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Stadtteilserie Wermelskirchen: Paulig in Dhünn

Stadtteilserie Mein Wermelskirchen : „Eine Landschaft, die wir im Urlaub suchen“

Jutta und Dietmar Paulig zogen vor 25 Jahren nach Dhünn. Sie genießen das dörfliche Umfeld und die Ruhe im Garten. 

Als Jutta und Dietmar Paulig vor 25 Jahren mit ihren beiden, damals noch kleinen Kindern nach Dhünn zogen, gab es im Hinterkopf noch ein „Hintertürchen“: Die Option, dem ländlichen Leben wieder den Rücken zu kehren und in die Stadt zu ziehen, hielt sich das Ehepaar offen. Davon ist heute keine Rede mehr, wie Jutta Paulig sagt: „In Dhünn zu wohnen, hat eine hohe Lebensqualität – der Gedanke an ein Leben in der Großstadt ist völlig verloren gegangen.“ Ehemann Dietmar Paulig ergänzt, warum das so ist: „Wäre ich im Urlaub ins Dhünntal gekommen, hätte ich die Sehnsucht verspürt, mich dort anzusiedeln. Auch der Ausblick von Hülsen auf Dhünn ist einmalig.“ Genau diesen landschaftlichen Reiz würde das Ehepaar im Urlaub ebenso suchen: „Das finden wir schön.“

Wie viele andere Bewohner von Dhünn sind Jutta und Dietmar Paulig keine „echten“ oder „Ur-Dhünnschen“. Sie stammt gebürtig aus Wipperfürth und studierte in Köln, er gebürtig aus Radevormwald und absolvierte sein Studium in Aachen. Nichtsdestotrotz ist das Ehepaar Pauilig in Dhünn zuhause angekommen: „Wir fühlen uns nicht zuletzt wegen der Menschen wohl hier. Das Dorf Dhünn hat uns aufgenommen.“

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Das habe durchaus eine Anfangsphase gebraucht, erinnern sich die 56-Jährige und der 62-Jährige: „Wir sind nicht unbedingt Vereinsmeier. Und bei uns ging die Frau täglich arbeiten – das war vor 25 Jahren noch nicht so üblich wie heute.“ Ein weiterer Grund für das anfängliche „Beäugen“: Jutta und Dietmar Paulig, die sich mittlerweile aus der aktiven Politik zurückgezogen haben, engagierten sich damals noch aktiv für die Grünen.

An lustige und auch unschöne Episoden kann sich Lehrer Dietmar Paulig, der nach Stationen in Solingen und Radevormwald inzwischen Schulleiter der neuen Sekundarschule in Wermelskirchen ist, erinnern: „Als ich über mehrere Wochen ein Hochbeet gebaut habe, hat das erstauntes Interesse in der Nachbarschaft geweckt.“ Und ein von der Straße aus sichtbarer, auf einer Fensterbank vergessener Deko-Osterhase sei im Herbst plötzlich Gesprächsthema in der Dorfkneipe gewesen. „In Wahlkampfzeiten wurden Grüne gerne mal als Spinner beschimpft. Das ist jedoch heutzutage vorbei.“

Typischerweise hätten die Kinder (Michael, 29 Jahre, und Ines, 31) in Jugendzeiten das Wohnen in Dhünn „ganz schön doof“ gefunden, erzählt Jutta Paulig, die für die Wermelskirchener Schuldnerberatung arbeitet. Das „Mama-“ und „Papa-Taxi“ musste in dieser Zeit viel fahren.

Als Anwohner der Hauptstraße mitten im Dorfzentrum hat die Familie die jüngsten Entwicklungen in Dhünn hautnah erlebt. „Als wir nach Dhünn kamen, gab es noch eine Apotheke, eine Postfiliale, vier Bäckereien oder einen Zahn- und einen Allgemeinarzt“, sagt Dietmar Paulig.

Trotz vieler Schließungen Paulig die Infrastruktur in Dhünn immer noch für toll. Beispielsweise sei das „Hof-Café“ eingeschlagen wie „eine Bombe“. Wer täglich zur Arbeit fahre, könne unterwegs viele Dinge regeln, aber: „Als Alterswohnsitz mit schrumpfender Mobilität wird es sicherlich schwieriger.“ Er und seine Frau sind sich einig: „Das muss dann organisiert werden.“

Die Eigendynamik des dörflichen Lebens genießen Jutta und Dietmar Paulig und nennen ein Beispiel: „In der Vorweihnachtszeit verteilt der Verkehrs- und Verschönerungsverein Dhünn im Ortskern Weihnachtsbäume als Straßendekoration. Irgendwann sind wir angefangen, den vor unserer Tür über die vorhandenen, roten Schleifen hinaus zu schmücken. Diesem Beispiel folgten dann nach und nach viele andere Bewohner. Das ist klasse, das ist im und für das Dorf wichtig.“