Tommie Harris und Les Searle im Haus Eifgen Stelldichein zweier Legenden im Haus Eifgen

Wermelskirchen · Begleitet von Till Brandt, Bernt Laukamp und Bernd Oppel bringt ein Konzertabend Tommie Harris und Les Searle zusammen auf die Bühne im Haus Eifgen. Klassiker und Evergreens prägen das Programm.

 Das Beste aus Swing, Blues und Jazz im Haus Eifgen mit (v.l.) Les Searle, Tommie Harris, Till Brandt, Bernt Laukamp und Bernd Oppel.

Das Beste aus Swing, Blues und Jazz im Haus Eifgen mit (v.l.) Les Searle, Tommie Harris, Till Brandt, Bernt Laukamp und Bernd Oppel.

Foto: Jürgen Moll

Von Legenden zu sprechen, hängt die Messlatte ziemlich hoch. Hilmar Brunow verwendete den Begriff trotzdem: „Solche Legenden sind schon etwas Besonderes.“ Gemeint waren zwei Grandseigneurs ihrer Genres: der als „Gentleman des Blues“ bekannte Tommie Harris und der Wermelskirchener Swing-Jazz-„Tausendsassa“ Les Searle, die für ein gemeinsames Konzert auf der Haus-Eifgen-Bühne zusammenfanden. Dieses bisher einmalige Ereignis begleitete Brunow, Stammgast bei der Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) als Haus Eifgen-Betreiberverein und als Hobbyfotograf eifriger Dokumentator des Konzertgeschehens in dem Traditionshaus. Schon das erste Konzert von Tommie Harris vor drei Jahren mit der „Blues Cats“-Band hielt Brunow fest – seitdem ziert ein großformatiges Portrait von Harris den Saal im Haus Eifgen.

Die „Blues Cats“ hinterließen genauso beim gemeinsamen Konzert von Les Searle und Tommie Harris ihre Spuren, denn mit Till Brandt am Kontrabass und Bernd Oppel am Schlagzeug bildete die Rhythmus-Abteilung auch die Groove-Sektion des musikalischen Zusammentreffens der „Ehrenpräsidenten“.

Organisator Till Brandt stellte beim ersten Konzert des Jahres im Haus Eifgenfest: „Das ist für uns ebenso ein besonderer Start ins neue Jahr. Natürlich kenne ich Les Searle schon länger, aber dieses Zusammentreffen auf der Bühne ist eine Premiere.“ Neben Brandt und Oppel komplettierte Bernt Laukamp an Posaune und Ventilposaune das Musikeraufgebot, das Les Searle am Piano und Tommie Harris (Gesang) auf musikalische Weise den „roten Teppich“ ausrollte. Welche Musik und Vorbilder Les Searle und Tommie Harris, die mit den Geburtsjahren 1937 und 1938 einer Generation angehören, prägten, zeigte das Konzert deutlich: „Wonderful“, der Klassiker „Summertime“, der Ray Charles-Superhit „Georgia“ oder der Evergreen „Fly me to the moon“, komponiert von Bart Howard und Welterfolg in der Version von Frank Sinatra, gehörten zum Programm. Darauf blickte Les Searle im Gespräch mit unserer Redaktion in gewohnt verschmitzt-humoriger Art kurz vor Konzertbeginn aus: „Das ist heute Abend schon zusammengewürfelt – das Programm und die Band. Aber das Schöne an uns Jazzern ist, dass es, wenn wir uns auf ein Thema verständigt haben, funktioniert – meistens.“

Während das Rhythmus-Duo aus Till Brandt und Bernd Oppel gekonnt und zurückhaltend das „zusammengewürfelte“ Projekt im Takt hielt, verstanden es Les Searle und Bernt Laukamp, mit ihren Solo-Einlagen ein ums andere Mal zu glänzen. Tommie Harris setzte mit der samtweichen Klangfarbe seines Gesangs, bei dem die ursprüngliche Alabama-Herkunft des Sängers nicht zu überhören war, dem Ganzen die Krone auf. Immer wieder aufflammender Szenenapplaus des Publikums zollte den Akteuren gebührenden Tribut.

Mit 35 Zuhörern blieb die Publikumsschar im Haus Eifgen recht übersichtlich. Jeder der fünf Musiker schien mindestens einen Besucher persönlich zu kennen – davon zeugten in der Pause manche Wiedersehensfreude-Lacher, die trotz Mund-Nasen-Schutz zu hören waren und von guten Wünschen für das noch junge Jahr begleitet wurden. Die Gäste erlebten ein verzauberndes Konzert, das nach einer weiteren Auflage verlangt und dann bei möglicherweise weniger winterlichem Wetter und hoffentlich abgeflauter Corona-Pandemie mehr Besucher verdient hat.

Les Searle und Tommie Harris, erster in Polesworth in England geboren, zweiterer in Bessemer im US-Staat Alabama, verbinden Jazz-, Blues- und Gospel-Wurzeln, mit denen sie in den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren „groß“ wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit ist das Militär: Harris spielte Schlagzeug bei der Air Force, gelangte über Korea nach Deutschland, wo er seit 51 Jahren lebt. Les Searle gehörte als Saxophonist zur Royal Air Force Germany Band, die ihn 1965 in die Bundesrepublik Deutschland brachte, wo ihn nach einer ersten Station in Köln gemeinsam mit Ehefrau Ivy der Weg nach Wermelskirchen führte.

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