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Schuldnerberatung in Corona-Zeiten in Wermelskirchen

Immer mehr Klienten in Wermelskirchen : Schuldnerberatung in der Pandemie

Kurzarbeit und ausstehende Überbrückungsgelder waren der Auslöser für viele Kontaktaufnahmen an die Schuldnerberatung im vergangenen Jahr. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werde die Zahl der Ratsuchenden wohl weiter erhöhen, ahnen die Schuldnerberaterinnen.

Die Schuldnerberatung wird in Krisenzeiten verstärkt in Anspruch genommen: 103 neue Klienten zählten Constanze Hempel und Jutta Paulig im vergangenen Jahr. Dazu kommen 278 Bürger, die schon vor der Pandemie den Kontakt zur Beratungsstelle gesucht hatten und im vergangenen Jahr weiter beraten wurden. „Bei einem großen Anteil waren Corona und der harte Lockdown im Frühling ein Auslöser für die Kontaktaufnahme“, berichten die Schuldner- und Insolvenzberaterinnen. Eigentlich hatten die Fachfrauen im Sozialausschuss über ihre Arbeit berichten sollen, wegen der Pandemielage hatten sie ihre Bilanz schriftlich eingereicht.

Ihr Fazit: „Gerade in der Pandemie hat sich nochmal gezeigt, dass es wirklich jeden treffen kann, in die Überschuldung zu geraten.“ Kurzarbeit und ausstehende Überbrückungsgelder hätten für akute Ängste und Zahlungsschwierigkeiten gesorgt. „Die Anfragen waren nicht auf ein bestimmtes Klientel begrenzt“, sagen die Beraterinnen. Ratsuchende zwischen 18 und 85 Jahren wendeten sich an die Schuldnerberatung. „Menschen aus allen Bildungsschichten“, heißt es in dem Bericht, „ ohne Schulabschluss bis hin zu Akademikerin und Gewerbetreibenden.“ Es sei zu befürchten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen in naher Zukunft die Zahl der Betroffenen und Ratsuchenden weiter erhöhen werde, befinden Constanze Hempel und Jutta Paulig.

Eine besondere Herausforderung stellt in der Corona-Pandemie auch die Beratungssituation dar. Über lange Zeiträume habe man nur telefonischen Kontakt zu den Klienten halten können. „Eindrücke wie Mimik, Gestik und Körpersprache spielen aber eine erhebliche Rolle in der Wahrnehmung und Erfassung der Ratsuchenden“, erinnert die Fachfrauen. Das falle in der Krise nun weg.

Gleichzeitig warteten die Schuldnerberaterinnen im Corona-Jahr auf die Verabschiedung des Gesetzes zur Verkürzung der Verbraucherinsolvenzverfahren auf drei Jahre. Die Verabschiedung des Gesetzes war ursprünglich für Juli 2020 angekündigt, erfolgte aber erst Ende Dezember. „Das führte dazu, dass keine Insolvenzanträge mehr zu Gericht gegeben wurden, um das Risiko der Benachteiligung der Antragssteller zu vermeiden“, erklären die Beraterinnen.

Bereits seit 1998 gibt es die Schuldnerberatung am Markt – sie steht allen Bürgern des Kreises unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ausgenommen sind Selbstständige. Bis 2017 zeichnete die Stadt als Trägerin der Beratungsstelle verantwortlich, 2018 übernahm dann die AWO Rhein Oberberg.

(resa)