Wermelskirchen: Stadt soll Kitas an freie Träger abgeben

Wermelskirchen : Stadt soll Kitas an freie Träger abgeben

Das Rechnungsprüfungsamt hat ermittelt, dass die Übernahme durch freie Träger ein jährliches Einsparpotenzial von rund 100 000 Euro pro Kindergarten ergibt. Die Verwaltung sieht das Thema skeptisch. Diskussion im Fachausschuss.

Sechs der 16 Kindergärten in Wermelskirchen werden zurzeit von der Stadt betrieben. Wird sich daran bald etwas ändern? Die Stadt soll die Übernahme durch weitere Träger für die Kitas forcieren — zu dieser Meinung kommt das Rechnungsprüfungsamt, das die Finanzierung der Kita-Plätze in Wermelskirchen analysiert und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Einrichtungen verglichen hat. Die Übernahme durch weitere Träger bringe ein erhebliches Einsparpotenzial mit sich. Die Politiker werden das Thema im nächsten Jugendhilfeausschuss diskutieren.

Zum Hintergrund: Nach Auswertung des Rechnungsprüfungsamtes haben die sechs städtischen Kitas im Zeitraum 2008/2009 einen bereinigten Verlust von rund 300 000 Euro ausgewiesen. Hautursachen für die Verluste der städtischen Einrichtungen seien hohe Personalkosten und eine geringere Auslastung der Kita-Gruppen. "Im Vergleich dazu gelang es den freien Trägern, die geplanten Belegungszahlen zu generieren, während die Stadt Normgruppenstärke nicht erreichte und somit hohe Personalkosten pro Kind verursacht wurden", formuliert der Dezernent Jürgen Graef.

Auf dieser Basis macht das Rechnungsprüfungsamt Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung: Weil Kindergärten in städtischer Trägerschaft für die Stadt wesentlich kostenintensiver sind (geringerer Landeszuschuss und höhere Kosten), soll die Stadt die Übernahme durch freie Träger vorantreiben. Daraus ergebe sich nämlich ein jährliches Einsparpotenzial von rund 100 000 Euro pro Kita. Als Vorbild werden die Städte Hückeswagen, Burscheid und Overath genannt, die nur Kindergärten in freier Trägerschaft betreiben. Mit Blick auf die aktuelle Haushaltslage sei eine Einbindung weiterer Träger gerechtfertigt. Zudem sollen laut Rechnungsprüfung die Betriebskosten in den städtischen Kitas gesenkt werden. Dies könne zum Beispiel erreicht werden, wenn Fachkraftstunden durch Ergänzungskraftstunden ersetzt werden. Zur Senkung von Personalkosten trage auch die Bildung von sogenannten Personalpools für Vertretungen bei.

Die Stadtverwaltung sieht den Vorschlag des Rechnungsprüfungsamtes skeptisch. Durch die eigenen Einrichtungen ergebe sich eine unmittelbare Steuerungsmöglichkeit, um zum Beispiel den ab August geltenden Rechtsanspruch für einen U3-Platz zu erfüllen. Es könne kurzfristig reagiert werden, sei es zur Erfüllung des Rechtsanspruchs oder zur sofortigen Aufnahme von Kindern in Notsituationen. Zudem verfügen alle städtischen Einrichtungen über flexible Betreuungszeiten (25/35/45 Stunden pro Woche), und die Einrichtungen sind in den Sommerferien nicht mehr geschlossen. "Dieses flexible und damit familienfreundliche Angebot halten die freien Träger nicht vor", heißt es in Derzernats-Vorlage. Außerdem seien die städtischen Kitas voll belegt, das Kindergartenjahr 2013/14 beginnen sie mit Überbelegungen.

"Es gibt ein öffentliches Interesse, kommunale Kitas zu betreiben, auch wenn diese teurer sind", sagt Dezernent Jürgen Graef, der bislang noch keinen Kontakt zu möglichen weiteren freien Trägern aufgenommen hat. Ob die aktuellen Träger bereit sind, weitere Einrichtungen zu übernehmen, sei auch noch unklar.

(RP)
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