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Wermelskirchen: Spielhalle: Protest formiert sich

Wermelskirchen : Spielhalle: Protest formiert sich

Zwei Anwohner der Viktoriastraße ergreifen die Initiative und wehren sich gegen die geplante Ansiedlung der Spielhalle. Ihr grundsätzlicher Vorwurf: Im B-Planverfahren und den Gutachten wird alles verharmlosend dargestellt.

Sind es nur die 120 000 Euro Gewerbesteuer, die der Stadtrat vor Augen hat, wenn die Politiker die Spielhalle an der Viktoriastraße mit 48 zusätzlichen Spielautomaten für den 23-Stunden-Betrieb genehmigen? Dann würde der Stadtrat aber völlig die Gesundheit und das Wohlbefinden der Anwohner dieses Wohngebietes übergehen — diesen Vorwurf formulierten gestern die Anwohnerin Hella Weber vom Stein und Dieter Sappelt im Gespräch mit der BM.

Sappelt vertritt die Interessen seiner Frau Ingrid, die schräg gegenüber des möglichen Standortes ein Mehrfamilienhaus besitzt. "Wir müssen uns und unsere Mieter schützen", sagten die beiden und kündigen massiven Protest an.

Der Eigentümer der ehemaligen Aro-Halle an der Viktoriastraße hat einen Investor gefunden, der dort ein "Entertainment-Center" mit 48 Geldspielautomaten, Billard, Dart und Snooker errichten will. Der Bebauungsplan befindet sich bis zum 6. Dezember in der öffentlichen Auslage im Rathaus — auch Bürger können Anregungen geben oder Bedenken äußern.

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Mit 120 000 Euro an Gewerbesteuer würden doch den Politikern die "Augen verklebt" — soviel werde niemals gezahlt, meinte Sappelt. Dazu gebe es viel zu viele Abschreibungsmöglichkeiten. Weber vom Stein wie auch Sappelt können einfach nicht verstehen, wie sich Politiker Probleme in die Stadt holen, sei es wachsende Kriminalität oder Spielsucht.

"In Stuttgart drohten ganze Straßenzüge sozial abzurutschen, weil sich Spielhallen dort konzentrierten. Mieter im Umfeld der Spielhallen klagen zunehmend über unzumutbare Belästigungen wie grelle Lichtreklame, Lärm und Angst, denn Automaten-Casinos ziehen ein gewisses Halbweltmilieu an", zitiert er ein Mietermagazin wie auch Berlins Bürgermeister Wowereit. "Und der B-Plan sagt ausdrücklich, dass über die A1-Nähe auch überregionales Publikum angezogen werden soll."

Staatsvertrag über Spielhallen

Dabei gebe es längst einen Staatsvertrag zwischen den Ländern, die mit der Einigung auf Eckpunkte letztlich Absichtserklärungen abgegeben hätten: zwischen Spielhallen einen Abstand von 500 bis 800 Meter Luftlinie einzuhalten; gebündelte Mehrfachkonzesssionen nicht mehr zu erlauben (hier ist eine Vierfach-Konzession für Automaten beantragt); die Zahl der Spielhallen auf eine je 50 000 Einwohner zu begrenzen (Wermelskirchen hat sieben); Außenwerbung zu verbieten und Lichtimmissionen einzuschränken. "NRW hat den Staatsvertrag unterschrieben, aber noch kein Gesetz erlassen", sagte Volljurist Sappelt. "Aber diese Gesetzeslage wird kommen." Deshalb sollten die Stadtväter die Ansiedlung frühzeitig verhindern.

(RP)