Schüsse in Wermelskirchen: Staatsanwaltschaft wertet Spuren aus

Nach Schüssen in Wermelskirchen: Staatsanwaltschaft wertet Spuren aus

Nachdem ein Polizist am Mittwoch auf einen Bewaffneten geschossen hat, wertet die Staatsanwaltschaft die Spuren aus. Psychologen betreuen die Polizeibeamten.

Ein 26-jähriger Wermelskirchener hat gestern Morgen gegen 5.30 Uhr bei der Polizei angerufen und angedroht, Polizeibeamte der Wache Burscheid zu erschießen. Zwei Beamte machten sich nach Angaben der Polizei unmittelbar auf den Weg, um Schlimmeres zu verhindern und den mutmaßlichen Täter zu stellen. Es fielen zwei Schüsse. Seit gestern liegt der Mann schwer verletzt im Krankenhaus, die Polizisten werden psychologisch betreut.

Gegen 5.50 Uhr traf die Streifenwagenbesetzung den Mann auf der Schillerstraße im Bereich der katholischen Grundschule an. Die Polizisten, die bei Einsätzen unter der Uniform eine schusssichere Weste tragen, und der Bewaffnete standen sich gegenüber. Der 26-Jährige hielt die Schusswaffe in der Hand. Als die Beamten ihn aufforderten, diese abzulegen und er nicht reagierte, gaben sie einen Warnschuss ab - der Mann folgte der Aufforderung immer noch nicht. Schließlich schoss ein Beamter auf den Mann und verletzte ihn so, dass er von seiner Schusswaffe keinen Gebrauch mehr machen und jemanden verletzen oder gar töten konnte.

Foto: Solveig Pudelski

Nach einer Erstversorgung vor Ort brachte ihn der Rettungsdienst ins örtliche Krankenhaus. Nach Angaben von Polizeisprecher Richard Barz ist der junge Mann sehr schwer verletzt. Über die Art der Verletzung konnte er keine Auskunft geben.

Das Polizeipräsidium Köln hat die kriminalpolizeilichen Ermittlungen übernommen und führte die weiteren Maßnahmen in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Köln durch. Nähere Angaben zu dem 26-Jährigen gaben die Behörden nicht, er soll aber einen deutschen Namen tragen. Ob er mit einer scharfen Schusswaffe gedroht hat, werde noch ermittelt, sagt Richard Barz. Derzeit werde Zeugen vernommen, sagte eine Sprecherin der ermittelnden Staatsanwaltschaft Köln.

Mit Kreide wurde eine ermittlungsrelevante Stelle markiert. Foto: Solveig Pudelski
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Der Ort der Begegnung war gestern von der Polizei weiträumig abgesperrt. Weder Autofahrer, noch Fußgänger durften die Stelle passieren. Da noch Schulferien sind, war die Katholische Grundschule leer, was den Ablauf der Ermittlungen erleichterte. Die Mordkommission, die auch bei solchen Einsätzen ermittelt, und Beamte der Tatortbehörde dokumentierten alles, was ermittlungsrelevant sein könnte. Spurensicherung, das Vermessen und das Inspizieren der Örtlichkeit gehören dazu.

Aus dem Nachbarhaus beobachtete ein 90-jähriger Anlieger diese Ermittlungen. "Ich habe einen Schuss gehört", berichtete er im Gespräch mit unserer Redaktion. So kurz nach Silvester habe er eher an einen verspätet gezündeten Böller gedacht - nicht an einen Schuss. "Ich hatte Angst um meinen Briefkasten. Da sind schon brennende Silvesterknaller reingelegt worden", berichtete er von üblen Scherzen. Er habe nach dem Schuss aus dem Fenster geschaut, aber in der Dunkelheit nichts erkennen können. Erst als der Krankenwagen anrückte, habe er beobachtet, wie eine Person abtransportiert wurde.

Was sich gestern Morgen in der Schillerstraße abgespielt hat, ist für die betroffenen Beamten, eine hohe psychische Belastung. Ein Fachteam aus Ärzten, Seelsorgern und Polizeibeamten, allesamt speziell geschult, kümmert sich darum, dass das Erlebte verarbeitet werden kann. Barz: "Es geht darum, ein Trauma zu verhindern - und dass die Beamten wieder dienstfähig werden."

(RP)