Wermelskirchen: Schrott-Immobilien droht der Abriss

Wermelskirchen : Schrott-Immobilien droht der Abriss

Eine Gesetzesnovelle des Baugesetzbuches gibt der Stadt künftig die Möglichkeit, die Eigentümer von verwahrlosten Gebäuden wie der Rhombus-Fabrik an den Abrisskosten zu beteiligen. Ob die Stadt diesen Schritt geht, ist ungewiss.

An einigen Stellen ist das Dach eingefallen, die Fassadenteile sind zerbröselt. Die ehemaligen Hallen der Firma Rhombus-Rollen rotten seit Jahren vor sich hin. Der einst florierende Betrieb verfällt zur Ruine. "Das Rhombus-Gelände ist ein Schandfleck und alles andere als ein Aushängeschild, wenn man vorbeifährt", monieren Bürger.

Klaus Brosze (Freie Wähler) regte im Februar eine städtische Prüfung des alten Rhombus-Geländes an der B 51 an. Bei dem Gelände der ehemaligen Firma Rhombus-Rollen könne mittlerweile eine Umwelt- und Unfallgefährdung nicht mehr ausgeschlossen werden, hieß es.

Bislang konnte die Stadt Wermelskirchen wenig machen, um sogenannte Schrott-Immobilien, die dem Image der Stadt schaden, loszuwerden. Nun hat der Bundestag eine Novelle des Baugesetzbuches verabschiedet. Die Stadt Wermelskirchen kann künftig wirkungsvoller gegen Eigentümer von leerstehenden, verwahrlosten Gebäuden wie den Rhombus-Hallen vorgehen. Die Schrott-Immobilien können nicht nur zwangsweise abgerissen, sondern die Eigentümer einfacher als bisher an den Kosten beteiligt werden. Damit sind wichtige Weichen gestellt, dass marode Immobilien, die jahrelang unbewohnt vor sich hingammeln, nicht zum Dauerproblem für die Stadt werden.

Die Stadt Wermelskirchen begrüße die Gesetzesnovelle, sagte Dezernent Dr. André Benedict Prusa auf Anfrage. Schrott-Immobilien passten nicht in das städtebauliche Verständnis. Das neue Gesetz könne beim Rhombus-Gelände grundsätzlich Anwendung finden. Bisher konnte die Stadt bei verwahrlosten Gebäuden nur eingreifen, wenn etwa die öffentliche Sicherheit durch den Verfall der Häuser bedroht war, also wenn zum Beispiel Dachziegel auf Bürgersteige oder Straßen zu fallen drohten. Dann durfte die Verwaltung einen Abriss der maroden Gebäude anordnen.

Durch das neue Gesetz kann die Stadt Wermelskirchen Eigentümern von Schrottimmobilien sagen: Entweder Du sanierst — oder wir schicken Dir eine Abrissverfügung. Ausdrücklich geht es dabei allerdings nicht um Gebäude, die nur für kurze Zeit leer stehen und bei denen eine Modernisierung absehbar ist. Im Fokus stehen lange Zeit unbewohnte Immobilien mit großem Sanierungsstau, die die Eigentümer verwahrlosen lassen — wie zum Beispiel das Rhombus-Gelände. Besonders aus städtebaulicher Sicht ist die Neuerung wichtig. Heruntergekommene Gebäude entwickeln sich nicht selten zu Schandflecken, die auch die Wohnqualität in der Umgebung verschlechtern und die Entwicklung in der Stadt blockieren.

Die Stadt Wermelskirchen könne allerdings noch nicht handeln, da das neue Gesetz noch nicht in Kraft getreten sei. "Die Herausforderung der Gesetzesnovelle wird darin bestehen, den Missstand gerichtsfest anzuwenden, damit auch jeder ihn nachvollziehen kann", betonte Prusa. Zunächst müsse definiert werden, was überhaupt ein Missstand sei. Um eine klassische Schrott-Immobilie handele es sich beim Rhombus-Gelände nach Prusas Auffassung aber nicht. "Das Rhombus-Gelände ist nicht unrentabel", betonte er.

(RP/rl)
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