Senegale als Deutschlehrer in Wermelskirchen

Ein Deutschlehrer aus dem Senegal: Von Schnee, Äpfeln und Pünktlichkeit

Badji Kadialj gastiert zwei Wochen lang bei Familie Bergerhoff. Der Deutschlehrer aus Senegal will die fremde Kultur hautnah erleben.

Früher, wenn seine Schüler ihn fragten, was es mit Schnee auf sich habe, verwies Badji Kadialj die Kinder an Fernsehsendungen. Dann besuchte der Deutschlehrer aus Senegal Wien im Winter. „Zum ersten Mal berührte ich Schnee und erlebte, wie er mir unter den Finger wegschmilzte“, erzählt er. Als er zurückkehrte, erzählte den Schülern von dem Eis in Gefrierfächern, das dem Schnee nicht völlig unähnlich sei. „Nur beim Anfassen ist es anders“, erklärte er. Seine Erzählungen und Schilderungen waren lebhafter und greifbarer. Und deswegen sei es so wichtig, die deutsche Kultur hautnah zu erleben, sagt der 38-Jährige, damit er seinen Schülern in Senegal die Wahrheit berichten könne. „Wir haben auch Bücher zur Landeskunde“, sagt er, „aber die sind manchmal ungenau.“

Weil Badji Kadialj es aber genau wissen wollte, machte sich der junge Lehrer früh auf den langen Weg von Thiès, östlich der Hauptstadt Dakar, nach Deutschland. 2008 besuchte er das fremde Land im Norden zum ersten Mal. Dreimal machte er sich danach für Seminare des Goethe-Instituts erneut auf den Weg nach Deutschland. Auch in diesem Jahr besucht er eine Schulung und verbindet den Aufenthalt dank des Vereins „Experiment“ in Bonn mit einem Besuch in einer deutschen Gastfamilie.

Und Familie Bergerhoff hat bereits Übung als Gastgeber – dank vieler Austauschschüler und eines afrikanischen Deutschlehrers, der vor vielen Jahren am Projekt teilnahm. „Für uns ist der kulturelle Austausch mit Gästen aus Entwicklungsländern sehr interessant“, sagt Harald Bergerhoff und denkt dabei auch an seine Kinder, die mit dem Besucher ins Gespräch kommen.

Schulformen und kulturelle Eigenarten, kulinarische Gewohnheiten und religiöse Unterschiede: Gastgeber und Besucher kommen so ins Gespräch. „Hier erlebe ich große Gastfreundschaft“, berichtet der Lehrer aus Senegal.

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Mal begleitet Badji Kadialj seinen Gastgeber in dessen Praxis, gemeinsam haben sie eine Pflegeeinrichtung besucht – ein neues Erlebnis für den Gast aus Senegal, der Einrichtungen für alte Menschen nicht kennt. Und mal fährt er mit Gastgeberin Stefanie Fleck in deren Hauptschulklasse und erlebt das deutsche Schulsystem hautnah. Dank vielen engagierten Bekannten der Familie wird er noch andere Schulformen kennenlernen. „Und natürlich bleibt auch ein bisschen Zeit für Sightseeing“, sagt Harald Bergerhoff. Schloss Burg, Köln, die Müngstener Brücke. „Und wir haben Pflaumen gepflückt und Kuchen daraus gebacken“, erzählt der Gastgeber.

Auch dabei hat Badji Kadialj Landeskunde zum Anfassen erlebt. „In Senegal wissen wir nicht, wie Äpfel oder Pflaumen wachsen“, sagt er, „wir haben Mangobäume.“ Jetzt weiß er es also und wird seinen Schülern berichten. Von Obstbäumen und vom Rhein, von Menschen, die mit Koffern zum Bahnhof laufen, um einen Zug zu erwischen. „In Senegal habe ich keine Pünktlichkeit gefunden“, sagt er, „das ist typisch deutsch.“

Das gelte auch für die Eigenart, sich beim Reden in die Augen zu schauen oder den Teller leer zu essen. „Das wäre bei uns eher unhöflich“, sagt er und sorgt für staunende Blicke bei den Gastgebern – die keine Mühe haben, ihn zu verstehen. Denn Badji Kadialj spricht fließend Deutsch. „Aber ich freue mich sehr über die Möglichkeit, meine Sprache zu trainieren“, sagt er. In der Schule habe er sich damals für den Deutschunterricht entschieden, weil er nicht wie seine Brüder portugiesisch lernen wollte und weil das Alphabet der französischen Muttersprache so ähnlich war. Die Noten waren hervorragend, also studierte er Germanistik.

„Aber in Senegal sprechen nur wenige Menschen deutsch“, sagt er, „deswegen habe ich selten die Gelegenheit.“ Im Oktober beginnt in seiner Schule in Thiès das neue Schuljahr. Und dann wird Lehrer Badji Kadialj seinen Schülern von seiner aufregenden Reise nach Wermelskirchen berichten.