Wermelskirchen: Stralsund – der Liebe wegen

Wermelskirchen : Stralsund – der Liebe wegen

Jürgen Suhr ist aus der Wermelskirchener Ortschaft Dhünn in die alte Hansestadt an der Ostsee umgezogen. Inzwischen dort heimisch geworden, vermisst er dennoch das Auf und Ab des Bergischen Landes beim Radfahren.

In Jeans, T-Shirt und dazu in bequem getretenen Birkenstock-Slippern: Dieser Politiker kann doch wohl nur ein Grüner sein! Und tatsächlich, Jürgen Suhr, seit 2004 Landesvorsitzender der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern und derzeitiger Geschäftsführer der Bürgerschaftsfraktion in der alten Hansestadt Stralsund an der Ostsee, genießt im legeren Outfit das sommerliche Wetter in der alten Hansestadt. Nach 40 Jahren real existierenden Sozialismus prägen mittlerweile Touristen das Bild der zum Teil wunderschön renovierten Stadt. Weltoffenheit und ein Hauch von internationalem Flair liegt in der frischen Ostseeluft. Stralsund hat es nötig: Die Bevölkerung schrumpft. Viele jungen Leute zieht es dorthin, wo es Arbeit gibt.

An die Küste . . .

Jürgen Suhr ist von Wermelskirchen nach Stralsund den umgekehrten Weg gegangen. Allerdings weniger aus gesellschaftspolitischer Verantwortung, sondern der Liebe wegen. Er zog 1997 zu seiner jetzigen Ehefrau Ingrid an die Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Die beiden leisteten auch ihren Beitrag zur Bevölkerungsentwicklung Stralsunds: Tochter Nele-Marie (5) und Sohn Noah (3) wurden hier geboren. Im eigenen Garten mit stattlichem Kirschbaum in der Mitte können sie mit ihnen herumtollen. Von den grünen, geschwungenen Hügeln des Bergischen Landes an die flache Ostseeküste – fiel ihm die Eingewöhnung schwer? „Keineswegs“, sagt er. „Ich lebe jetzt, wo andere Leute Urlaub machen. Es gibt jede Menge Meer und Strand. Darin kann man sich verlieben.“

Bergische Hügel werden vermisst

Und was vermisst der langjährige Bürger des Wermelskirchener Ortsteils Dhünn an der Ostsee? „Das Auf und Ab des Bergischen Landes beim Radfahren“, lautet die spontane Antwort. Gleichwohl fühlt sich Jürgen Suhr mittlerweile der Region eng verbunden. Andererseits ist es für ihn „kein Dogma, in Stralsund zu bleiben“. Berlin – der Politik wegen – kann er sich auch ganz gut vorstellen. „Aber das lasse ich auf mich zukommen.“

Neben seiner politischen Arbeit betätigt er sich als Dozent in der Erwachsenenbildung und arbeitet als Geschäftsführer der Produktionsschulen gGmbH MV. Hier werden Jugendliche ohne Ausbildung in enger Verbindung mit der Handwerkskammer und den Handwerksbetrieben nach einem dänischen Modell an die Berufswelt herangeführt. Den typischen Ossi kann er in Stralsund ebenso wenig ausmachen wie den typischen Dickkopf im Bergischen Land. „Allerdings stellte ich hier anfangs keine große Neigung zur Konfliktbereitschaft fest“, sagt er und führt dies auf die politische Vergangenheit zurück.

„Mittlerweile aber lässt es ich auch hier herrlich streiten“. Er lächelt. „Ich liebe den Streit in der Sache um der Sache willen und die anschließende Geselligkeit. Das war auch schon in Wermelskirchen so.“ So mancher in der Kleinstadt mit Herz wird sich noch daran erinnern können.

(RP)
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