Wermelskirchen: Stadt schafft 167 neue Plätze in den Kitas

Wermelskirchen : Stadt schafft 167 neue Plätze in den Kitas

Aufatmen bei der Verwaltung: Anfang des Jahres fehlten in Wermelskirchen 247 Kita-Plätze. Heute ist die Warteliste für Kinder über drei Jahre leer. Auch für viele Kleinere wurden Lösungen gefunden. Auch längerfristige Planungen laufen.

Der Schrecken war groß: Im Januar erhielt Dezernent Stefan Görnert im Rathaus die aktuellen Wartelisten für Plätze in Kindertagesstätten (Kita). Nachdem alle Einrichtungen ihre Kita-Plätze für das Kindergartenjahr ab 1. August vergeben hatten, waren 133 Kinder über drei Jahre (Ü 3) leer ausgegangen. Die Eltern von 114 Kindern unter drei (U 3) suchten noch nach Betreuungsmöglichkeiten. Es gab Krisengespräche, eine Ausschusssitzung in Dabringhausen, zu der viele verärgerte Eltern kamen, und es wurden Pläne geschmiedet. Fünf Monate nach dem großen Schreck verkündet die Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion: "Die Warteliste für Kinder über drei ist leer". Für alle 133 Kinder seien Plätze geschaffen worden, sagt Görnert. Auf der Warteliste der U3-Kinder stehen aktuell 79 kleine Kandidaten, die ab August noch versorgt werden wollen. "Diese Zahl könnte auch noch deutlich sinken", sagt Görnert. Denn es würden die Vorbereitungen zur Eröffnung von zwei Großtagespflegen in der Stadt laufen, die zum 1. August an den Start gehen könnten. Die Entwicklungen blieben abzuwarten.

Sicher sind die 133 geschaffenen Ü3-Plätze, die zur kommenden Kindergartensaison genutzt werden können: 80 Plätze entstehen in der Kindertagesstätte an der Jörgensgasse. Nachdem die Awo die Einrichtung im vergangenen Jahr geschlossen hatte, übernimmt die Stadt die Federführung. Die Ganztagsbetreuung der Katholischen Grundschule, die dort vorübergehend Unterschlupf gefunden hatte, zieht zurück auf das Schulgelände. Weitere zehn Plätze sind durch die Schaffung einer Notgruppe an der Danziger Straße entstanden: Eine bisher als Themen-Raum genutzte Fläche, wird zum halben Gruppenraum umgebaut. Dazu kommen 20 Plätze, die im neuen Waldkindergarten entstanden sind. "Die restlichen 23 Plätze werden durch Überbelegung erreicht", sagt Görnert. Im Notfall dürfen pro Gruppe höchstens zwei Kinder mehr als geplant, untergebracht werden. Für die Betreuung der Kleinsten hat die Schaffung der neuen Kita-Plätze für die Großen einen schönen Nebeneffekt: "Bei den Tagesmüttern sind Plätze frei geworden", sagt Görnert. Außerdem habe es in der Kindertageseinrichtung Wirtsmühle eine Umstrukturierung gegeben. Eine Gruppe werde nun als Mischgruppe genutzt, so seien sechs U3-Plätze entstanden.

Daneben laufen bei der Stadt längerfristige Planungen, um in den nächsten Jahren allen Kindern einen Platz in Kindertagesstätten anbieten zu können: An der Hilfringhauser Straße und an der Eichholzer Straße entstehen Neubauten, die sechs Millionen Euro teuer sind und jeweils bis zu 95 Kita-Plätze schaffen - jeweils bis zu zwölf Plätze für die Kleinsten. "Die Ausschreibungen sind vorbereitet, wir warten noch auf die Rückmeldung des Kreises", sagt Görnert. Es werden Investoren und Träger für die beiden Einrichtungen gesucht. Vor allem eine Bedingung stellt die Stadt: Die Träger müssen garantieren, ausreichend Personal stellen zu können. Denn Erzieher sind Mangelware, die Konkurrenz durch andere Städte ist groß. Dennoch sind Görnert und seine Kollegen optimistisch: "Das Interesse der Träger ist groß", sagt er. Läuft alles planmäßig, sollen die Einrichtungen im Kindergartenjahr 2019/2020 genutzt werden.

Durch die Erweiterung des Kindergartens am Forstring entstehen in den nächsten Monaten außerdem zehn U3-Plätze. Der Anbau an die Kita "Am Ecker" schlägt mit zehn bis 16 neuen U3-Plätzen und 20 bis 25 Ü3-Plätzen zu Buche. Außerdem behält die Stadt das Interesse der Eltern am Waldkindertag im Blick, dort könne auch eine weitere Gruppe entstehen. Die großen Sorgen seien vom Tisch, sagt das Team im Amt von Jugend, Bildung und Sport. "Aber natürlich sind wir auf der Hut", betont Mitarbeiter Andreas Voß, "wir prüfen regelmäßig den Bedarf und die Entwicklung der Kita-Plätze."

Der völlig unerwartete Anstieg der Zahlen hatte die Stadt Ende 2017 in die Notsituation gebracht. "Wir haben uns seit Jahren auf die Prognosen der Geburtenzahlen verlassen", sagt Görnert, "und sie haben immer gestimmt." Also sei auch die Kindergartenbedarfsplanung nach diesen Prognosen erstellt worden. Im vergangenen Jahr lagen die Voraussagen allerdings deutlich daneben. Eltern bekundeten verärgert, dass man diese Situation deutlich früher hätte erkennen müssen. Der Stadt blieb nur die Reaktion.

"Ich scheue mich etwas, die gute Entwicklung der Geburtenzahlen als Problem anzusehen", sagt Görnert, "vor fünf oder sechs Jahren hätten wir uns gewünscht, dass die Zahlen so deutlich steigen."

(resa)