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Schwiegersöhne prägen die Haus-Historie

Gastronomie in Wermelskirchen : Schwiegersöhne prägen die Haus-Historie

Weil ein dicht gefüllter Terminkalender eine 100-Jahr-Feier in 2019 nicht zuließ, feierten Kati Willumat-Warnke und Christian Warnke das Jubiläum erst in diesem Jahr – wider Erwarten unter Corona-Bedingungen. Die fünfte Generation steckt mitten in der Planung für ein Biergarten-Konzept.

Einst als „Schwanen“-Gaststätte gegründet, befindet sich das heutige Hotel-Restaurant „Zum Schwanen“ seit über 100 Jahren in Familienbesitz. Inzwischen lenkt mit Kati Willumat-Warnke und Christian Warnke die fünfte Generation die Geschicke des Traditionshauses. Dessen Geschichte ist von den federführenden Händen der Schwiegersöhne geprägt, die in die Familie einheirateten, den Betrieb der Vorgängergeneration abkauften und weiterführten. 2015 übernahm Christian Warnke mit seiner Ehefrau Kati Willumat-Warnke von deren Vater Klaus Willumat das Hotel- und Restaurant-Unternehmen. Damit reiht sich Christian Warnke nach Klaus Willumat in die Liste derer ein, die als Schwiegersohn den Familienbetrieb fortführten und fortführen.

„Eigentlich wäre dieses Jubiläum, dass sich dieser Betrieb seit 100 Jahren im Familienbesitz befindet, im vergangenen Jahr gewesen. Denn der Familienbesitz besteht seit 1919“, erläutern Kati Willumat-Warnke und Christian Warnke im Gespräch mit unserer Redaktion: „Letztlich hat die Termindichte ein Fest in 2019 nicht zugelassen. Also hatten wir es auf 2020 geplant. Dass Corona dazwischen kommt, konnten wir nicht ahnen.“ Eine Feier mit knapp 100 geladenen Gästen an zugeteilten Sitzplätzen, diverse im gesamten Haus verteilte Koch-Stationen zum Probieren und Zuschauen sowie einer Wein-Verkostung und einem Gin-Whiskey-Tasting konnte dann doch stattfinden. „Wir haben ein Einbahn-Straßen-System ausgeschildert, wonach sich die Gäste bewegt haben. Das hat viel besser funktioniert als ursprünglich erwartet“, berichtet Kati Willumat-Warnke.

Deren Ur-Ur-Großvater war es, der am Schwanen mit einer klassischen Kneipenwirtschaft den Gastronomiebetrieb startete. „Später folgten kleine Gerichte, die eine Antwort auf den Appetit zum Durst stillten“, sagt Kati Willumat-Warnke. Viele Sportvereine und Handwerker seien damals Stammkunden gewesen. „Mein Opa führte dann mit sieben Zimmern den Hotelbetrieb ein. Mein Vater erweiterte das Hotel zwei Mal. Zuletzt um 20 Zimmer mit dem großen Anbau, der 1998 fertiggestellt wurde. Und er führte den Restaurantbetrieb ein“, erinnert die 38-Jährige.

Jede Generation habe durch kleinere oder größere Erweiterungen und Anbauten bis heute sichtbare Spuren an dem ursprünglich 1885 gebauten Haus hinterlassen. „Wir befinden uns mitten in den Planungen für einen Biergarten. Der soll auf der zum Schwanenplatz gerichteten Gebäude-Seite direkt am Eingang zum Hotel entstehen“, sprechen Kati und Christian Warnke über ihre aktuellen Pläne: „Vom Empfangsbereich des Hotels soll es einen eigenen Durchbruch als Zugang geben, damit der Biergarten auch bei Festen und Gesellschaften genutzt werden kann. Etwa 50 Plätze werden in dem Biergarten zur Verfügung stehen.“ Einen festen Eröffnungstermin hat Christian Warnke bereits vor Augen: „Bei dem ersten guten Wetter im neuen Jahr.“ Und Kati Willumat-Warnke fügt hinzu: „Ein Oster-Brunch im neuen Biergarten wäre schön.“

Dass solche Investitionen in Corona-Zeiten schwierig sind, konstatiert Christian Warnke, aber: „Die Wetterlagen in unserer Region haben sich geändert – die geben diesen Schritt her. Wir machen viel in Eigenleistung.“ Der 39-jährige Koch verkennt die Auswirkungen der Pandemie nicht: „Allein zwischen März und Juni mussten wir 55 bis 60 Prozent an Umsatz einbüßen.“ Derzeit herrsche eine „gefährliche Mischung“ für die Gastronomie, obwohl diese sich speziell in Wermelskirchen sehr um die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften kümmere: „Die Leute haben Sorge, Essen zu gehen. Anderen fehlt das Geld, weil sie in Kurzarbeit sind. Und die Phase des Lockdowns hat die Menschen an eine Minimierung des sozialen Lebens gewöhnt.“

Der durch Corona eingeführte Lieferservice für Speisen und das bereits seit Jahren bekannte „Gänse-Taxi“ zum Jahresende sind „Säulen“, auf die die „Schwanen“-Betreiber in den nächsten Wochen setzen. „Mein Ziel ist es, den Betrieb über die Corona-Zeit hinweg am Markt und alle Mitarbeiter zu halten“, betont Christian Warnke: „Wir haben acht Mitarbeiter, davon zwei Teilzeitkräfte und zwei Auszubildende.“ Kurzarbeit sei ein gutes Instrument zum Erhalt von Arbeitsplätzen und die von der der Bundesregierung eingeführte Verlängerung ein „richtiges Zeichen“. Er habe noch reichlich vor, das wäre wie ein roter Faden im Kopf, meint Christian Warnke: „Wir wollen das noch 20 Jahre machen, letztlich muss ja auch alles bezahlt werden.“ Seine Frau Kati ergänzt: „Toll wäre es, wenn wir den Betrieb an die nächste Generation weitergeben können.“