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Sechseinhalb Jahre Haft für Räuber

Urteil im Verfahren wegen räuberischer Erpressung : Sechseinhalb Jahre Haft für Räuber

Sparkassen-Überfall in Dhünn fand mit Urteil seinen Abschluss. Die Staatsanwaltschaft forderte acht Jahre und neun Monate Haft, die Verteidigung Freispruch.

Die Mühlen der Justiz mahlen bisweilen langsam, so geht ein Sprichwort. Wenn sie aber zu mahlen begonnen haben, tun sie dies in der Regel bis zum Ende. Das Ende, in diesem Fall ein Urteil am Landgericht Köln gegen einen heute 40-jährigen Algerier, kam allerdings wirklich spät. Der Mann war angeklagt worden, zwischen September 2008 und Juli 2010 unter anderem die damalige Sparkassenfiliale in Dhünn überfallen zu haben. Außerdem stand er wegen zwei weiterer Raubüberfälle in Düren und Bergneustadt vor Gericht.

Seit 2011 war der Mann mit internationalem Haftbefehl gesucht, im Oktober 2020 war er in Spanien verhaftet worden. Vor der 3. Großen Strafkammer am Landgericht hatte der 40-Jährige sich wegen der Raubüberfälle zu verantworten. Es war kein einfacher Prozess, denn der Angeklagte bestritt seine Teilhabe an der Tat die ganze Zeit über. Auch die Befragung von Zeugen, die bei den Raubüberfällen dabei gewesen sind, brachte nur wenig Licht ins Dunkel der Frage, ob der 40-Jährige einer der drei Täter gewesen sein könnte. Erschwerend kam dabei hinzu, dass die Taten bereits über zehn Jahre zurücklagen – mithin die Erinnerungen an Grundsätzliches durchaus vorhanden war, an Details jedoch kaum. Zumal die Täter weitgehend vermummt aufgetreten waren und eine Identifizierung heute somit keineswegs erleichtert wurde.

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Eine Wende brachte diesbezüglich wohl das Gutachten eines 59-jährigen Humanbiologen, der erkennungsdienstliche Aufnahmen und solche aus der Ausländerakte von 2009 mit aktuellen Bildern des Angeklagten verglich – und zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen war. Ironischerweise war dieses Gutachten von der Verteidigung angestrengt worden. In ihren Plädoyers kamen die beiden Verteidiger dennoch zu dem Ergebnis, dass ihr Mandant zu Unrecht angeklagt worden sei – beide forderten einen Freispruch sowie eine Entschädigung für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft sah das hingegen vollkommen anders und forderte für den Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten. Man sah dort die Schuld des 40-Jährigen als erwiesen an.

Die Kammer kam zu einem milderen Schuldspruch – auch wenn hier ebenfalls die Schuld des Angeklagten als erwiesen galt. Wegen der schweren räuberischen Erpressung in zwei von drei Fällen – in einem der beiden Fälle sei es beim Versuch geblieben, der dritte konnte ihm nicht nachgewiesen werden – verurteilte sie den Angeklagten zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft.