Digitale Sportangebote in Wermelskirchen : Sportstunde vor dem Computer

Claudia Pöschel gibt eigentlich Kurse in heimischen Fitnessclubs: In Zeiten der Corona-Krise nimmt sie Sportmatte und Tablet mit in den Garten und gibt Online-Kurse – mit steigender Beliebtheit.

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind in die Höhe geklettert und Claudia Pöschel ist besser Stimmung. Sie hat sich ihre Sportmatte, Handtücher und ihre Trinkflasche unter den Arm geklemmt und das Tablet sicher auf dem Gartentisch abgestellt. In einer halben Stunde wird sie den Live-Stream starten, der viele Hobbysportler zum Mitmachen einlädt. Bevor es soweit ist, testet die Fitnesstrainerin Ton und Bild, verschiebt ihre Matte noch mal in die richtige Position und behält die Uhr im Blick. Schließlich verlassen sich ihre Kursteilnehmer darauf, dass es samstagsmorgens um punkt 11 Uhr mit der Live-Schalte losgeht. Fat-Burner steht auf dem Programm.#

Eigentlich bietet Claudia Pöschel diesen Kursus in heimischen Fitnessstudios an – im Fit-Inn in Wermelskirchen zum Beispiel oder auch im Body-Health-Fitness in Solingen. Und weil der Wunsch nach Bewegung, Fitness und Fettverbrennung in Corona-Zeiten eher noch gestiegen ist, das gemeinschaftliche Trainieren aber nicht mehr erlaubt, ist Claudia Pöschel wie viele ihrer Kollegen vorübergehend auf das Internet umgestiegen. „Es geht dabei auch um darum, sich gegenseitig zu motivieren“, sagt Claudia Pöschel.

Und als sie um punkt 11 Uhr die Live-Schalte per Knopfdruck an ihrem Tablet beginnt, wird klar, was sie meint. Sie begrüßt die Teilnehmer, die sie zwar nicht sieht, aber deren Nutzernamen sie in der Liste erkennt. Und dann beginnt ihr Training. Was die Zuschauer nicht sehen: Im Hintergrund hat Pöschels 16-jährige Tochter ihre Sportmatte ausgelegt und macht mit, während ihre Mutter die Übungen vormacht. Claudia Pöschel feuert an, blickt auch mal etwas strenger in die Kamera und sagt dann, als ahne sie, was gerade auf der anderen Seite passiert: „Ein bisschen tiefer. Na los, ihr könnt das.“ Immer mal wieder tauchen in der Kommentarspalte Grüße und Komplimente auf – erst recht in der Pause.

Und dann nimmt sich Claudia Pöschel auch Zeit zum Lesen. „Die Teilnehmer schreiben mir dann, dass sie ganz schön ins Schwitzen gekommen sind“, erzählt die Fitnesstrainerin und deutet auf die Kommentarspalte. Die Rückmeldung sei sehr wichtig für sie. Das sei ihre Motivation in kontaktlosen Zeiten, ihre Arbeit weiterzumachen.  

Nach einer kurzen Pause, die Trainerin und Teilnehmer virtuell gemeinsam verbracht haben, geht es weiter. Claudia Pöschel macht die Übungen vor, rund 100 registrierte Teilnehmer auf der anderen Seite machen mit. Eine von ihnen ist Cinzia Caputo. „Mir ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben“, sagt sie, „erst recht jetzt in Homeoffice-Zeiten.“ Und die virtuelle Geselligkeit sei immer noch besser, als ganz auf den Kontakt mit den Sportfreunden verzichten zu müssen. Sie freue sich jede Woche auf das Angebot am Samstagmorgen. Ja, es sei am Anfang etwas eigenartig gewesen, die Sportmatte im Wohnzimmer auszulegen. „Man erwischt sich auch eher mal dabei, dass man schummelt“, sagt sie.

Davon geht auch Claudia Pöschel aus. „Jeder macht das, was er kann“, sagt sie und freut sich darüber, dass ganz offensichtlich auch Teilnehmer mitmachen, die sie im Fitness-Studio noch nie gesehen hat. „Die Hemmschwelle ist geringer und keiner hat Angst, dass er Koordination oder Kondition nicht hinbekommt“, sagt die Fitnesstrainerin. Inzwischen nimmt sie sich auch beim Joggen auf und veröffentlicht die kleinen Videos auf ihrem Instagram-Kanal – zur Motivation.

Nach einer Stunde verabschiedet sich Claudia Pöschel von den Teilnehmern und schaltet das Tablet aus. Für sie sei der Sport vor dem Computer anfangs auch etwas eigenartig gewesen, aber inzwischen habe sie sich längst daran gewöhnt. Claudia Pöschel nimmt noch einen Schluck aus ihrer Trinkflasche, rollt ihre Matte ein und dann winkt sie noch fröhlich einer Nachbarin zu, die vom gegenüberliegenden Balkon zugesehen hat.