Thema Das Fest: Stadtfest fällt erstmals richtig ins Wasser

Thema Das Fest: Stadtfest fällt erstmals richtig ins Wasser

Dauerregen vermieste gestern Besuchern und Mitwirkenden den Tag. Wer dennoch kam, steuerte gezielt die Geschäfte an, die mit Rabatten warben. Viele angemeldete Teilnehmer kamen nicht, um 14 Uhr wurden Stände schon abgebaut.

Oft liegen die Wetterprognosen richtig daneben. Doch dann, wenn es gar nicht zu gebrauchen ist, stimmen sie plötzlich. "Das ist schon gemein", sagt Dankmar Stolz, Vorsitzender des Marketingvereins WiW. "Da steckt so viel Arbeit drin." Es gießt in Strömen am späten Vormittag, Hagel und Sturm sind angesagt. "Wir hatten genau so viele Anmeldungen wie im letzten Jahr", sagt Stolz, "aber einige sind gar nicht erst gekommen. Andere warten noch mit dem Aufbau, je nachdem wie sich das Wetter entwickelt."

Ließen sich im Regen nicht unterkriegen:
Ließen sich im Regen nicht unterkriegen: Die Aktiven Gerd Simon, Charlotte Jörgens und Manfred Schmitz-Mohr (links, v.l.) vom VVV. - Waren wetterfest gekleidet: Manuela Koebke (DRK-Ortsleiterin) und Denise Ising (Gruppenleiterin). Foto: Moll Jürgen

Nass und herbstlich kühl ist es, und es entsteht der Wunsch nach einem Glühwein. Die Idee finden alle gut, doch niemand hat daran gedacht. Bei Ausstellern und Händlern macht sich natürlich auch Frust breit. "Was mach ich hier und wofür", fragen sie. Von der Eich, runter in Richtung Schwanen, ist niemand unterwegs. Von den frisch polierten Fahrzeugen der Autoausstellung perlt das Wasser, zum Schauen ist niemand da. Mit einem Räumungsverkauf verabschiedet sich Ulrich Heldt: Mit seinem Küchenstudio war er 27 Jahre am Standort an der Eich. "Jetzt, mit Mitte 60, ist es genug. Die Gesundheit macht nicht mehr so mit und so ist Ende 2018 Schluss."

Foto: Moll Jürgen

Etwas Positives dann im Fischhaus, denn viele Gäste haben es sich drinnen gemütlich gemacht. Ein Kirmesplatz ohne Besucher ist ganz schrecklich. Die Musik dröhnt über den Schwanenplatz, die bunten Lampen blinken, aber kein Besucher weit und breit, kein Kreischen von einem Karussell und kein Kinderlachen. Zum Glück hat jeder ein Smartphone gegen die Langeweile. Die Kölner Straße ist leer und die Stehtische bei Reuling-Becher komplett nass. Da wird sogar er Abverkauf des Spanferkels nicht einfach.

In der Gaststätte "Centrale" sind die Heizstrahler in Betrieb, Petra und Ralf Weber sind bei Cocktail und Kölsch zuversichtlich, sich das Fest "schön zu trinken". "Wir schaffen das. Wir geben uns Mühe", lachen die beiden.

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Im WiW-Büro warten die Musiker der Beale-Street-Jazz-Band auf ihren Einsatz. Es geht eben nicht, wenn das Wasser in die Instrumente läuft. Immer zuversichtlich ist Henning Conrads. Früher Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes und zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Niehaves der "Erfinder" dieses Stadtfestes: "Nach 20 Jahren ist es das erste Mal, dass es so verregnet ist", sagt Conrads. Und dann hat er noch eine feine Prognose: "In 18 Minuten hört es auf zu regnen. Wenn nicht, sag' ich Bescheid." Das mit den 18 Minuten klappt nicht ganz aber es wird tatsächlich trockener. Viele Einzelhändler locken mit Rabattaktionen und das miese Wetter müsste die Besucher auch in die Geschäfte treiben. Viele Besucher steuern längst gezielt die Läden an.

Um 14 Uhr bauen die ersten Aussteller in der Telegrafenstraße ihre Stände ab. Es sieht nach Dauerregen aus. Auch für die neuen "Provita-Transferstühle" gab es keine Chance auf eine Probefahrt. Menschen mit Behinderungen könne sich diese Stühle in der Sparkasse und im Bürgerbüro ausleihen. Vorbild ist der Einkaufswagen, der mit einem Chip geholt wird.

Am Stand der Schlaganfallgruppe ist die Vorsitzende Brigitte Hallenberg enttäuscht. "Schade, so ein Fest wäre eine gute Gelegenheit gewesen, dieses Hilfsmittel vorzustellen." In diesem Jahr hat es nicht funktioniert. Eine Neuauflage im nächsten Jahr ist aber sicher und vielleicht bringen die Aussteller dann auch Glühwein mit. Man weiß ja nie, denn schließlich gab es in der letzten Woche Schneefall in Paris.

(RP)