Schule in NRW: Sanierungstau stinkt auf den Schulklos

Problemfall Schulklo: „Es ist schon normal geworden, dass Schultoiletten stinken“

Marode, stinkend, unhygienisch. Viele Schultoiletten in NRW sind in einem schlechten Zustand. Während sich Kinder vielerorts ekeln, packen einige Städte das Problem an.

Da geht ihr rückwärts wieder raus! Es wird gespart, wo es geht!“, schreibt eine Facebook-Nutzerin über die Toiletten an einer Schule in Leverkusen. Wie an vielen Orten im Land sind auch in der Stadt am Rhein viele Schultoiletten sanierungsbedürftig.

Für die Landesschülervertretung (LSV) ist das Problem nicht neu. Sie kritisiert seit langem die „Bildungsunterfinanzierung“ in NRW. Dazu hat die LSV eine Kampagne gestartet, denn nach Auffassung der Betroffenen fehlt es an allen Ecken und Enden im Bildungssystem an Geld - auch bei den Sanitäranlagen. „Die Toiletten sind nur die Spitze des Eisberges“, sagt LSV-Vertreter Luca Samlidis. Der Abiturient meint: „Der bauliche Zustand ist an vielen Schulen in NRW marode. Da ist es schon normal geworden, dass Schultoiletten ekelhaft sind.“ Stinkende Schulklos gibt es offenbar in ganz NRW. Hier nur zwei Beispiele aus der Region:

  • In Hilden hat der Schulverein der Elbsee-Schule vor zwei Jahren auf eigene Kosten die Toilettenbrillen, - schüsseln, Urinale, Seifenspender erneuern lassen.
  • Am Düsseldorfer Luisen-Gymnasium beklagten Eltern im Februar: „Manche Kinder gehen nicht einmal mehr auf die Toilette“, so marode sei das Gebäude.

Viele Schulen wollen das Ekel-Problem angehen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Ansätze - vom Toiletten-Cent über pädagogische Lösungen bis hin zur besseren Schulung der Putzkräfte.

Eltern zahlten selbst für die Putzfrau

Vor etwas mehr als zehn Jahren sah es auch auf der Toilette der städtischen Realschule Wermelskirchen übel aus. So übel, dass die Idee entstand, eine zusätzliche Reinigungskraft einzustellen - finanziert aus Spenden. Vor allem die Eltern der Schüler griffen ins Portmonee, damit die Kinder ein sauberes stilles Örtchen an ihrer Schule bekamen. Auch im benachbarten Leichlingen finanzierten Eltern eine Putzkraft. 2013 aber schritt in einer Bochumer Schule die Schulaufsicht ein. Dort hatte es an der Marie-Sibylla-Merian-Gesamtschule eine „Flatrate“ von zehn Euro für die Benutzung einer „Premium-Toilette“ gegeben. Die Bezirksregierung Arnsberg verbot der Schule dieses Vorgehen.

Städtischer Beamter setzt sich für die Sauberkeit ein

Inzwischen wird die Reinigung der Schulklos auch in Wermelskirchen wieder komplett von der Stadt bezahlt, wie Bürgermeister Rainer Bleek sagt. Um die Sauberkeit zu verbessern, setzt die Stadt im Bergischen heute auf andere Lösungen. Ein wichtiger Faktor dabei ist Robert Pap. Der Betriebswirt ist zuständig für die Gebäudewirtschaft und kümmert sich aus Überzeugung um die Sauberkeit auf den städtischen Schul- und Kindergartentoiletten. „Gerade die Kleinen, die Kinder im Kindergarten und in der Grundschule, haben keine Möglichkeit, sich zu wehren. Sie müssen diese Toiletten benutzen“, sagt er.

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Pap hat sich inzwischen eine ganze Menge Fachwissen über Gebäudereinigung angeeignet. Er sorgte dafür, dass die Mitarbeiter der Reinigungsfirma geschult wurden, fordert regelmäßig Feedbackgespräche und besuchte zu Beginn seiner Amtszeit jede einzelne der städtischen Toilettenanlagen. Jetzt stinkt es nicht mehr auf den Schultoiletten in Wermelskirchen, dank neuer Reinigungsmittel, neuer Putzgeräte, offenen Gesprächen und Qualitätskontrollen.

Sauberkeitserziehung für Kinder

Die Stadt Köln versucht die Sauberkeit mit pädagogischen Mitteln zu verbessern. Dabei bekommen die Lehrer Unterstützung von der „Reinigungsberaterin“. Angela Kool besucht Schulen, vor allem Grundschulen, und erklärt Kindern, wie sie allein und ohne Hilfe auf der Toilette zurecht kommen. Sie kommt mit Arbeitsblättern in den Unterricht. Dreimal wöchentlich ist sie mit der Mission im Einsatz, für mehr Hygiene zu sorgen.

Das sei auch notwendig, sagt sie: „Gerade in den Grundschulen fällt bei den Kindern noch die Unsicherheit oder auch Unwissenheit bei der Toilettennutzung auf. Die Regeln, die ich ihnen an die Hand gebe, bauen die Unsicherheit ab und sind ein gedanklicher Begleiter bei jedem Toilettengang.“

Auf den Arbeitsblättern sollen die Kinder zehn Piktogramme in die richtige Reihenfolge bringen - angefangen von der drückenden Blase bis zum Abtrocknen der Hände. Gar nicht so einfach, sagt sie, denn viele Kinder machen dabei Fehler.

Mit diesem Arbeitsblatt erklärt die Reinigungsberaterin der Stadt Köln, wie Erstklässler richtig zur Toilette gehen. Foto: Satz- und Layoutservice der Stadt Köln

Aber auch ältere Schüler verhalten sich nicht immer vorbildlich auf den Toiletten. Kool bestätigt: „In weiterführenden Schulen werden die Toilettenanlagen auch absichtlich verunreinigt. Leider fehlt der Respekt vor dem Eigentum der Schule“. Sie ist sich mit ihrem Wermelskirchener Kollegen Pap einig: Das Beste wären kleinere Toilettenanlagen, die sich jeweils nur wenige Klassen teilen. Doch das ist Zukunftsmusik, denn dafür müssten viele Schulgebäude aufwendig umgebaut werden.

Saubere Örtchen statt digitaler Technik

An den Schulen in Leverkusen sind einige Toilettenanlagen schon aufwändig saniert worden - bis zum kompletten Abriss und Neubau. Wie viele andere Kommunen nutzen auch Leverkusen, Remscheid und Wermelskirchen dafür Geld aus dem Programm „Gute Schule 2020“. Doch daran gibt es Kritik. Die Bloggerinnen Benita Schauer und Daniela von Treuenfels aus Berlin veröffentlichten als „Kampangenteam Einstürzende Schulbauten“ einen Blog zum Thema und wettern: „Wie aus ,Gute Schule 2020’ ,Gute Toilette 2020’ wurde“, denn eigentlich hatte die Landesregierung angekündigt, mit dem Paket „Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur“ zu finanzieren.

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