Schulpolitik in Wermelskirchen Stadtrat beschließt fünfzügige Gesamtschule

Wermelskirchen · Die Stadt Wermelskirchen wird bei der Bezirksregierung Köln eine dauerhaft fünfzügige Gesamtschule beantragen. Eine entsprechende Entscheidung fällte der Rat in einer von interessierten Bürgern gut besuchten Sitzung. Die anwesenden Besucher zeigten sich von dem Votum enttäuscht.

Der Schulstandort Wirtsmühle/Weyersbusch, Wermelskirchen-Ost, soll – wie in den vergangenen zwei Jahren geplant – für eine fünfzügige Gesamtschule saniert und ausgebaut werden.

Der Schulstandort Wirtsmühle/Weyersbusch, Wermelskirchen-Ost, soll – wie in den vergangenen zwei Jahren geplant – für eine fünfzügige Gesamtschule saniert und ausgebaut werden.

Foto: Jürgen Moll

Allen Widerständen wie Unterschriftensammlungen und Appellen in Offenen Briefen sowie einem gemeinsamen Antrag von Grünen und FDP zum Trotz hat der Stadtrat mehrheitlich die Beantragung einer dauerhaften Fünfzügigkeit für die Gesamtschule in Wermelskirchen bei der Bezirksregierung Köln beschlossen. Damit folgte der Rat der Beschlussempfehlung des Schulausschusses, die die Widerstände vor allem aus den Reihen von Wermelskirchener Eltern von Grundschul- und Gesamtschulkindern ausgelöst hatte.

Im Stadtrat argumentierte die deutliche Mehrheit pro Fünfzügigkeit aus CDU, SPD, Büfo und Freien Wählern im Sinne der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung. „In weiten Teilen sind die Argumente, die die Befürworter der Sechszügigkeit anbringen, auch meine Argumente. Aber das K.o.-Kriterium ist der Raumbedarf“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Jochen Bilstein, der auch Vorsitzender des Schulausschusses ist: „Wir haben keine Zeit mehr für irgendwelche Modelle.“

Am Schulstandort Wirtsmühle/Weyersbusch sei nur eine fünfzügige Gesamtschule möglich – ein zusätzliches Grundstück oder ein Standort für ein Oberstufenzentrum seien derzeit nicht absehbar: „Eine Planung auf der Grundlage von irgendwie, irgendwo, irgendwann ist mit uns nicht zu machen.“ Bilstein betonte, dass die Fünfzügigkeit beschlossen werden müsse, damit die Bautätigkeit am Standort von Gesamtschule nebst auslaufender Sekundarschule Fahrt aufnehme.

 Das Votum des Stadtrats fiel mit deutlicher Mehrheit und folgte der Beschlussempfehlung des Schulausschusses.

Das Votum des Stadtrats fiel mit deutlicher Mehrheit und folgte der Beschlussempfehlung des Schulausschusses.

Foto: Stephan Singer

„Wir satteln bereits von ursprünglich vier auf fünf Züge auf und müssen sehen, wie sich das entwickelt. Jetzt müssen wir so votieren, damit wir Planungssicherheit erhalten“, argumentierte Michael Schneider, vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion: „Wir sind heute nicht gegen etwas, sondern wollen den Weg gehen.“ Damit griff Schneider indirekt die Aussage von Jochen Bilstein auf, wonach die Möglichkeit einer Sechszügigkeit für de Gesamtschule in Zukunft zu prüfen sein könne: „Wenn sich entsprechende Entwicklungen abzeichnen, kommen sie gerne auf uns zurück.“

Auf diese Weise hatte sich Schneider an die mit rund 60 Personen zahlreichen Besucher der Ratssitzung gewandt, die die Aussagen von Stefan Janosi (Grüne) und Marco Frommenkord (FDP) mit Applaus bedachten. „Der Schulentwicklungsplan zeigt über 2030 hinaus eindeutig einen Bedarf für eine Sechszügigkeit. Es fehlt an Mut und Willen genauso zu entscheiden.“

Nach einem guten Start dürfe der Gesamtschule nicht sofort wieder der Stecker gezogen werden, meinte Marco Frommenkord und hob auf die Eltern befürchteten Absagen von Anmeldungen zur Gesamtschule ab: „Alle Kinder in Wermelskirchen brauchen auch in Wermelskirchen eine Perspektive.“ Es gebe nichts Schlimmeres, als einem Kind sagen zu müssen, dass es im Bildungsangebot in Wermelskirchen keinen Platz habe.

„Um heute Applaus zu bekommen, ist der Grüne/FDP-Antrag zu gebrauchen – nicht um Verantwortung zu übernehmen“, hielt der Büfo-Chef Oliver Platt den Grünen und den Liberalen entgegen: „Eine fünfzügige Gesamtschule entspricht dem heutigen Stand, den heutigen Möglichkeiten. Wenn das funktioniert, dann reden wir weiter.“ Verantwortung bedeute auch, Verantwortung für Kinder und Eltern zu übernehmen, konterte Frank Kaluscha von den Grünen: „Wir brauchen keinen Schulentwicklungsplan oder keinen Kindergartenbedarfsplan mehr machen, wenn die Entscheidungen diese Pläne konterkarieren.“

Die Andeutung der Befürworter einer Fünfzigkeit, der Entwicklung in Richtung einer möglichen Sechszügigkeit aufgeschlossen gegenüber zu stehen, kommentierte Kaluscha: „Wenn wir wieder nachträglich eine Mehrklasse beantragen, um von fünf auf sechs Klassen zu kommen, dann kommt wieder das nötige Personal zu spät und stellt dann auch die Verwaltung kurzfristig vor Beginn des jeweiligen Schuljahrs vor Probleme.“

Auf Nachfrage von Dr. Christian Klicki (CDU), der mit seiner Fraktion für eine Fünfzügigkeit stimmte, konstatierte Bürgermeisterin Marion Lück, dass auch ihre Stimme der Fünfzügigkeit gelte. „Ich bin realistisch“, sagte die Bürgermeisterin, die sich bereits während ihres Wahlkampfs in 2020 die Einrichtung einer Gesamtschule in Wermelskirchen auf die Fahnen geschrieben hatte.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort