Wermelskirchen: Siebel: Groko-Ergebnis ist für die Pflege ein Skandal

Wermelskirchen: Siebel: Groko-Ergebnis ist für die Pflege ein Skandal

Mit einem zornigen Brief wendet sich Peter Siebel an die Bundestagsabgeordneten von CDU, CSU und SPD. Der Geschäftsführer der Wermelskirchener Diakoniestation, der für sein soziales Engagement über den Berufsalltag hinaus und klare Worte bekannt ist, kritisiert in dem Schreiben massiv die Ergebnisse der aktuelle Verhandlungen zur Großen Koalition in Sachen Pflege. Demnach soll es neben weiteren kleineren Verbesserungen in einem ersten Schritt bundesweit 8000 neue Stellen in der Pflege geben, hieß es aus Berlin. "Ich halte diese Ankündigung tatsächlich für einen Skandal", erzürnt Peter Siebel dieses Ergebnis der Koalitionsverhandlungen.

8000 neue Pflegekräfte sind in den Augen von Siebel noch nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein. Er rechnet vor: "In Deutschland gibt es rund 13.000 Altenheime, 13.000 ambulante Pflegedienste und 2000 Krankenhäuser." Würden die 8000 neuen Kräfte verteilt, erhalte jede dieser Einrichtungen gerade einmal eine knappe Drittelstelle zusätzlich. Der Diakonie-Geschäftsführer, der selbst gelernter Krankenpfleger und seit über 30 Jahren im Beruf ist, setzt in seinem Brief nach: Bei 8000 zusätzlichen Pflegekräften erhielten die zur Zeit etwa 1,6 Millionen in stationärer und ambulanter Pflege versorgten Menschen acht Stunden mehr Zuwendung pro Jahr. "Also 80 Sekunden mehr Zeit pro Tag", hält Peter Siebel das Vorhaben der Politiker für einen Hohn.

Dieser sogenannte erste Schritt sei ein weiterer Schritt, der den Pflegekräften verdeutliche, dass sie der Politik vollkommen egal sind. "Eine andere Deutung lässt diese Ankündigung nicht zu", ist Siebel überzeugt.

In seinem Schreiben fordert der Geschäftsführer der Diakonie einen "sofortigen Neuanfang" für die Pflegekräfte, die deutschlandweit auf rund 770.000 Vollzeitstellen verteilt arbeiten: "Nicht 8000 neue Stellen, sondern 80.000 neue Stellen." Und weiter: "Soll die Arbeitssituation wirklich spürbar verbessert werden, braucht die Pflege zehn Prozent mehr Personal."

Die Diakoniestation Wermelskirchen hat mehr als 200 Mitarbeiter und versorgt über 400 Menschen. Der Geschäftsführer ist davon überzeugt, auch in deren Namen und dem vieler anderer zu sprechen: "Ich erwarte von den Koalitionsverhandlungen ein vollkommen anderes Signal an die Pflege. Dafür müssen sich alle Politiker einsetzen und endlich mit den Sonntagsreden aufhören."

(sng)