Wermelskirchen Trickdiebstahl an der Haustür nimmt zu

Wermelskirchen · Die Täter lassen sich neue Maschen einfallen, um vor allem Senioren zu bestehlen. Die Aufklärungsquote ist gering, die Polizei gibt Tipps, wie man sich in solchen Fällen verhält. Ein Appell: Niemals fremde Menschen in die Wohnung lassen.

Es ist früher Nachmittag, als zwei Männer an der Tür einer Wohnung an der Thomas-Mann-Straße klingeln. Es gebe im Haus Probleme mit dem Kabelfernsehen, sagen sie, als die 86-jährige Bewohnerin die Tür öffnet. Sie seien Mitarbeiter der Telekom und müssten die einzelnen Leitungen durchmessen.

Die beiden Männer sind überaus freundlich, sie sprechen akzentfreies Deutsch, zeigen der Seniorin auch ihre Mitarbeiterausweise. Die Frau lässt die Männer eintreten. Kurz darauf verwickelt einer der beiden die 86-Jährige in ein Gespräch, in dieser Zeit sieht sich der andere in der Wohnung um. Dann verabschieden sich die Männer wieder. Kurz darauf der Schock für die Bewohnerin: Trickdiebe haben sie bestohlen, Schmuck und Münzen sind weg.

Es ist nur ein Fall von vielen, die sich immer wieder in Wermelskirchen zutragen. Die Zahl der Trickdiebstähle hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Das bestätigt Polizeisprecher Peter Raubuch auf Anfrage. Die einzelnen Taten werden zwar nicht statistisch erfasst — sie fallen alle in die Kategorie Diebstahl — ein Trend ist trotzdem erkennbar. "Wir registrieren mehr Fälle von Trickdiebstahl", sagt Raubuch.

In den meisten Fällen werden ältere Menschen Opfer der Trickdiebe. "Zu 90 Prozent werden Senioren auf diese Weise betrogen", berichtet Kriminalhauptkommissar Jost Hermann. Die Täter haben dabei immer wieder neue Maschen, um an Geld und Schmuck ihrer Opfer zu gelangen. Sie geben sich als Handwerker, Elektriker oder auch als Mitarbeiter der Telekom aus. Oft sind sie zu zweit unterwegs, berichtet Hermann. Sie seien gepflegt gekleidet, freundlich und zuvorkommend. "Die Täter sprechen in den meisten Fällen akzentfreies Deutsch, sie wirken vertrauensvoll", sagt Hermann. Das sei die große Gefahr.

Die Täter versuchen auf diese Weise eine Vertrauensbasis aufzubauen, damit die Menschen sie in die Wohnung lassen. In vielen Fällen stellen sie auch fachspezifische Fragen ("Haben Sie eine zwei- oder dreipolige Leitung?"), die bei den ahnungslosen Opfern den Eindruck erwecken, dass sie es mit Experten zu tun haben. Sollten die Senioren skeptisch sein, werden sie häufig sogar auch unter Druck gesetzt ("Sie haben uns doch selbst angerufen!"), die Täter versuchen, Unsicherheit zu erzeugen ("Haben Sie den Termin heute etwa vergessen?").

Nicht nur in der Wohnung, auch auf offener Straße, auf dem Friedhof, am Geldautomaten oder im Supermarkt haben es die Täter vor allem auf ältere Menschen abgesehen, berichtet Hermann. In fast allen Fällen werden die Opfer auf irgendeine Weise abgelenkt.

Die Polizei gibt Tipps, wie man sich in solchen Fällen verhalten sollte. "Egal, wie vertrauensvoll eine Person auch wirkt, man sollte niemals fremde Menschen in die eigene Wohnung lassen", appelliert Peter Raubuch. Senioren sollten erst einmal durch die geschlossene Tür oder Gegensprechanlage kommunizieren, gegebenenfalls die Personen vertrösten und bitten, telefonisch einen neuen Termin zu vereinbaren. Denn eins sei klar: Kommen die Täter nicht schnell zum Zug, ziehen sie weiter. "Die Täter sind landesweit tätig, sie fahren von einer Stadt in die nächste und suchen sich neue Opfer. Daher ist auch die Aufklärung dieser Fälle derart schwierig", sagt Peter Raubuch.

Die Situation sei besorgniserregend, für die Opfer seien solche Erlebnisse ein großer Schock. Dabei geht es nicht nur um den materiellen Schaden. "Es sind viele Erinnerungen, die Senioren zum Beispiel mit alten Schmuckstücken oder Münzen verbinden."

(RP)
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