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Musikalisch: Passionskonzert führt von Leid zu Trost

Musikalisch : Passionskonzert führt von Leid zu Trost

Den Leidensweg Christi ("Passion") musikalisch abzubilden, ist kein Leichtes. Schließlich vereinigt diese Geschichte alles, was Menschen anderen an Leid antun können. Gleichzeitig liefert sie für Christen den Grund, trotz allem nicht zu verzweifeln: Sie spendet Trost. Die stattliche Anzahl der Besucher beim Passionskonzert des Kammerchores in der Evangelischen Stadtkirche unter der Leitung von Kantor Andreas Pumpa zeigte, dass nach wie vor - wenn nicht sogar besonders jetzt - ein Bedürfnis hierfür besteht.

Den Leidensweg Christi ("Passion") musikalisch abzubilden, ist kein Leichtes. Schließlich vereinigt diese Geschichte alles, was Menschen anderen an Leid antun können. Gleichzeitig liefert sie für Christen den Grund, trotz allem nicht zu verzweifeln: Sie spendet Trost. Die stattliche Anzahl der Besucher beim Passionskonzert des Kammerchores in der Evangelischen Stadtkirche unter der Leitung von Kantor Andreas Pumpa zeigte, dass nach wie vor - wenn nicht sogar besonders jetzt - ein Bedürfnis hierfür besteht.

Um es vorwegzunehmen: Dieses Passionskonzert erfüllte nicht nur alle Erwartungen, sondern fand seinen Weg weit darüber hinaus in die Herzen der Besucher. Deutlich zu spüren in der ergreifenden, ungewöhnlich langen Pause nach den letzten Tönen. Es war, als hätte die getragene, ab und zu in Schwermut abgleitende Musik wie in meditativer Stimmung die Hände der Zuhörer gelähmt, bevor sie Beifall spenden konnten. So ging es Besucher Herbert Kaluscha. "Dieses Konzert ging mir weit unter die Haut", sagte er. Er wäre am liebsten aufgestanden, um zu applaudieren, traute sich aber nicht.

Bereits während des Konzertes blitzten hier und da ein paar verstohlene Tränchen in den Besucherreihen. Nicht verwunderlich. "Sogar die Engel weinen", sang der Kammerchor aufrüttelnd und zugleich friedvoll in der Motette von Friedrich Silcher "Schau hin nach Golgatha". Die Auswahl der jeweiligen Lieder passte dramaturgisch mit großem Geschick zum entsprechend vorgelesen Text aus Markus 14. "Sprachlos, hilflos stehen wir da vor der Grausamkeit der Menschen", führte Pfarrer Volker Lubinetzki das Konzert ein. Und dann folgte der 1. Satz aus Dvoráks "Stabat Mater" ("Schmerzensmutter"). Der Moment, in dem der engelsgleiche Sopran der Solistin Veronika Madler sich über den getragenen, wehmütigen Gesang des Kammerchores legte, wirkte wie ein prophetisches, musikalisches Fanal: erst Anteilnahme an Leid und Tod, dann verhaltene schimmernde Hoffnung auf Leben und schließlich die Möglichkeit der Rettung für alle. Das Lied stellte die Weichen: vom anscheinend nicht aufhaltbaren Niedergang in Kummer und Bedrängnis ("Ave verum" von Sir Edward Elgar, "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" von Ernst Friedrich Richter) über Mozarts "Herr, erbarme dich!" und Händels eindringlich zartes "Lass mich weinen" zu Mozart: "Lobe den Herrn" und "Agnus Dei". Die Bibeltexte lasen Fluisa Pasho und Maria Hayk rührend sympathisch vor. "Ein Symbol für Integration", sagte dazu Andreas Pumpa.

(bege)