Theater im Film-Eck in Wermelskirchen

Theater im Film-Eck in Wermelskirchen : Sehenswerte Jazz-Komödie im Film-Eck

Gut besucht war das Film-Eck am Donnerstagabend, als mit „Die blonde Carmen“ eine Jazz-Komödie mit viel Musik aus den 1930er- und 40er-Jahren gegeben wurde. Und es hätte keine bessere Kulisse als das altehrwürdige Kino geben können, um die Geschichte eines Jazzorchesters jener Zeit zu erzählen, das dringend auf der Suche nach einer Diva war, um im Filmgeschäft unterzukommen.

Denn ohne Sängerin würde es nicht gehen, so lautete die Bedingung. Doch woher sollten die fünf Musiker nun auf die Schnelle eine echte Jazz-Diva nehmen? Eine die singen konnte, die Ausstrahlung und auch noch Zeit hatte?

Die Produktion der Wuppertaler Swing Kabarett Revue machte Spaß, denn sie lebte von der Musik einer früheren Zeit. Und von einem bestens eingespielten Ensemble. Wenn etwa der spätere Saxophonist und Klarinettist Christian Schmidt als Frau verkleidet auf die Bühne kam und ein wenig Travestie ins Film-Eck brachte – bis die Diva in spe, gespielt von Annette Konrad, dieses von Luftballons getragene Trugbild sprichwörtlich zum Platzen brachte.

Dabei war aber die echte Hauptdarstellerin die Musik. Die Handlung rückte bei den tollen musikalischen Darbietungen fast in den Hintergrund. Etwa wenn Konrad als Vamp die Bühne betrat oder sie mit „Kann denn Liebe Sünde sein“ zur Zarah Leander oder als „Die fesche Lola“ zur Marlene Dietrich wurde. Oder wenn der mittlerweile zum Mann gewordene Klarinettist nach und nach sein Instrument zerlegte, bis er die Melodie nur noch auf dem Mundstück spielte.

Die musikalische Klasse der sechs Akteure war wirklich eindrucksvoll. Sei es am Gesang (neben der Konrad auch „Kapellmeister“ Sven Homberg), am Klavier (Wolfgang Eichler), am Saxophon oder an der Gitarre (Jorma Ahlborn) und der Geige (Luise Jäger). Neben der Musik schaffte es auch Annette Konrad, sich in den Mittelpunkt zu spielen. Das machte sie zum einen mit ihrer vielseitigen und wandelbaren Stimme, mit der sie all die großen Diven wiederauferstehen ließ. Aber auch mit ihrer phantasievollen Kostümierung. Denn dass ein Vamp ganz anders aussah, als die freche Göre „Lola“, leuchtete natürlich ein. Aber auch im silber-glitzernden Flügelkostüm mit enormer Spannbreite ließ sie ihre Band beinahe ein wenig bieder aussehen.

Aber so musste das natürlich bei einer echten Diva auch sein. Dass sich am Ende herausstellte, dass die gesuchte Diva eine freche „Berliner Göre“ war, die schon den ganzen Abend über in die verschiedensten Rollen geschlüpft war, wurde bei der großartig verswingten Version des Klezmer-Klassikers „Bey mir bistu scheyn“ deutlich, bei der „Kapellmeister“ Homberg nicht nur zusammen mit der Konrad sang, sondern auch ein flottes Tänzchen aufs Parkett legte. Und auch in der restlichen Spielzeit machte Annette Konrad ihrem Ruf als echte Diva alle Ehre. Besonders schön etwa, als sie nach dem Genuss mehrerer Schnäpse im Publikum auf Tuchfühlung ging. Der anschließende Absturz hielt sie indes nicht davon ab, schon wenig später wieder wie aus dem Ei gepellt mit ihren Bandkollegen zum beinahe schon rock‘n‘rolligen Finale auf die Bühne zu kommen. Operation Diva geglückt!

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