Wermelskirchen: Tafel rettet Lebensmittel vor dem Abfall

Wermelskirchen : Tafel rettet Lebensmittel vor dem Abfall

Die ehrenamtlichen Helfer sammeln pro Woche zwei Tonnen Lebensmittel ein, die sonst auf dem Müll landen, weil sie für die Supermärkte nicht mehr zu verkaufen sind. 15 Unternehmen aus der Region spenden, was sie nicht los werden.

Gestern gab es Marmelade. Eine ganze Palette war es, erzählt Brigitte Krips. Die Tafel in Köln hatte den Aufstrich aufgetan. Weil's aber gleich 50 Paletten waren, die ein Marmeladen-Hersteller der dortigen Tafel gespendet hatte, und das auch für die Tafel aus der Domstadt ein wenig zu viel Aufstrich war, bedachten sie auch ihre Nachbarn aus Wermelskirchen. Die kamen, nahmen sich die Marmelade und teilen sie nun in Wermelskirchen aus. Andernfalls wäre sie wohl auf dem Müll gelandet.

550 000 Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr im Handel in Deutschland weggeschmissen, heißt es in einer Studien der Universität Stuttgart - Gemüse mit Druckstellen, Brot vom Vortag oder Schoko-Nikoläuse, weil Weihnachten vorbei ist. Tonnenweise wandern die Produkte immer noch in die Tonne. Dabei ist Unverkäufliches nicht immer auch ungenießbar.

Das weiß in Wermelskirchen kaum jemand so genau wie Brigitte Krips, die Vorsitzende der hiesigen Tafel, die mit 45 Ehrenamtlern Woche für Woche Lebensmittelspenden an Bedürftige ausgibt. "Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Lebensmittel vor dem Müll zu retten", sagt Krips. Lebensmittel gehörten nicht in die Tonne, meint sie. "Sie gehören auf den Tisch."

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14 Tafel-Mitarbeiter sind montags bis mittwochs in Wermelskirchen und dem Umland unterwegs, neun Supermärkte, vier Bäckereien, ein Drogeriemarkt und ein Geschäft für Tiernahrung liegen auf ihrer Route. Rund zwei Tonnen Lebensmittel würden so wöchentlich eingesammelt, sagt Brigitte Krips. 220 Haushalte werden mit den Spenden versorgt.

Für die Supermärkte und die Tafel entstünde eine "Win-Win-Situation", sagt Krips, beide gewönnen: Die Supermärkte sparten bei der Entsorgung, die Tafel komme an Spenden. "Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen funktioniert sehr gut", sagt Krips. Sie betont aber auch: "Wir sind keine Entsorger, wir nehmen nur Dinge mit, die wir weitergeben können." Einmal habe ein Unternehmen erklärt, nur noch spenden zu wollen, wenn die Tafel-Mitarbeiter auch die Abfälle mitnehmen. Darauf habe man sich gar nicht erst eingelassen, sagt Krips.

Einen Beutel Zitronen, in dem nur eine Flecken habe, würde sie hingegen nicht ablehnen. Die anderen würden dann eben lose ausgegeben, sagt Krips. Und beim Apfel mit Druckstelle? "Kann man die Stelle rausschneiden", sagt sie. Was allerdings kaum verteilt wird: Molkereiprodukte. Joghurt und Milch würden nämlich nur noch selten gespendet, sagt Krips. "Die Supermärkte planen ihre Einkäufe heute sehr viel genauer."

In Frankreich hat die Nationalversammlung jetzt Supermärkten verboten, Lebensmittel wegzuwerfen. Sie sind fortan zum Spenden verpflichtet. Für Deutschland sei das kein Modell, meint Brigitte Krips. "Wir glauben, dass es auf freiwilliger Basis besser klappt, als mit Druck." In Wermelskirchen jedenfalls sei das so.

(RP)
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