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Tierheim Wermelskirchen: Hohe Vermittlungsquote bei Hunden

Tierheim Wermelskirchen : „Wir haben eine hohe Vermittlungsquote“

Günter Leuerer, Betriebsleiter des Tierheims, berichtet über das „Kölner Modell“. Laborhunde finden schnell ein Zuhause.

Günter Leuerer ist Vorsitzender des Tierschutzvereins Wermelskirchen und Umgebung  und Betriebsleiter des von diesem weitgehend privat und ohne öffentliche Unterstützung geführten Tierheims Wermelskirchen. Im BM-Interview erzählt er über den Alltag im Tierheim und über die Vermittlung von Labortieren im Rahmen des „Kölner Modells“.

Herr Leuerer wie groß ist das Tierheim Wermelskirchen?

Leuerer Da wir ein recht kleines Tierheim sind, können wir maximal 28 Hunde und 60 Katzen aufnehmen. Wir haben aber eine sehr hohe Vermittlungsquote. Unsere Hunde haben etwa eine mittlere Verweildauer von vier bis fünf Wochen, dann sind sie in einem neuen Zuhause. Das lässt sich allerdings natürlich nicht genau planen, da man nie weiß, wer wann welches Tier haben will.

Woher kommen Ihre Tiere?

Leuerer Wir können keine Abgabetiere aufnehmen, die uns mittlerweile sogar aus dem europäischen Ausland zur Aufnahme angeboten werden, und die sich dubiose Menschen auf dubiosem Weg im Internet und über die sozialen Medien beschafft haben, dann aber ganz schnell wieder los werden wollen. Als privat geführte und finanzierte Einrichtung, die im Jahr 260.000 Euro zum Betrieb erwirtschaften muss, ist das von uns nicht zu leisten.
Viele unserer Hunde und Katzen kommen aus den Karpaten in Rumänien, nahe der Grenze zur Ukraine. Außerdem vermitteln wir seit vielen Jahren im Rahmen des Kölner Modells Labortiere der Firma Bayer. Das sind vor allem Beagle, aber auch Katzen, die als Labortiere für die Bayer-Sparte Animal Health gebraucht wurden. Wir haben schon Tausende von Laborhunden und -katzen vermittelt – diese Tiere sind sehr begehrt, weil sie extrem sozial und dem Menschen zugewandt sind.

Was ist denn das Kölner Modell?

Leuerer Es wurde 1984, in der Hochzeit der Tierschutzbewegung, von einer Kölner Journalistin zusammen mit Wissenschaftlern entwickelt. Sie hat damals tatsächlich Morddrohungen bekommen, weil sie das mit ihrer Arbeit unterstützt hat. Aber diese Tierversuche sind nun einmal gesetzlich vorgeschrieben, egal ob diese für Medikamente für Menschen oder Tiere sind. Damit sie zugelassen werden können, müssen sie zuvor an Tieren getestet werden. Und dafür werden sehr häufig Beagle eingesetzt, weil sie sehr sozial sind und in großen Einheiten gehalten werden können. Die Hunde kommen im Alter von zehn bis elf Monaten in die Labore, wobei es sich dabei um große Gehegeanlagen handelt und nicht um kleine Drahtkäfige.
Im Alter von zwei bis drei Jahren kommen sie dann zu uns – Bayer gibt die Tiere auch nur an Organisationen ab, die dem Kölner Modell angeschlossen sind. Anfang November kommen wieder 15 Beagle, nachdem wir längere Zeit keine hatten. Und es gibt tatsächlich eine Fangemeinde für diese Labor-Beagle – und eine entsprechende Warteliste. Von den 15 Beagle sind bereits zehn über Wartelisten vermittelt.

Was passiert denn im Tierlabor?

Leuerer Es wird ihnen Blut abgenommen, um Plasma daraus zu produzieren, und sie bekommen vielleicht mal eine Zecke ans Ohr gesetzt. Es passiert ihnen also nichts Schlimmes. Es geht ja um tiermedizinische Produkte. Es wird allerdings gerade in den sozialen Medien immer das Bild gezeichnet vom Affen im Schraubstock, wenn es um das Thema Labortiere geht, das stimmt eben gerade in unserem Fall und bei den Tierversuchen des Bayer-Konzerns überhaupt nicht. Die Katzen sind etwa die begehrtesten Wohnungskatzen. Die Hunde müssen natürlich erst einmal alles lernen, was andere Hunde eben schon früher lernen.

Es ändert sich also täglich die Situation bei Ihnen?

Leuerer Ja, das kann man so sagen. Deswegen gehen wir aber auch nie an die Schallgrenze in Sachen Belegung.

Gibt es sonst noch andere Tiere bei Ihnen?

Leuerer In Absprache mit den Kommunen Wermelskirchen und Hückeswagen nehmen wir Fundtiere auf und versuchen, diese wieder zu ihren Besitzern zurückzuführen. Die werden bei uns abgegeben, die Chips, wenn sie denn einen haben, werden ausgelesen und dann nach Möglichkeit nach Rücksprache mit Tasso einem Besitzer zugeordnet. Wobei man es da auch mit viel Dummheit und Unwissenheit zu tun hat. Denn viel Leute glauben, dass alleine das Einsetzen des Chips beim Tierarzt schon eine Registrierung ist. Das ist aber nicht der Fall. Hunde werden in der Regel zu ihren Besitzern zurückgebracht, bei Katzen ist das wesentlich schwieriger bis unmöglich.

Was sind denn die täglichen Aufgaben im Tierheim?

Leuerer Grundsätzlich geht es um die Sauberkeit und die Versorgung der Tiere. Wir fangen morgens um sieben Uhr an und dann werden erst einmal die Hunde und Katzen gefüttert. Die Hundeboxen, in denen die Hunde nachts untergebracht sind, müssen dann sauber gemacht werden und die Katzengehege antiseptisch gereinigt werden. Ein Tierheim muss blitzblank sauber sein, das darf nicht auf die Straße stinken. Tut es das, ist es ein Zeichen, dass nicht gut gearbeitet wird. Außerdem sorgen wir für eine gute und angenehme Atmosphäre für die Menschen, die sich ein Tier aussuchen wollen. Wir haben sechs bis sieben Mitarbeiter an sieben Tagen in der Woche, die alle fest angestellt sind. Das ist nicht mit Ehrenamt zu stemmen.

Dennoch – wieviel Ehrenamt steckt im Tierheim Wermelskirchen?

Leuerer Wir haben Gassigeher, die die Hunde jeden Tag ab 14 Uhr ausführen, manche kommen auch von neun bis elf, das ist ganz unterschiedlich. Wir haben auch einige, wenige „Katzenkrauler“. Das klingt komisch, aber die kümmern sich um die Katzen, die in der freien Wildbahn aufgegriffen wurden und langsam an den Menschen herangeführt werden müssen. Aber anders lässt sich Ehrenamt bei uns kaum abbilden.

Wie groß ist denn die Erfolgsquote bei den „Katzenkraulern“?

Leuerer Sehr hoch, es gibt nur wenige Katzen, die sich nicht knacken lassen. Aber das kommt natürlich auch vor.

Sind Sie auch außerhalb des Tierheims aktiv?

Leuerer Ja, wir betreiben sechs externe Futterstellen in Wermelskirchen und weitere sechs in Hückeswagen. Die werden befüllt für die insgesamt rund 100 Katzen, die wir früher eingefangen und kastriert haben, dann aber wieder in die freie Wildbahn gelassen haben. Die Stadt kann uns dankbar dafür sein, dass wir das übernommen haben, denn nur so kann man sicherstellen, dass es keine große Katzenplage wie in anderen Kommunen gibt. Die Futterstellen werden übrigens auch von Ehrenamtlern befüllt. Außerdem sind wir im gegenüberliegenden Wald aktiv, den wir jüngst gekauft haben und nun nach und nach aufforsten werden.

Wie läuft eine Vermittlung ab?

Leuerer Wir finden im Gespräch mit den Interessenten heraus, was sie für ein Tier suchen und wie die Lebensbedingungen sind. Dann zeigen wir die Tiere, mit Hunden geht man dann probeweise nach draußen, denn dann können sich beide Parteien kennenlernen. Bestenfalls schläft man noch eine Nacht drüber, aber natürlich gibt es auch die Liebe auf den ersten Blick, wenn einfach alles stimmt. Das ist bei Beaglen übrigens recht oft der Fall.

Lehnen Sie auch ab?

Leuerer Ja, natürlich. Man merkt das ja schon im Gespräch, wenn etwa einfach das Herzblut fehlt – oder wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Hand aufs Herz – sind Sie Hunde- oder Katzentyp?

Leuerer Mein Herz schlägt für Katzen. Ich habe auch welche zu Hause. Aber auch aus dem Grund, weil ich aus zeitlichen Gründen einem Hund nicht gerecht werden könnte.