Schweine in Wermelskirchen

Tierisch: Schweine suchen ein neues Zuhause

Schweine sind Petra Kasterkes halbes Leben. Auf einer Wiese in Dabringhausen hält sie sieben Stück. Nun braucht der Eigentümer das Gelände als Bauland zurück.

Petra Kasterke weiß, dass sie bisher viel Glück hatte: Jahrelang durfte sie eine Weide am Asterweg unentgeltlich nutzen, um darauf ihre geliebten Schweine zu halten. Doch nun muss sie das Areal räumen, weil dort Neubauten entstehen sollen. Zunächst sah es so aus, als ob sie wieder Glück haben würde: „Zwischenzeitlich hatten mir der Landrat und ein weiterer öffentlicher Eigentümer zwei nebeneinander liegende Grundstück zur Pacht angeboten“, erzählt die gebürtige Wuppertalerin, die seit über zehn Jahren in Dabringhausen lebt. Das städtische Areal wäre mit über 2000 Quadratmetern groß genug gewesen und mit 50 Euro an jährlichen Kosten pro Quadratmeter sogar bezahlbar. „Die Grundstücke hätten nur einen Haken gehabt: Sie liegen nicht versteckt wie diese Weide, sondern entlang einer Hauptstraße, an der auch viele Schulkinder vorbeigehen. Es hätte also die Gefahr bestanden, dass die Tiere mit Unverträglichem gefüttert würden.“ Ein Risiko, dass sie in Kauf genommen hätte, damit ihre Schweine nicht per 17. Juli auf der Straße stehen.

Ein Szenario, das jetzt droht, weil die öffentliche Hand ihr Angebot wegen der Einwände eines Nachbarn zurückgezogen hat. Nun muss die dreifache Mutter aufs Neue suchen und ist dabei sehr eingeschränkt: „Weil ich kein Auto habe, muss die neue Heimat für meine Schweine erneut in Dabringhausen sein.“ Zudem genüge es nicht, „einfach nur eine große Wiese zu haben“. Denn Schweine wollen sich suhlen und auch mal in einen Stall zurückziehen. „Es braucht also fließend Wasser in der Nähe und die Möglichkeit, auf dem Grundstück am besten sogar zwei Ställe zu errichten.“

Einen Mistplatz brauche es hingegen nicht: „Schweine, die Auslauf haben, sind stubenrein und erledigen draußen ihr Geschäft. Es sind allgemein sehr saubere Tiere, die überhaupt nicht stinken.“ Auch sie habe ihre Schweine, als sie anfangs noch von überschaubarer Zahl waren, mit im Haus leben lassen: „Weil es einfach so liebe Tiere sind, die nur Probleme machen, wenn Neulinge hinzukommen.“ Nach zwei bis drei Wochen haben sich die Schweine aneinander gewöhnt, weil sie Rottentiere sind und Gesellschaft prinzipiell mögen.“ Und sie mögen es, vielfältig zu fressen.

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Überhaupt nicht verboten, sondern durchaus erwünscht sei es, Schweine mit anderen Tierarten zu mischen. „Auch ich mache das, indem ich hier auf der Wiese noch meine drei Hunde laufen lasse.“ Das funktioniere, solange sie von allen Vierbeinern als Leittier akzeptiert werde. „Diesen Status muss man sich erarbeiten, unter anderem mit viel Strenge und einer lauten Stimme.“

Trotzdem sei es ihr immer wieder gelungen, ihre Freude an ihren Schweinen ohne böse Vorfälle mit Anderen zu teilen und den friedlichen Charakter der Pigs zu demonstrieren: „Ich hatte sogar schon zwei autistische Kinder hier. Sie blühten durch die unmittelbare Nähe zu den Schweinen richtig auf.“ Wegen dieser positiven Erfahrungen würde sie „auf dem neuen Grundstück, sehr gerne auch mal Klassen von Grundschulkindern willkommen heißen“. Denn Kasterke findet, dass Ausflüge auf eine Wiese mit Schweinen für jüngere Schüler allemal besser seien als Exkursionen in Freizeitparks oder Trampolinhallen. Man lerne doch so viel mehr durch den Kontakt zu Tieren, „und wenn ein Schwein zufrieden grunzt, weil es liebevoll gestreichelt wird, dann ist das einfach das Größte!“ Bevor es soweit ist, muss jedoch zunächst das geeignete Grundstück her: „Ich hoffe, dass sich noch eine bessere Option auftun wird. Es sollen ja nicht nur die Schweine auf dem Gelände glücklich werden.“

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