine dynamische Euphorie erst entwickelt, wenn die deutsche Nationalelf beim Turnier in den ersten Spielen gut abschneidet. Zur Zeit halte sich der Run auf Fanartikel noch in Grenzen.

"Wir sind ja nun nicht der Händler für Hightech-Funktionssportschuhe", beschreibt Johannes Schnütgen, der das gleichnamige Schuhhaus an der Kölner Straße und die Wermelskirchener "Quick-Schuh"-Filiale betreibt. In seinen Geschäften wären keine Umsätze durch ein WM-Fieber spürbar. "Andere Kollegen haben es mal mit schwarz-rot-goldenen Schuhen versucht. Das war aber ein Flop. Ich glaube nicht daran, dass so etwas funktioniert. Ein T-Shirt oder so wird da schon eher mal einfach gekauft", meint Schnütgen.

In Sachen Sportartikel ist "Intersport" das erste Haus am Platze in Wermelskirchen. Als Fachhändler darf Inhaber Kai Middendorf die Original-Trikots, -Bälle und Fußballschuhe der namhaften Anbieter feil bieten. "Ich habe bereits jetzt mehr verkauft als bei der WM vor vier Jahren", erzählt der 40-Jährige. Seit Weihnachten laufe das Geschäft vor allem mit dem neuen Trikot des DFB-Teams, seit einer Woche "brenne" es richtig.

"Wir haben zur Zeit das Problem, dass Adidas das Trikot nicht lieferbar hat. Ich kann also nur das verkaufen, was ich vorrätig habe", sagt Middendorf. Eine Bestellung von 50 Trikots habe er deshalb absagen müssen. "Die Industrie scheint die Auslieferungzu verknappen, um die Preise stabil zu halten", ahnt Middendorf, der neben den hochpreisigen Original-Trikots auch Fan-T-Shirts: "Nicht jedem Kunden, ist es das wert."

Accessoires seien bei "Intersport" eher ein untergeordnetes Geschäft: "Solche Sachen kriegt man ja an jeder Tankstelle oder in jedem Supermarkt." Wegen der Anstoßzeiten wird Public Viewing-Fan Middendorf mit seinen Mitarbeitern einige Deutschlandspiele im Geschäft verfolgen: "Dann ist es hier im Laden sehr ruhig."

Er freut sich über die Umsätze im Zuge der WM mit Trikots, Schuhen und Bällen, die solange laufen, wie Deutschland im Turnier bleibt, sagt jedoch auch: "Meine Existenz hängt da jetzt nicht mehr von ab, dafür habe ich schon zu viel verkauft."

In der Filiale des DM-Marktes hat das Team einen Sonderstand mit speziellen Schmink-Artikeln zur WM dekoriert: Falsche Wimpern und Strasssteinchen zum Aufkleben, Nagellacke und Haarbänder oder sogar Konfetti in Schwarz-Rot-Gold, kurzum alles, womit weibliche Fans glänzen können.

(sng)