Kultige Atmosphäre: Stephanus-Combo spielt Knef-Lieder im "Film-Eck"

Kultige Atmosphäre: Stephanus-Combo spielt Knef-Lieder im "Film-Eck"

Einen passenderen Rahmen für ein Hildegard-Knef-Konzert kann es nicht geben. 1927 wurde das heutige "Film-Eck" als "Reichshallen Lichtspiele" eröffnet, es gibt viele Parallelen zur Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef - das zeigte die Stephanus-Combo bei ihrem Konzert. Die 50er und 60er Jahre waren für das Kino und auch für die Schauspielerin die beste Zeit. Für beide gilt, sich nicht unterkriegen zu lassen, zu verändern, anzupassen und immer wieder aufzustehen.

Unvergessen der "Skandalfilm" von 1951, der auch in Wermelskirchen für Empörung sorgte. In dem Film "Die Sünderin" war Knef für Sekunden unbekleidet zu sehen. Patrick Mühlhausen, Bassist und Sänger der Stephanus-Combo, erinnerte auch an einen katholischen Pfarrer, der vor dem Kino "Posten bezog, um die Bürger am Besuch des Kinos zu hindern". Längst vergessen und heute kaum vorstellbar.

Nicht vergessen sind die wunderbaren Lieder. In einer schönen Akustik mit angenehmer Lautstärke erlebten mehr als 100 Besucher ein wunderbares Konzert. Wie früher, in gemütlichen Sitzen die Musik genießen, dann applaudieren und sich an den kleinen Zwischentexten und dem nächsten Stück erfreuen. "Tapetenwechsel", "In dieser Stadt" oder "Bei dir war es immer so schön" - ein Klassiker reihte sich an den nächsten. Es liegt wahrscheinlich an der Qualität der Musik, dass diese Titel immer noch aktuell sind. "Du hast mich ganz in der Hand" (im Original: "You've got me under my skin") von Cole Porte stammt schließlich aus dem Jahr 1936. Es ist diese herrliche, angenehme Mischung aus Barmusik, Chanson und Jazz. Die berühmte Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald sagte einmal über Hildegard Knef: "Sie ist die einzige Sängerin ohne Stimme."

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Das war durchaus als Kompliment gemeint, denn diese Mischung aus rauchigem Sprechgesang und leicht frivolem, frechem Touch hatte etwas besonderes. Das ist nicht zu kopieren, und die Stephanus-Combo der Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus probierte es auch gar nicht. Gut so. Die wunderbaren Lieder wurden genommen, gespielt und im Rhythmus teils verändert. Das Konzert von Heike Endepols (Piano, Gesang, Harmonika), Janina Fiß (Gesang, Piano, Querflöte), Volker Groß (Gitarre), Markus Hoffrogge (Schlagzeug) und Patrick Mühlhausen (Gesang, Bass) war noch schöner als im vergangenen Jahr im Gemeindezentrum in Neuenhaus.

Vielleicht lag es aber auch an der "kultigen Atmosphäre" des Kinos. Da passt alles zusammen - über weitere kleine Konzerte im "Film-Eck" sollte ernsthaft nachgedacht werden.

(wsb)
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