Wermelskirchen: Statt Einkaufszentrum nur fünf Läden

Wermelskirchen : Statt Einkaufszentrum nur fünf Läden

Investor Gerhard Uhle macht nach dem Klage-Hickhack Nägel mit Köpfen: Er speckt sein Projekt deutlich ab. Es gibt keine Parkdecks, kein Lebensmittel-Geschäft, das Haus Brückenweg 30 bleibt erhalten, ebenso die Gebäude-Fassade.

Damit hatte wohl nach vier Jahren intensiver Arbeit niemand gerechnet: Einkaufszentrum-Investor Gerhard Uhle zieht einen Schlussstrich. Es wird kein Einkaufszentrum im ehemaligen Ring-Kaufhaus gebaut. Das sagte der Bochumer gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Von dem für Wermelskirchen wichtigen, aber ehrgeizigen Projekt mitten in der Innenstadt bleiben fünf Läden über, die fußläufig von der Telegrafenstraße zu erreichen sind: der DM-Markt, ein Schuhgeschäft und drei Textilgeschäfte.

Uhle verzichtet ebenso auf den Bau von Parkdecks wie auf den Abriss des von ihm extra erworbenen Gebäudes Brückenweg 30. Das Haus sollte für Laderampen und die Zufahrt zu den Parkdecks weichen. Den Mietern war gekündigt worden. "Wenn kein Lebensmittelmarkt einzieht, brauche ich auch keine Parkdecks mehr", sagt Uhle heute. Damit reduziert sich auch das Verkehrsaufkommen aus Richtung Dellmannstraße wie auch Eich deutlich: Nur noch acht bis zehn Prozent des im Verkehrsgutachten prognostizierten Anliefer- und Parkverkehrs, berichtet der Investor.

Was wird nun getan? In einem Monat kommt der Abrissbagger, kündigt der Investor an. Abgerissen werden die Garagen sowie Gebäudeteile im Bereich des Parkplatzes. Die komplette Fassade zur Telegrafenstraße hin wird nicht verändert. Lediglich der Parkplatz wird saniert — und später bewirtschaftet. "Eine Stunde wird's kostenfreies Parken für Kunden geben. Danach muss bezahlt werden." Saniert werden auch die oberen Geschosse — vermutlich entstehen dort Büroräume. Details nannte er gestern dazu nicht. Eingebaut werden in das Gebäude vier Fahrstühle, auch um von den Läden auf den Parkplatz zu gelangen. Der Eröffnungstermin der neuen Geschäfte steht noch nicht fest. "2013 wird das aber nichts mehr, eher 2014".

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Damit läuft die Klage eines Anwohners gegen den Bauvorbescheid ins Leere. "Wir sind jetzt auf der absolut sicheren Seite. Das waren wir aber auch schon vorher", ist der Bochumer überzeugt. Diese "abgespeckte Lösung" liege weit unter den Vorgaben des rechtskräftigen Bebauungsplans. "Wenn wir das umgesetzt haben, sind wir mit Wermelskirchen fertig." In dem Ton von Uhle schwingt Enttäuschung mit. Das gibt er auch zu. Er habe lange mit sich gerungen, erzählt er. "Aber ich habe genug mit meinen anderen Firmen zu tun." Die boomen, er könne sich nicht nur mit Wermelskirchen beschäftigen. Er sei es letztlich leid gewesen, zumal er immer wieder "Knieschüsse" erlitten hätte.

Die Euco-Gruppe unter Gerhard Uhle zieht damit die Konsequenz unter dem Streit mit einem Anlieger. Den Großteil der Kritiker hatte er bereits auf seiner Seite — sie hatten eine Vereinbarung unterzeichnet, auf die Klage zu verzichten, wenn er auf einen großflächigen Lebensmittelmarkt verzichte und das Einkaufszentrum um eine Parkebene reduziere. Doch nicht alle Nachbarn hatten sich auf diesen Vorschlag eingelassen. Das hatte ihn schon aufgebracht. Nach Informationen der Morgenpost hat wohl ein Gespräch mit dem Kläger stattgefunden. Heute stehe er, Uhle, aber nicht mehr mit dem Nachbarn in Verbindung.

(RP)