Wermelskirchen: Stadt schafft 221 Kita-Plätze bis 2021

Wermelskirchen: Stadt schafft 221 Kita-Plätze bis 2021

Stadt plant drei neue Kindergärten: An der Hilfringhauser Straße entsteht ein Neubau, an der Eichholzer Straße wird das ehemalige Gemeindehaus umgebaut. Die Awo-Kita wird reaktiviert. Gesamtinvestitionen: mehr als sechs Millionen Euro.

221 neue Plätze in Kindertagesstätten will die Stadt Wermelskirchen bis 2021 schaffen. Das beschlossen die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses am Dienstagabend einstimmig, die endgültige Entscheidung fällt am Montag im Rat. Dafür will die Stadt bauen: Neben einer neuen Kindertagesstätte an der Eichholzer Straße, die vor allem Kindern in Dhünn und Dabringhausen zugutekommen soll, ist ein Neubau an der Hilfringhauser Straße geplant.

Außerdem will die Stadt anbauen: An der Kita "Am Ecker" sollen zwei neue Gruppen entstehen, die Kita "Forstring" erhält eine neue Gruppe. Bereits zum neuen Kindergartenjahr soll die alte Awo-Kindertagesstätte an der Jörgensgasse reaktiviert werden - nun in städtischer Trägerschaft. Auch die Tagespflege soll ausgebaut werden, um den Jüngsten mehr Betreuungsplätze anbieten zu können.

Bisher waren andere Pläne favorisiert worden: An der Eichholzer Straße sollte eine fünfgruppige Einrichtung mit Erweiterungsoption entstehen. Weil die Baugenehmigung für so eine große Einrichtung wegen der Verkehrssituation am Kreckersweg aber wohl nicht erteilt worden wäre, plante die Stadt um. An der Eichholzer Straße entsteht nun eine dreigruppige Einrichtung - mit der Möglichkeit, eine vierte Gruppe zu eröffnen. Weitere drei Gruppen, plus Erweiterungsoption, entstehen an der Hilfringhauser Straße kurz vor dem Neubaugebiet "Am Berg". "Die Lösung ist noch besser", sagte Andreas Voß vom Amt für Jugend, Soziales und Sport, "so versorgen wir die südliche Innenstadt mit."

Die neuen Pläne lässt sich die Stadt etwas kosten: Die Reaktivierung der Einrichtung an der Jörgensgasse kostet 25.000 Euro, der Anbau in Modulbauweise in Pohlhausen 1,5 Millionen Euro und der Anbau am Forstring 770.000 Euro. Die beiden neuen Kindertageseinrichtungen könnten mit jeweils 2,16 Millionen Euro zu Buche schlagen. Auch deswegen plant die Stadt an den beiden neuen Standorten mit einem Investoren-Modell. Für beide Einrichtungen werden nun sowohl Investoren als auch Träger gesucht. Die Ausschreibung könne erfahrungsgemäß drei bis vier Monate dauern, Umsetzung und Bau der Pläne nochmal acht Monate. Im besten Fall könnten die neuen Kindertagesstätten also im nächsten Jahr bezogen werden.

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Bleibt die Frage nach dem Personal: "Für die Reaktivierung der Kita an der Jörgensgasse haben wir schon Bewerbungen vorliegen", sagte der Beigeordnete Stefan Görnert während der Ausschusssitzung. Er sei optimistisch, dass sich genug Erzieherinnen und Erzieher finden lassen würden. Ein positives Signal gab es auch von Sylvia Wimmershoff, Schulleiterin des Bergischen Berufskollegs. Ab nächstem Schuljahr werde es eine zweite Klasse für die Ausbildung zum Erzieher und zur Erzieherin geben - dann in Wermelskirchen.

Viele Eltern, die am Dienstagabend zur Ausschusssitzung gekommen waren, begegneten den Plänen der Stadt skeptisch - wie Stephanie Simon. Gemeinsam mit Ehemann Sven ist sie für ihre anderthalbjährige Tochter Joleen auf der Suche nach einem Kita-Platz. "Und ich bin wirklich besorgt", sagt sie. Die meisten Pläne der Stadt könnten frühestens im nächsten Jahr für eine Entspannung sorgen. "Das ist zu spät, viele Kinder werden im August einfach keinen Platz haben", sagt Sven Simon und wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit mit Unternehmen, die einen Betriebskindergarten einrichten könnten.

Und noch etwas ärgert das Paar: "Wie kann eine Stadt so von den Zahlen überrascht werden? Diese Situation war absehbar."

Erst im vergangenen Jahr hätten neue Prognosen darauf hingedeutet, dass ein Betreuungsmangel entstehen könne, hatte Beigeordneter Stefan Görnert erklärt. Viele junge Familien mit Kindern im Kita-Alter seien nach Wermelskirchen gezogen. "Da findet gerade ein Generationenwechsel statt", sagte Görnert. Dazu kämen Kinder aus geflüchteten Familien und deutlich mehr Geburten als prognostiziert. Darauf könne die Stadt nur reagieren. Und genau das wolle sie nun auch tun.

(RP)