Leben & Lernen: Von deutscher Freiheit und amerikanischem Fast Food

Leben & Lernen: Von deutscher Freiheit und amerikanischem Fast Food

Connor hat sich zum ersten Mal auf den Weg nach Deutschland gemacht. Der 16-Jährige lebt in Kentucky, geht dort zur Schule und mag Fast Food. Seit vergangener Woche gastiert er mit zwölf anderen Jugendlichen aus den USA bei Schülern des Gymnasiums in Wermelskirchen.

Und schon jetzt ist er sicher: "Das ist eine ganz andere Kultur hier." Die Architektur sei nicht zu vergleichen mit der Zuhause, das Essen unterscheide sich völlig. Auch die Straßen und Schulen würden anders aussehen. "Das ist sehr interessant", sagt Connor, "und ich mag es."

Er habe den Eindruck, jetzt ein bisschen mehr von der Welt zu verstehen und trotz der sprachlichen Barrieren Freundschaften geschlossen zu haben. Und genauso geht es Connors Gastgeber Nils Fahrenberg (17). Die beiden Jungs kennen sich bereits von einem Besuch im vergangenen Jahr in Kentucky. Und auch Nils sagt: "Das ist eine Erfahrung, die du nie vergisst." Endlich habe er verstanden, dass der Englischunterricht wirklich Sinn ergebe. Und er habe sich selbst besser kennen kennengelernt.

  • Wermelskirchen : Im Campus die "Tente"-Welt studieren

Und damit hat der Schüleraustausch von Jugendlichen jenseits und diesseits des Atlantiks genau jene Wirkung, die sich Initiator Peter Fricke, Geschäftsführer bei Tente-Rollen vor rund zehn Jahren wünschte. Damals war er gerade in Colorado gelandet und hörte, wie Präsident Bush die Deutschen beschimpfte. "Das war überhaupt nicht mein Bild von deutsch-amerikanischen Beziehungen", sagt Peter Fricke heute. Und deswegen ging er nach seiner Rückkehr zu seiner ehemaligen Englischlehrerin Elke Bergmeister, die inzwischen Konrektorin am Gymnasium war und schlug einen Austausch zwischen Schülern in den USA und Wermelskirchen vor. Weil Tente eine Tochtergesellschaft in Kentucky hat, bot sich die Partnerschaft mit einer dortigen Schule an. Seit mehr als zehn Jahren besuchen sich nun Schüler der elften Klasse aus Wermelskirchen und aus Kentucky gegenseitig. Die Dr.-Dietrich-Fricke-Stiftung übernimmt bis auf den Flug alle Kosten. Und das Interesse ist groß: Rund 50 deutsche Schüler bewerben sich jedes Jahr auf 20 Plätze.

Für die amerikanischen Gäste stehen nach dem Besuch bei Tente am Dienstag in den nächsten Tagen viele Ausflüge auf dem Programm. "Meistens sind sie nach der Reise völlig beeindruckt von den Freiheiten, die Jugendliche in Deutschland genießen", sagt ihre Lehrerin Joanie Kenkel. Und wenn sie nach Hause zurückkehren, dann seien sie selbstständiger worden. "Das sieht man in ihren Augen", sagt die Pädagogin. Und auch Andreas Frömmel und Frederike Schenck, die den Austausch am Gymnasium betreuen, haben diesen Effekt bei ihren Schülern entdeckt. Die neuen politischen Herausforderungen hätten die Partnerschaft nicht beeinflusst. "Hier finden sich Freunde fürs Leben", sagt Schenck. Die Schüler entdecken Unterschiede und Gemeinsamkeiten. "Und sie mögen alle Fast Food", sagt Kenkel und lacht, "am Ende sind sie eben einfach Jugendliche." THERESA DEMSKI

(resa)