Blickpunkt Wirtschaft: Die Zukunft kommt aus dem Drucker

Blickpunkt Wirtschaft : Die Zukunft kommt aus dem Drucker

Ein Schlitten verteilt eine Lage Stahlpulver auf einer Platte. Dann zeichnen helle Blitze viele kleine Konturen in die graue Oberfläche. "Hier entstehen verschiedene kleinere Bauteile", erklärt Klaus Stöcker den Vorgang.

Auf dem Monitor neben der mannshohen Maschine sieht man, was aus dem Pulver werden soll. Hermann-Josef Tebroke, Bundestagsabgeordneter der CDU für den Rheinisch-Bergischen Kreis, hört interessiert zu. Gemeinsam mit Volker Suermann, Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, besuchte Tebroke den Betrieb von Klaus Stöcker an der Wuststraße in Wermelskirchen.

Der Laser, der die Konturen in den Stahlstaub zeichnet, verschweißt die kleinen Eisenpartikel miteinander. So entsteht, Lage für Lage, ein ganzes Bauteil. "Die Festigkeit der gedruckten Teile liegt bei etwa 99,3 Prozent gegenüber gegossenem Stahl", erklärt Stöcker. Im Fall der gedruckten Pinzette, die Tebroke und Suermann sich ansehen, liege die Stabilität sogar höher, da sie aus einem Stück gefertigt werde. "Konventionell hergestellte Pinzetten werden aus zwei Hälften zusammengeschweißt", erklärt Stöcker. Dass nicht alle Pinzetten so hergestellt werden, hat einen einfachen Grund: Der Preis von gedruckten Teilen liegt aktuell noch deutlich höher und es dauert erheblich länger. "So eine Pinzette dauert etwa ein bis anderthalb Stunden und kostet 130 Euro", sagt Stöcker. Die Stücke, die er in seinem Drucker produziert sind daher hauptsächlich Prototypen. "In zehn Jahren schon könnten die Teile aber nur noch ein Drittel so teuer sein."

Mit seinen 3D-Druckern für Stahl und Kunststoff ist Stöcker Vorreiter in der Region und in NRW. Die Startinvestition war dafür entsprechend hoch: Eine dreiviertel Million kostet allein der Stahl-Drucker. "Gewinn werden wir mit der Maschine vermutlich keinen machen, aber den Know-how-Vorsprung nimmt uns keiner", sagt Stöcker. Für die Zukunft erwarte er eine ganze Palette an Einsatzmöglichkeiten, auch im medizinischen Bereich. Tebroke und Suermann bestaunen eine aus Titan gedruckte künstliche Bandscheibe, deren Oberfläche viele kleine porenartige Öffnungen hat. "In diesen Öffnungen kann das umliegende Gewebe anwachsen", erklärt Stöcker.

Für ein zukünftiges Projekt arbeitet Stöcker mit einem Ingenieur-Büro und der Uni Köln zusammen. Entwickelt werden soll eine Vorrichtung, die das Operieren von Gehirntumoren erleichtern und präzisieren soll. Die Idee sei aus der Ärzteschaft gekommen. Es soll eine Art Zielvorrichtung für den Operateur werden . CHRISTIAN ALBUSTIN

(RP)